Museum Frieder Burda in Baden-Baden

Idealisierte Landschaften

Jutta Hagedorn
Lesezeit 4 Minuten
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17. November 2023
Ein in Blautönen leuchtendes Gebirgspanorama: "Mountains" hat Nicolas Party mit Softpastellkreide auf die Wand gemalt.

Ein in Blautönen leuchtendes Gebirgspanorama: "Mountains" hat Nicolas Party mit Softpastellkreide auf die Wand gemalt. ©© Nicolas Party; Foto: Nikolay Kazakov

Der Schweizer Künstler Nicolas Party hat seine erste Museumsausstellung in Deutschland. Im Museum Frieder Burda zeigt er großflächige Wandmalereien in leuchtenden Pastelltönen.

Gleich am Eingang des Museums Frieder Burda in Baden-Baden grüßt ein großformatiges Frauenporträt in einer eigenen Bildsprache, das einem aber dennoch irgendwie bekannt vorkommt. Rätselhaft, wie die ganze Schau des Malers Nicolas Party, der in den vergangenen vier Wochen Wände des Museums mit seinen großformatigen Malereien in Pastellkreide gestaltet hat. Die Ausstrahlung dieser zeitlich begrenzten Werke sind nur im musealen Kontext erlebbar, die Motive existieren als kupfergrundige Gemälde, wie Kurator Udo Kittelmann beim Presseempfang sagte.

Es sei sein lang gehegter Wunsch, Party nach Baden-Baden zu holen, so Kittelmann, dessen Amtszeit im Museum mit dieser Ausstellung ausläuft. Fasziniert habe ihn Partys Umgang mit der Architektur und dem weißen Ambiente des Hauses. Der Künstler wiederum gab zu, er habe sich erst einfinden müssen, um den Raum des Museums zu verstehen. Jetzt, nach Fertigstellung, erlebe er, wie diese Architektur seinen – temporären – Wandbildern einen Raum gibt. Denn darum gehe es auch. Hier, im Museum, stünden seine gemalten Landschaften in Korrespondenz zur echten Natur, die durch die Fenster schaut.

Da ist der Baum, der sich über drei Etagen hochrankt oder das feuerrote Waldpanorama, das eine ganze Wandfläche einnimmt. Abendstimmung in den Höhen des Schwarzwalds? Oder eine Feuersbrunst? Trotz der bedrückenden Assoziationen, die dieses Wandgemälde evoziert, strahlt es eine einnehmende Ästhetik und Schönheit aus. Die wird an der gegenüberliegenden Wand durch eine scheinbar heile Welt kontrastiert. Ein Wasserfall stürzt sich durch prallgrüne Bäume in die Tiefe.

Ein in Blautönen leuchtendes Gebirgspanorama überwältigt und fordert die volle Aufmerksamkeit. Wie die zarte Darstellung von Ruinen eines Schlosses oder eines Kloster im Raum nebenan. Allerheiligen im Schneetreiben? Oder doch Metapher für die vielen Kriege der Gegenwart?

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An den Längsseiten hängen Miniaturen. Sie zeigen Katzen, Frauenporträts, Blumen oder einen Dinosaurier im Licht des Vollmonds. Eine gewagte und zugleich positiv überraschende Raumerfahrung.

„Alles verschwindet“

„Appear and disappear – erscheinen und entschwinden“, nennt Party das, was ihn bewegt. Wobei „disappear“ auch mit „aussterben“ übersetzt werden kann. „Alles verschwindet, wird letztendlich zerstört. Wir sind nur ein kurzes Kapitel in der Weltgeschichte.“ Was ihn interessiere, sagt der Künstler, sei das Nachdenken über die Zeit und unser Verhältnis zur Welt. Eines sei sicher, dass die auch ohne die Menschen weiterleben wird. Eine Vorstellung, aus welcher der Titel der Ausstellung erwachsen ist: „When tomorrow comes“. Und so seien seine Landschaftsbilder keine realen, sondern idealisierte, sagt der Künstler. Darstellungen, wie Landschaft ohne den Menschen sein könnte.

Nicolas Party wuchs in der Gegend von Lausanne auf, kam über das Studium in Glasgow und einen Aufenthalt in Brüssel nach New York. In seiner Schweizer Heimat gehörten Landschaft und Natur zur Identität, was letztendlich dazu geführt habe, dass sie in der Malerei idealisiert wurde, sagt er. So habe auch er eine starke Beziehung zur Natur, doch sein Zugang sei heute urbaner und intellektueller. „Ich erfasse Natur als Idee, ein Konzept, weniger realistisch.“ 

Die rätselhaften Frauen, zarte Blumen haltend, finden sich als Porträts oder als Mittelbild von Schreinen, dreiflügeligen Reisealtären gleich, auf Marmorsockeln. Sie erinnern wie die Stillleben mit Früchten an die alten Meister, die Nicolas Party nach eigenem Bekunden studiert und in seine Bildsprache übersetzt: der gezielte Umgang mit geometrischen Figuren, homogenen und fast monochromen Oberflächen, der Harmonie von Farbe und Form. Hier wiederholt sich das Spiel mit dem Raum und der Realität.

Eine Ausstellung die zeigt, was Malerei heute noch kann und die anzuschauen Spaß macht. Trotz utopischer und dystopischer Bilder und apokalyptischer Assoziationen.

INFO: „When tomorrow comes“, Nicolas Party, Museum Frieder Burda, Baden-Baden; bis 18. Februar 2024; www.museum-frieder-burda.de; Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, an allen Feiertagen; 24. und 31. Dezember geschlossen.

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