Unterlindenmuseum in Colmar

Isenheimer Altar wird für 1,2 Millionen Euro restauriert

Autor: 
Hans-Dieter Fronz
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. September 2018
Der Isenheimer Altar

Der Isenheimer Altar ©Archivbild Tourisme Alsace

Wenn Kunst in die Jahre kommt, schlägt die Stunde der Restauratoren. Beim Isenheimer Altar im Unterlindenmuseum in Colmar ist es nun auch soweit. Die Experten sollen die Farben der berühmten Gemälde wieder zum Leuchten bringen. 

Er zählt zu den bedeutendsten Kunstwerken der abendländischen Kultur: der Isenheimer Altar mit den Gemälden von Matthias Grünewald und Skulpturen von Niklaus von Hagenau. Jahr für Jahr pilgern hunderttausende Kunstfreunde zum Unterlindenmuseum in Colmar, nur um Grünewalds Altarbilder zu sehen. Doch sehen sie dieses Meisterwerk der Spätgotik auch in seiner ursprünglichen Gestalt?

Eingehende wissenschaftliche Untersuchungen mit den modernsten Methoden belegen eine starke allgemeine Verschmutzung sowie eine Oxidation und Trübung der Farben der elf Tafelbilder. Grund ist die große Zahl von Firnisschichten, die seit der Entstehung der Gemälde aufgetragen wurden. Beispielsweise war der Himmel des ikonischen Kreuzigungsbildes ursprünglich nicht nahezu schwarz wie heute, sondern blau: Die Leuchtkraft der Farben wird von den Firnisschichten geschluckt. Das von Grünewald verwendete Kupfergrün oder auch gelbe Farbschichten haben sich im Laufe der Jahrhunderte ins Bräunliche verfärbt. 

Infos per Powerpoint

Deshalb soll der kostbare Altar in den nächsten vier Jahren aufwendig und umfassend restauriert werden. Während der gesamten Dauer der Arbeiten müssen die Besucher immer nur auf einen der drei Teile des Altars verzichten. Über den Fortgang der Restaurierung   informieren ein Bildschirm sowie eine Powerpoint-Präsentation neben dem Altar. Teile der Arbeiten werden am Standort des Altars vor den Augen der Öffentlichkeit ausgeführt.
Seit dem 18. Jahrhundert ist der Isenheimer Altar mehrfach instand gesetzt und mit einem neuen Firnis versehen worden. Hauptziel der aktuellen Restaurierung ist es, die Brillanz der Farben wiederzugewinnen und dem Besucher so einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen des Altars zu gewähren. 

Schon im Jahr 2011 wurde einmal mit der Restaurierung begonnen. Seinerzeit sollten lediglich die oberen Firnisschichten der Bildtafeln abgetragen werden. Eine derartige Firnisdünnung ist bei Kunstwerken dieses Alters ein gängiges Verfahren ohne wirkliche Risiken. Dennoch führte massive öffentliche Kritik damals zur Einstellung der Arbeiten.

- Anzeige -

Pantxika De Paepe, die Direktorin des Unterlindenmuseums, räumt ein, dass das seinerzeitige Vorhaben möglicherweise nicht hinreichend kommuniziert wurde. Diesen Fehler wollte man dieses Mal nicht machen. Vor einer großen Schar von Medienvertretern erläuterte die Museumsleiterin gemeinsam mit Vertretern staatlicher Kulturinstitutionen, den beiden Chefrestauratoren und Thierry Cahn, dem Präsidenten der Schongauer-Gesellschaft, die den in Staatsbesitz befindlichen Altar verwaltet, das ehrgeizige Vorhaben. 

Begonnen wird mit den Skulpturen und den dekorativen Elementen des Skulpturenschreins von Niklaus Hagenau. 16 Monate sind für die Restaurierung vorgesehen. Dabei geht es um die Fixierung der Skulpturen und die Festigung der konstruktiven Teile, aber auch um die Säuberung sowie die Behebung von Fehlstellen der Farbschicht der übermalten Skulpturen. Zudem wird die Rahmenkonstruktion der Skulpturen stabilisiert und gereinigt.

Neue Erkenntnisse

»Nichtstun wäre das größte Risiko«, warnte Juliette Lévy, die Chef-Restauratorin des Skulpturenschreins. Auch würden bei derartigen Arbeiten immer wieder neue Erkenntnisse für die kunstgeschichtliche Deutung von Werken gewonnen. Anthony Pontabry, Chefrestaurator der Grünewald-Bilder, pflichtet der Kollegin bei: Speziell bei den Gemälden bestünde die Hoffnung, vertiefte Einsicht in Grünewalds Maltechnik zu erlangen.

