Jazzkonzert auf der Landesgartenschau

Joe Hertenstein belebte in Lahr das Projekt "Spacepilot"

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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16. April 2018

Joe Hertenstein (Mitte) machte mit Christian Lohr (l.) und Torsten De Winkel (Sitar) beim Konzert am Freitag einen kleinen musikalischen Abstecher. ©Jürgen Haberer

Ein eigens für die Landesgartenschau zusammengestelltes Bandprojekt hat die Blütenschau am Freitagabend in eine andere Dimension katapultiert. Joe Hertensteins »Spacepilot« lieferte auch ohne die erkrankte Jazzlegende Gunter Hampel einen überzeugenden Auftritt ab, der im Strudel freier Improvisationen in einen pulsierenden Klangkosmos eintauchte.  

»Ich find Blumen schön«, skandierte der aus Lahr stammende Schlagzeuger Joe Hertenstein am Ende eines denkwürdigen Auftritts auf der großen Bühne der Landesgartenschau in Lahr. Gleich am zweiten Abend der am Donnerstag eröffneten Blumenschau setzte der in New York lebende Profimusiker eine ganz eigene Duftmarke. Gemeinsam mit dem Gitarristen Torsten De Winkel und Christian Lohr  an den Tasteninstrumenten intonierte er eine faszinierende Klangreise, weit abseits ausgetretener Pfade. 

Die drei Musiker mussten bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt zwar ohne den erkrankten Gunter Hampel, einen der Pioniere des deutschen Freejazz, antreten. Letztendlich lieferte der von Joe Hertenstein neu belebte »Spacepilot« aber einen über weite Strecken faszinierenden Auftritt ohne Netz und doppelten Boden ab. Das Trio erforschte kosmische Sphären, tauchte ein in die exotischen Strukturen des indischen Raga, experimentierte mit freien Jazzimprovisationen und rockigen Grooves. 

Enge Verbindung zum Hudson River

Der Lahrer Schlagzeuger, der seit zehn Jahren in New York lebt, hat für den exklusiven Auftritt ganz bewusst Mitstreiter ausgesucht, die wie er enge Verbindungen zu der pulsierenden Musikszene am Hudson River unterhalten. Der leider erkrankte Gunter Hampel war in den 1970er-Jahren einer der ersten, der den Sprung über den Atlantik gewagt hatte. Christian Lohr hat als Produzent mit namhaften Künstlern in den USA zusammengearbeitet, pendelt wie Torsten De Winkel nach wie regelmäßig zwischen den Kontinenten. 

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Alle drei waren sofort dabei, mit Joe eine weitere Inkarnation des ursprünglich mit dem Gitarristen Elis Meister und dem Argentinier Leo Genovese (Tasteninstrumente) gebildeten »Spacepilot« aus der Taufe zu heben. Die musikalische Auseinandersetzung des Abends schöpfte dann vom ersten Augenblick an aus der ungezügelten Lust an der Improvisation, der freien, ungezügelten Klangrede. 

Ausflug nach Indien

Musikalische Themen und Grooves manifestierten sich aus dem Nichts heraus, wurden entwickelt, transformiert und wieder verworfen. Dynamische Verdichtungen wechselten sich ab mit experimentellen Spurensuchen im musikalischen Niemandsland. In der Mitte des Konzertes wagte das Trio einen überraschenden Wechsel in die Klangwelt des indischen Subkontinents. Christian Lohr kniete mit der Melodica in der Hand vor einem Harmonium auf der Bühne, Torsten De Winkel tauschte die Gitarre gegen eine elektrische Sitar, streute rhythmisierte Vokallaute ein, während Joe Hertenstein im Zentrum der Bühne trommelte. 

Obwohl sich die Stuhlreihen vor der Bühne im Verlaufe des Abends deutlich lichteten, entwickelte das Konzert einen fast magischen Sog, der aufmerksame Zuhörer und ausgemachte Liebhaber musikalischer Experimente immer tiefer in seinen Bann zog. Ganz am Ende mündete die Klangreise sogar in einen satten, durchaus tanzbaren Rockgroove, der dem »Spacepilot« und seinen Passagieren eine sanfte Punktlandung auf dem Gelände der Landesgartenschau bescherte.

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