Hausach

„Herbst-Lenz“ mit Preisträger

Jürgen Haberer
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27. November 2023
Martin Schäuble gewann den Leselenz-Preis der Thumm-Stiftung für junge Literatur. 

Martin Schäuble gewann den Leselenz-Preis der Thumm-Stiftung für junge Literatur.  ©Jürgen Haberer

In Martin Schäubles Romanwelt kehren Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in unser Leben zurück, Autokraten und Kriegstreiber werden hofiert, die Welt steht einmal mehr am Abgrund.

Zwei Tage literarischer Nachschlag im „Herbst-Lenz“, die Eröffnung des „Erich-Kästner-Wegs“, dem bundesweit ersten Kinder- und Jugendliteraturpfad. Dazu die Vorstellung der neuen Stadtschreiber und als krönender Abschluss die Vergabe des Leselenz-Preises der Thumm-Stiftung für junge Literatur an Martin Schäuble.

Der „Hausacher Leselenz“ hat zu Beginn der Adventszeit noch einmal eine starke Duftmarke gesetzt, die Zeit bis zur Eröffnung der 27. Festivalausgabe im Juli 2024 verkürzt. José F. A. Olivier und sein Team haben die den Rahmenbedingungen geschuldete Zweiteilung der Literaturtage in Hausach genutzt, um zu einer ungewohnten Zeit noch einmal die außergewöhnliche Atmosphäre des „Leselenz“ zu beleben, die sich längst als markantes Alleinstellungsmerkmal herauskristallisiert hat. Der „Herbst-Lenz“ ist dabei noch eine Spur intimer ausgefallen als der Hauptblock im Sommer, hat in seiner literarischen Qualität, seiner inhaltlichen Ausgestaltung aber nahtlos angeknüpft.

Der Festakt zur Vergabe des Leselenz-Preises der Thumm-Stiftung für junge Literatur schlägt noch einmal eine Brücke zur Gastsprache Französisch, überrascht mit einer musikalischen Manifestation, die dem Chanson huldigt, experimentelle und jazzige Töne anschlägt, bei der elsässischen Mundart landet. Matskat (Gesang, Gitarre, Violine) und sein Pianist Gregory Ott besorgen die Zwischenspiele des Abends, lassen ihn am Ende musikalisch ausklingen.

Tabuthemen aufgegriffen

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José F. A. Oliver übernimmt die Laudatio für Preisträger Martin Schäuble, skizziert den 1978 in Lörrach geborenen Journalisten und Schriftsteller als akribisch recherchierende Meister des literarischen Dialogs, als Jugendbuchautor, der den Befindlichkeiten seiner Zielgruppe sensibel, sprachgenau und überzeugend nachspürt, in dystopisch angelegten Romanen Tabuthemen aufgreift, sich unaufdringlich in gesellschaftliche und politische Wirklichkeiten einmischt.

Er führt nicht die jüngste Publikation Schäubles ins Feld, den Roman „Alle Farben Grau“ (2023), der sich mit dem Thema Jugendsuizid auseinandersetzt. Der Autor selbst setzt sich dann mit einem ganzen Stapel Bücher zu einer kurzen Lesung an den Tisch, greift spontan zwei etwas ältere Romane heraus. „Sein Reich“ aus dem Jahr 2020, in dem ein 15-Jähriger in den Sommerferien seinen Vater besucht und dabei gegen seinen Willen in den Strudel der Verschwörungstheorien sogenannter Reichsbürger hineingezogen wird.

„Endland“ aus dem Jahr 2017 wartet mit einer Fiktion auf, die den Populismus eines Donald Trump und der AfD, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit aufgreift, um den Leser in eine Welt zu katapultieren, in der Deutschland die Schotten dicht gemacht hat, die jungen Helden des Romans ihre Lehrjahre an einer Grenzanlage absolvieren, an der längst der Schießbefehl gilt.

Martin Schäuble rezitiert damit zwei Passagen aus Büchern, die sich in Romangestalt politisch einmischen und Position beziehen, vor den Abgründen einer Entwicklung warnen, die aktuell überall um sich zu greifen scheint. Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit kehren in unser Leben zurück, Autokraten und Kriegstreiber werden hofiert, die Welt steht einmal mehr am Abgrund. Der nun in Hausach vergebene Literaturpreis kann dabei helfen, gegenläufige Positionen zu stärken, Martin Schäubles Bücher gehören in jedes gut sortierte Regal und sie sollten wegen ihrer sprachlichen und inhaltlichen Qualität als schulische Pflichtlektüre dienen.

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