Finanziell unterstützt wird das Vorhaben durch Sponsoren und private Geldgeber. Rund zehn Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro, so hofft Thierry Cahn, sollen durch Crowdfunding im Internet aufgebracht werden.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Schauspieler Ralph Fiennes auf dem 11. Filmfest in Rom 2016.
Berlin/Sevilla
vor 13 Stunden
Die Europäische Filmakademie würdigt den britischen Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes (55) mit einem Ehrenpreis. Damit wird sein Beitrag fürs Weltkino ausgezeichnet - vor und hinter der Kamera, wie die Akademie am Dienstag in Berlin mitteilte.
Der spanische Schriftsteller Santiago Posteguillo bei der Verleihung des Planeta-Preises.
Barcelona
vor 13 Stunden
Der spanische Schriftsteller Santiago Posteguillo hat den diesjährigen Planeta-Preis gewonnen, die am höchsten dotierte literarische Auszeichnung der spanischsprachigen Welt.
Der Direktor des Rijksmuseums, Taco Dibbets, kündigt die Restaurierung von Rembrandts «Nachtwache» an.
Amsterdam
vor 16 Stunden
350 Jahre nach dem Tod von Rembrandt wird sein berühmtestes Gemälde «Die Nachtwache» (1642) umfassend restauriert. Das Amsterdamer Reichsmuseum kündigte am Dienstag das bisher größte Forschungs- und Restaurierungsprojekt des Gemäldes an.
Theater im Maillon
16.10.2018
Theater und Zirkus, Musik und Tanz stehen auf dem Programm der Kulturbus-Spielzeit 2018/19. Insgesamt sind sechs Fahrten zum Straßburger Theater Maillon geplant. 
Kammerkonzert in der Alten Kirche Fautenbach
15.10.2018
Zwei Werke, zwei Stunden Musik – doch welche Musik! Mit der vollendeten Darbietung zweier Prachtwerke von Schubert und Brahms erlebten die Zuhörer den verheißungsvollen Beginn der 42. Konzertsaison in der »Alten Kirche Fautenbach« am Sonntag mit dem Trio Ostertag.
Oberrhein-Konzerte
15.10.2018
Das Barockensemble La Folia eröffnete am Samstag den Reigen der Oberrheinkonzerte in Offenburg. Ihr Spiel wurde mit enthusiastischem Beifall bedacht.  
Kim Kardashian und Rapper Kanye West bei der Anna Wintour Costume Center Gala im Metropolitan Museum of Art.
Kampala
15.10.2018
Der US-Rapper Kanye West und seine Ehefrau Kim Kardashian machen Urlaub in Uganda - und haben Staatschef Yoweri Museveni ein trendiges Geschenk mitgebracht.
«My Love Story» heißt die neue Autobiografie von Tina Turner.
Zürich
15.10.2018
Die Rocksängerin Tina Turner (78) ruft zum Organspenden auf. Niemand werde diese Welt lebend verlassen, heißt es am Ende ihrer neuen Autobiografie «My Love Story», die am Montag erschienen ist.
Die 93-jährige Holocaust-Überlebende Tova Ringer (.) wurde zur Siegerin gekürt.
Haifa
15.10.2018
Die 93-jährige Tova Ringer ist in Israel zu Siegerin des Schönheitswettbewerbs «Miss Holocaust Survivor» gekürt worden. Die aus Polen stammende Frau sei in der israelischen Hafenstadt Haifa gekrönt worden, bestätigte eine Sprecherin der Organisation Yad Ezer Lachaver am Montag.
Kabarett in der Illenau
14.10.2018
Der Schauspieler Max Ruhbaum gab am Freitagabend in der Illenau wieder den Kabarettisten. Des Öfteren gibt der Kabarettist aber auch den Schauspieler, denn als solcher hat er schließlich seine Laufbahn begonnen. Mit seinem »Max: Morgens Zirkus – Abends Theater« stieß er auf helle Begeisterung.
Theater in der Oberrheinhalle
14.10.2018
Den Auftakt für die neue Theatersaison machte in Offenburg »Das Abschiedsdinner«: Die Komödie bot dem begeisterten Publikum reichlich Gelegenheit zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. 
Literatur-Kolumne
13.10.2018
Kennen Sie die die Erzählungen der Argonauten? Ein Art Who-is-Who wichtigtuerischer Göttinnen und Götter samt Nachwuchs? Die Sage heldenhaft zwielichtige Gestalten, die auf einem thessalischen Schiff das Schwarze Meer durchkreuzten? Argo, so hieß das Ruderwunderwerk.