Ausstellung in der Städtischen Galerie Offenburg

Hiroyuki Masuyama komponiert seine Panoramen am Computer

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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20. Oktober 2019
Hiroyuki Masuyama mit einer rotglühenden Sonne.

Hiroyuki Masuyama mit einer rotglühenden Sonne. Rechts das Jungfraujoch.Foto: Jürgen Haberer ©Jürgen Haberer

Der japanische Fotograf Hiroyuki Masuyama blickt auf Mikro- und Makrokosmos. Seine Ausstellung in der Städtischen Galerie Offenburg zeigt weitläufige, am Computer komponierte Panoramen auf den Spuren der Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts.  

Das Auge des Betrachters fällt auf eine rotglühende Sonne, die von innen her leuchtet, umkreist das Jungfraujoch in den Berner Alpen, entdeckt blühende Frühlings- und Herbstblumen auf einer einzigen Wiese mit den letzten Schneeresten der Winters. Den Einstieg in die Bilderschau des 1968 in Tsukuba (Japan) geborenen Künstlers, markieren zwei riesige Panoramen, in denen alles in einem wilden Sturm durcheinander zu wirbeln scheint. 

Hiroyuki Masuyama, der seit gut 20 Jahren in Düsseldorf lebt, hat erst Malerei und Bildhauerei studiert, bevor er sich der Arbeit mit der Kamera zugewandt hat. Seine Herangehensweise ist dabei immer ähnlich. Die Ausstellung in Offenburg endet mit einem Blick auf das Universum, einem Sternenhimmel, der aus 880 Einzelbildern zusammengesetzt ist und eine ganze Wand einnimmt.
 
Hiroyuki Masuyama fängt das von ihm ausgewählte Motiv oft in hunderten von Fotografien ein, die er dann am Computer bearbeitet, ineinanderschiebt und übereinanderlegt. Das fertige Bild wird auf Folie gedruckt und von hinten beleuchtet. Es entsteht eine eigene Form von Bildpoesie, eine fotografische Lyrik, die in den Mikro- und Makrokosmos vordringt, vor dem Auge des Betrachters eine neue Realität entstehen lässt, aber auch ganz bewusst den Spuren von Leonardo da Vinci, Caspar David Friedrich und William Turner folgt.

Fotocollagen von Turners Reise

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Da sind einmal die beiden Sturmbilder, in denen alles durcheinanderwirbelt: Wolkenformationen, Haare, Blätter und grafische Elemente, ein Fragment des Sternenhimmels. Ein wohldosiertes Chaos, das eine elementare Kraft reflektiert. Die Auseinandersetzung mit dem Impressionisten William Turner leitet ein neun Meter langes Panorama ein, das den Flug von London nach Venedig nachzeichnet. Dann steht der Betrachter vor gut drei Dutzend Fotocollagen. Hiroyuki Masuyama hat fast 100 Jahre später Turners Reise durch Europa nachvollzogen, seine Motive in der Gegenwart eingefangen. Die dutzendfache Überblendung lässt die verwaschene und verwunschene Aura entstehen, die den Gemälden und Aquarellen Turners anhaftet. 

Das gleiche Muster bei Caspar David Friedrich. Der berühmte Kreidefelsen auf Rügen, Moore und romantisch verklärte Landschaften. Hiroyuki Mauyama hat sie aus unzähligen Bilddetails neu komponiert, verknüpft die Stimmung des Originals mit den Gegebenheiten der Gegenwart.

Der kompositorische Aspekt ist allgegenwärtig. Der Künstler hat mit dem Hubschrauber das Jungfraujoch umrundet und ein Alpenpanorama geschaffen, das unterschiedliche Blickwinkel in einem einzigen Bild vereint. Dasselbe Muster ist in der Blumenwiese zu entdecken. Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind vereint. Die Frühlingsblume steht neben Herbstblüten, das frische Gras kommuniziert mit letzten Schneeresten. An anderer Stelle werden die Steinformationen und Eindrücke einer Tropfsteinhöhle in einem einzigen Bild eingefangen.

 

Info

Öffnungszeiten

Ausstellung „Minima x Maxima“ von Hiroyuki Masuyama, Städtische Galerie Offenburg, Kulturforum, bis 16. Februar 2020. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag 11 bis 17 Uhr. Internet: www.galerie-offenburg.de
 

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