Passerelles-Konzert

Gitarrenduo Cafe del Mundo begeisterte in Kehl

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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17. April 2018

Jan Pascal und Alexander Kilian verzauberten. ©Oscar Sala

»Die Gitarre ist ganz anders als die anderen Instrumente. Sie rührt so an, ist so poetisch. Ich könnte nie etwas anderes spielen«, schwärmt seinerzeit der Gitarrist Andrés Segovia (1893-1987).  Das bewies das Duo Café del Mundo am Sonntag in Kehl.

Auf eine feurige Reise in die Welt der Gitarre begaben sich die Konzertbesucher in der Kehler Stadthalle am Sonntagabend bei der dritten und vorerst letzten Veranstaltung der Weltmusik-Reihe »Passerelles« in dieser Saison.  Zu Gast war das Gitarrenduo Café del Mundo mit Jan Pascal und Alexander Kilian, zwei preisgekrönte Musiker mit einer ausgesprochenen Passion für den Flamenco. Ihr gemeinsamer Live-Auftritt entpuppte sich als mitreißendes Zwiegespräch zweier Saitenvirtuosen. Die Instrumentalkünstler brillierten beim gut zweistündigen Konzert immer wieder mit rasanten Spielläufen, temperamentvollem Spiel und poetischen Atempausen.

Flamenco in allen Schattierungen

Zu hören gibt es an diesem Abend vor allem Flamenco in fast allen Schattierungen. Was aber »Café del Mundo« auszeichnet, ist nicht nur die einfach unfassbar gute Gitarrenmusik, sondern eine unterhaltsame Mischung mit spanischen, portugiesischen, arabischen und sogar polnischen Einflüssen. Es sind unter anderem Bearbeitungen von Stücken von Chick Corea oder Astor Piazolla.  Jeder Titel hat seine eigene Entstehungsgeschichte, die Jan Pascal mit Charme erläutert. Alexander Kilian garniert die Kommentare seines kongenialen Partners mit humoristischen Anmerkungen.  

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Kennengelernt hätten sie sich, so Pascal, auf einem seiner Workshops, bei dem Schüler Kilian die Partituren besser spielte als der Lehrer. Seitdem bereisen sie gemeinsam die Welt. Nach mehr als zehn Jahren andauernder musikalischer Beziehung bilden sie eine perfekte Symbiose, die Verständigung gelingt per Augenkontakt. Es entspinnt sich ein beständiger Dialog, bei dem sich Begleitung und Soli abwechseln – einmal zart und leise wie beim »Adagio« aus dem »Concierto de Aranjuez« oder beim »León dormido«, einem Stück über einen schlafenden Löwen als Sinnbild des Berges; ein andermal in einem atemberaubenden Tempo wie beim brasilianischen »Tico, Tico« – die Finger der Interpreten fliegen förmlich über die Saiten.

Fröhliches und lebhaftes Spiel

Die Gitarristen haben sich auf ihren vielen Reisen von Land und Leuten inspirieren lassen und die unterschiedlichsten Einflüsse aufgesogen. Eigenkompositionen mit fein durchkomponierten Harmonien und Melodien wie »La Perla«, »Spread your wings!« oder »Dance of Joy«, erweisen sich als Oden an die pure Daseinsfreude. Ihr fröhliches Spiel springt immer wieder auf die Zuhörer über: »Alegría« (Freude) – so heißt ein Flamenco aus dem Raum von Cádiz – strahlen die beiden Musiker auch aus. Bei »La Fiesta«, einem Jazzstandard von Chick Corea«, gelingt eine bezaubernd-lebhafte Malagueña-Version mit überwältigender Spieltechnik. 
Aber auch Tangos, lateinamerikanische Rhythmen und Jazz-Elemente sind mit von der Partie: der tragische polnische Tango »Schenke mir noch einen letzten Sontag« erzählt von der Liebe einer Frau zu zwei Männern, auch Astor Piazollas Tangos »Libertango« und »Oblivion« dürfen nicht fehlen, entfalten mit ihrer zeitlosen Melancholie einen Strudel der Gefühle. Klassische Töne schlägt das Duo bei Manuel de Fallas »La Vida Breve« an, bei dem Musikalität und Emotion zu einer perfekten Einheit verschmelzen.

Die intime Atmosphäre auf der Stadthallenbühne – hier werden die Konzerte der Passarelles-Reihe samt Publikum abgehalten – hatte etwas von »Tablao« mit andalusischem Flair. Die nicht minder ansprechende Lichtgestaltung der Technik sowie der saubere Sound trugen hier dazu bei. 
Für den magischen Abend gab es frenetischen Beifall. Die südlichen Gitarrenklänge hatten Appetit auf Urlaub gemacht, das verzückte Stadthallen-Publikum zeigte sich gierig nach mehr und bekam von den zwei Ausnahmevirtuosen den gewünschten Nachschlag, darunter ein amüsantes Medley voller Rasgueados, Arpeggios und Tremoli  aus Stücken von Michael Jackson, AC/DC und Paco de Lucía. Wer konnte da bei soviel musikalischem Koffein noch schlafen?

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