Festival "Musica" in Straßburg

Harmonien und Dissonanzen

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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22. September 2020

(Bild 1/2) Beeindruckendes Vokalensemble: Die Oberstufenchöre des Offenburger Schiller-Gymnaisums und des Lycée Stanislal de Wissembourg. ©Jürgen Haberer

Das zweite große Konzert zur Eröffnung des Straßburger Festivals „Musica“ hat ein kraftvolles Ausrufezeichen gesetzt. Mit dabei war der Chor des Offenburger Schiller-Gymnasiums.

Auf den zerrissenen, viel zu lang geratenen ersten Akt am Freitagabend folgte eine ungemein kraftvolle Manifestation zeitgenössischer Klänge. Das zweite Eröffnungsspektakel des Festivals „Musica“ hat am Samstagabend einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen: Zum Einstieg Marina Rosenfelds „Teenage Lontano“, eine Verschränkung von lautmalerischen Chorgesängen und elektronischen Klangkaskaden. Danach dann die „Basel Sinfonietta“ mit der Uraufführung des neuen Werkes von Georg Friedrich Haas, gefolgt von einem fulminanten Klavierkonzert, untermalt mit aberwitzigen Bildern und Gesten. Zeitgenössische Musik inszeniert als anregendes Spektakel, serviert von einem klanggewaltigen Orchester, das für sich in Anspruch nimmt, musikalisch am Puls der Zeit zu agieren.

Oberstufenchor des Schiller-Gymnasiums Offenburg

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„Teenage Lontano“ stellt einen Bezug zu dem 1967 uraufgeführten „Lontano“ von György Ligeti her. Ein Lichtband durchzieht den Raum, dient als Plattform für ein 32-köpfiges Vokalensemble, das von den Oberstufenchören des Offenburger Schiller-Gymnasiums und des Lycée Stanislal de Wissembourg gebildet wird. Über den Köpfen der Schüler rotiert ein Horn, ein Band von Lautsprechern lässt elektronische Klangkaskaden durch den Saal der neuen „Hall Rhin“ im Straßburger Kongresszentrum fluten. Lautmalerische Vokalharmonien breiten dahinter einen im Raum schwebenden Klangteppich aus. Das Aufeinanderprallen von innerer Ruhe und sonoren Impulsen sorgt für immer neue Spannungsmomente. Dann gruppiert sich das Publikum mit Blick auf die Hauptbühne neu, die „Basel Sinfonietta“ unter der Leitung von Baldur Brönimann übernimmt musikalisch das Zepter. 

Haas’ „Joshua Tree“ setzt einen beeindruckenden Akzent. Sphärische Orchesterklänge verdichten sich. Hier ein dunkles Grollen, da eine hell funkelnde Kaskade, Musik, die aus einem trägen Fluss heraus Impulse setzt, Harmonien zwischen dissonanten Rhythmusfiguren platziert. 

Als Finale folgt Simon Steen-Andersens „Piano Concerto“. Auf der Leinwand hinter der Bühne stürzt ein Flügel auf den Boden einer Fabrikhalle. Während das Instrument in Zeitluppe berstet, schwingt sich ein alle Register ziehendes Orchester zu einem infernalischen Grollen empor, das langsam wieder abebbt. Pianist Nicolas Hodges greift in die Tasten, ihm gegenüber sitzt eine Projektion seiner selbst an einem zerbrochenen Flügel. Das Klackern der Klaviere wird im Orchester reflektiert. Ein surreales Tongemälde entsteht, in dem Ludwig van Beethoven ebenso anklingt wie John Cage. Das Scheppern eines schrottreifen Pianos prallt auf wuchtige Zwischentöne, virtuose Seitenpfade und orchestrale Gesten. Am Ende wiederholt sich das Bild des Aufpralls und illuminiert die grollenden Schlussakkorde eines enthemmt auftrumpfenden Orchesters, die das Klavier noch einmal abschließend kommentiert. 

Info

Termin

„Musica“ dauert bis zum 3. Oktober. Bedingt durch die Corona-Verordnungen stehen mehr als 60 Aufführungen mit zahlreichen Wiederholungen auf dem Programm. Es gilt eine grundsätzliche Maskenpflicht, es gibt noch Karten für etliche Veranstaltungen. Online-Reservierung bevorzugt: https://festivalmusica.fr.

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