Hausach

„Jeder Mensch ist ein Vers“

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17. Juli 2021
José F. A. Oliver feiert am Dienstag seinen 60. Geburtstag. Er kann auf ein großes literarisches und gesellschaftspolitisches Engagement zurückblicken.

José F. A. Oliver feiert am Dienstag seinen 60. Geburtstag. Er kann auf ein großes literarisches und gesellschaftspolitisches Engagement zurückblicken. ©Privatarchiv Oliver

Am Dienstag wird José F. A. Oliver 60 – mittendrin in seinem Festival „Hausacher Leselenz“. Er fühle sich als „Teil eines universellen Poems“, sagt er im Gespräch.

Seine literarischen Kolumnen auf der Kulturseite der Mittelbadischen Presse haben zahlreiche Fans über die Ortenau hinaus, er wurde vielfach ausgezeichnet und ist der aktuelle Preisträger des Heinrich-Böll-Preises. Seine Lyrik wird von der Kritik gefeiert, er begeistert Kinder und Jugendliche für Sprache und Literatur und ist ein begehrter Dozent weltweit. Zuhause ist er allerdings in Hausach, dort wurde er 1961 geboren: Der Lyriker und Essayist José F. A. Oliver. Am 20. Juli feiert der Gründer des „Hausacher Leselenz“ seinen 60. Geburtstag, ungefähr genau zwischen den beiden Wochenenende des „Hausacher Leselenzes 2021“.

Hat ein runder Geburtstag eine besondere Bedeutung für Sie, genauer jetzt Ihr eigener 60. Geburtstag?


Geburtstage sind Verbündete in die Vergangenheit und Wegweiser ins Künftige. Dessen ungeachtet trägt für mich ohnehin jeder Tag die pure Vergänglichkeit in sich. Geburtstage sind deren konkretere Boten ins Zeitliche. Insofern sind sie schön und schmerzlich zugleich. Vor allem die „runden“... Tempus fugit. 


Gestatten Sie sich einen Blick zurück? Und lassen Sie uns teilhaben – gibt es etwas, das Sie bereuen oder was Sie enttäuscht hat?


Enttäuschungen und Glücksmomente geben sich bei mir ununterbrochen die Klinke. Deshalb habe ich ein eigenirdisches Bewusstsein im Umgang mit ihnen. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, bin ich darauf gespannt, was mich erwarten wird und wie viele Gestaltungsmöglichkeiten mir jeweils beschert sein mögen. Nein, ich bereue nichts. Ich würde natürlich alles wieder so tun, wie ich es getan habe. Wie könnte es auch anders sein? „Non, je ne regrette rien ...“ von Edith Piaf ist eines meiner Lieblings-Chansons.


Lohnt es sich überhaupt zu bereuen – wie stehen Sie dazu? Oder ist Ihr Motto dann doch eher „Aufstehen, Krönchen aufsetzen und weiter…“?


Letzten Endes „m:eint“ Reue, mich meiner Verantwortung zu stellen. Innehalten. Nachdenken. Nachfühlen. Vorwärtsschauen. Und: das Leben in seiner Widersprüchlichkeit anzunehmen. So wie es mir begegnet. Immer wieder loslassen (lernen) und: Vertrauen. Sich und den anderen. Oft führt mich dabei mein christlicher Glaube.


Literarische Karrieren sind doch eher von vornherein unplanbar – erinnert mich einbisschen an Ihr Motto 2020/21, warum strebt man sie dennoch an?


Ja, es ist ein vitales Geschenk, das „Unplanbare“ planen zu dürfen. Ich bleibe wach undneugierig. Ich staune gern. Mein Motto: „Jeder Augenblick bündelt das ganze Leben.“ Was ich anstrebe? Ein Leben in Würde und Zuversicht. Alles andere liegt nicht (nur) in meiner Hand. Unwägbarkeiten können auch als Chance begriffen werden.


Was bedeutet Literatur? Nicht nur für sich. Wagen Sie doch mal eine Behauptung.


Ich habe noch nie etwas nicht gewagt, glaube ich. Insofern ist es einfach Folgendes zu sagen: Jeder Mensch ist ein Vers und eine Erzählung. Literatur ist die vielfältige Gesamtheit zwischen Leben und Tod.


Wer und was hat Sie literarisch und ideologisch/weltanschaulich beeinflusst?


Literarische Komplizen waren und sind mir nach wie vor Federico García Lorca, Paul Celan und Friederike Mayröcker. Ideologien indes befremden mich. Das war schon immer so. Meine jahrelangen Begegnungen und die Arbeit mit den Straßenkindern in Perú haben mich äußerst berührt und geprägt. Diese Kinder wurden zu den Lehrerinnen und Lehrern meiner Wege.


Wen hätten Sie gerne getroffen – ich denke da vor allem mal an vergangen wegweisende Autoren und Autorinnen.


Federico García Lorca und Paul Celan.


Welche Zukunft hat Literatur und was wollen und können Sie dazu beitragen?


Solange es Sprachen gibt, wird Literatur entstehen und sein. Ich bin Teil einer sich stets erneuernden Evolution der so großen und doch auch so kleinen Erzählung Mensch. Ein Beitrag unter vielen. Teil eines universellen Poems.

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