Oberkirch

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Autor: 
Rainer Braxmaier
Lesezeit 4 Minuten
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13. Mai 2021
Die Oberkircher Künstlerin Gabi Streile und Galerist Werner Tammen in der Ausstellung "40 Jahre Malerei".

Die Oberkircher Künstlerin Gabi Streile und Galerist Werner Tammen in der Ausstellung "40 Jahre Malerei". ©Rainer Braxmaier

Arbeiten der Künstlerin Gabi Streile aus Oberkirch werden derzeit in der Galerie Tammen in Berlin ausgestellt. Das mit einer Milliarde Fördergelder ins Leben gerufene Projekt „Neustart Kultur“ ist eine Initiative des Galeristen und der Künstlerin.

Die Probleme in den Zeiten von Corona sind vielfältig, auch in der Kunst, da oft existentiell, und das in allen Bereichen: Musik, Theater, Literatur, aber auch in der Bildenden Kunst. Verzweifelt versuchen Künstler und Institutionen nach Auswegen aus der erzwungenen Untätigkeit. Das Setzen sichtbarer Zeichen geht weit über die wirtschaftlichen Aspekte des Problems hinaus.

Anerkannte Kunstvereine, wie die Gesellschaft der Freunde junger Kunst in Baden-Baden, inszenieren gerade eine Bildhauerausstellung im Zentrum der Kurstadt. „Skulptur Südwest“ zeigt Werke von rund 30 Künstlern, während gleichzeitig im eigentlichen Ausstellungshaus die Werkschau von Sophia Solaris nicht gezeigt werden kann. Grund hierfür ist die Pandemie.

Die Malerin Gabi Streile aus Oberkirch zählt zu den renommiertesten Künstlerinnen der Region. Sie hat das gleiche Problem wie alle anderen Bildenden Künstler: Wohl kann sie arbeiten, ihren Betrieb aufrechterhalten, aber ausstellen geht nicht. So wurde die Kunstmesse „ART Karlsruhe“, seit vielen Jahren auch für Gabi Streile ein wichtiges Schaufenster, zunächst verlegt und dann ganz abgesagt.

"Neustart Kultur"

Immerhin kann die Malerin jetzt ein bedeutendes Konzentrat ihres Werkes unter dem Titel „40 Jahre Malerei“ in der Galerie Tammen in Berlin zeigen. Dank der Transparenz durch technische Mittel ist das Unterfangen so inszeniert, dass ein Eindruck davon über mehr als siebenhundert Kilometern bis in die Ortenau strahlen kann. Natürlich lässt sich die direkte Anschauung der Exponate durch nichts ersetzen, auch wenn alle Bilder der Ausstellung auf der Homepage der Galerie unter dem Stichwort „Kunstmarkt“ abgebildet sind.

Dank des Projekts „Neustart Kultur“, für das die Bundesregierung unlängst eine Milliarde Euro Fördergelder freigegeben hat, konnte Galerist Werner Tammen, mit der Künstlerin und ihrem Ehemann, dem Maler Werner Schmidt, den Direktor des Künstlerhauses Bethanien, Christoph Tannert, für eine Online-Führung durch die Ausstellung gewinnen. Die Ausstellung ist damit unversehens in einen wichtigen kulturpolitischen Fokus geraten.

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Zusammen mit einigen anderen Galeristen hatte Werner Tammen in Verhandlungen mit Kulturstaatssekretärin Monika Grütters im Bundeskanzleramt erreicht, dass „Neustart Kunst“ auch private Galerien landesweit mit insgesamt 16 Millionen Euro unterstützt. Für die gebürtige Karlsruherin Gabi Streile deckt sich diese Zeitspanne beinahe jahresgenau mit der Zeit, die sie in ihrer Wahlheimat Ortenau verbracht hat. Und die fruchtbaren Landstriche zwischen Rhein und Schwarzwald bilden sich in den Landschaften und Stillleben der Ausstellung immer wieder ab, selbst im stumpfen Licht der preußischen Metropole.

Neue Bilder

Denn, auch wenn die Malerin vor allem in ihren neueren Bildern den Begriff der Gegenständlichkeit bis zur Grenze der Sichtbarkeit expressiv ausdeutet, am Anfang steht für sie immer die präzise Wahrnehmung der Natur, also ihrer direkten Umgebung. Egal, ob ihr ein Kuchenstück, ein Blumenstrauß oder eine baumbestandene Ebene bildwürdig erscheint, der erste Schritt gehört der Anschauung des Bildgegenstands. 

Ein emotionales Tempo

Damit wird aus dem persönlichen Kosmos der Künstlerin auch ein Portrait des heimatlichen Lebensgefühls. Die Motive geben überdies den Rahmen für die künstlerische Interpretation des Sujets: das hohe emotionale Tempo ihrer Bilderschrift, die kühne Konstruktion von Licht und Farbe – eine Malerei wie im Sekundenschlaf – oder wie Christoph Tannert vor einem Melonenschnitz der Malerin sagt, dass sie ein „schmatzendes, fruchtbares, erfrischendes Gefühl“ transportiere.

Die Auswahl von knapp vierzig Werken aus 40 Jahren in der Galerie Tammen zeigt auch, wie sich die Künstlerin von den frühen Stillleben auf Packpapier, die durch ihre vielschichtigen Farbvaleurs bestachen, allmählich zu einer weitaus expressiveren Bildsprache entwickelte, ohne dass ein Bruch in ihrem künstlerischen Konzept entstand. Ein Kosmos aus Pathos und Verwundbarkeit, der im scheinbar Banalen das Tiefe entkernt.

Dafür liebt man die Malerei von Gabi Streile. Und der Betrachter in der fernen Heimat weiß auch, was sie meint, wenn nicht ausdrücklich „Meisenbühl“ als topografische Kennung auf dem Bildtitel steht. Die Ausstellung „40 Jahre Malerei“ ist beides: Vermächtnis und Momentaufnahme.

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