Madrid

Julio Iglesias: 50 Jahre «Yo canto»

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
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19. Juli 2019
Der spanische Schlagersänger Julio Iglesias bei einem Auftritt 1970.

Der spanische Schlagersänger Julio Iglesias bei einem Auftritt 1970. ©dpa - Georg Göbel

«Yo canto». Ich singe. Der Titel des Debütalbums von Julio Iglesias umfasste 1969 im Grunde schon alles, wofür der Spanier bis heute steht - und was er seit nunmehr 50 Jahren unermüdlich tut: singen, singen und nochmal singen.

Zerzaustes Haar vorm blauen Meer, rote Krawatte, Schmachtblick und dann dieses Latin-Lover-Lächeln, das Frauenherzen von Köln bis Kolumbien schmelzen ließ - das Cover von «Yo canto» zeigte schon, wo die Reise des Musikers hingehen sollte. Bei Liveauftritten hat der heute 75-Jährige laut seiner Homepage mittlerweile 60 Millionen Zuschauer(innen) auf fünf Kontinenten beglückt.

Das Album war der erste musikalische Wurf nach dem abrupten Ende von Iglesias' Fußballkarriere. Als Teenie hatte er von einem Leben als Profi-Torhüter geträumt und in den Jugendmannschaften von Real Madrid geglänzt, aber ein schwerer Autounfall machte alle Hoffnung zunichte. Im Krankenhaus brachte er sich das Gitarrespielen bei.

Ein paar Jahre später kam das erste Album mit zwölf von Iglesias selbst geschriebenen Songs auf den Markt - damals noch allesamt auf Spanisch. Es war 15 Wochen lang in den spanischen Charts und schaffte zeitweise den Sprung auf den dritten Platz.

Auch vier der Single-Auskopplungen wurden zu Hits, darunter der titelgebende Song «Yo Canto», das erste Lied der B-Seite (für die, die sich noch an Plattenspieler und Tonnadeln erinnern). Das ist lange her, heute singt Iglesias in 14 Sprachen, darunter auch auf Deutsch. Eine Textzeile war aber quasi damals schon ein Omen: «Ich singe zur Erinnerung an eine Zeit, die nicht mehr zurückgekehrt ist.»

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Denn damals, in seinen wilden Zwanzigern, hat der Charmeur nach eigenen Angaben nichts anbrennen lassen. Vor einigen Jahren gestand er bei einem Konzert im uruguayischen Urlaubsort Punta del Este unverhohlen: «Das erste Mal, als ich nach Punta del Este kam, war ich 24 und habe drei Mal am Tag Liebe gemacht. Mittlerweile habe ich den Sex seit 15 Jahren aufgegeben.»

Einer Zeitung in Uruguay sagte er, er habe früher nicht auf die Bühne gehen können, wenn er vorher nicht mit einer Frau geschlafen hatte. Der Text des Iglesias-Evergreens «To All The Girls I've Loved Before» ist wohl mehr Reminiszenz als Dichtung. Seine Schwäche für schöne Frauen ist ihm erst kürzlich wieder zum Verhängnis geworden. Ein Gericht in Valencia entschied, dass Iglesias der leibliche Vater von Javier Sánchez Santos ist, einem 43-jährigen Spanier. Die Indizien waren laut Justiz auch ohne einen DNA-Abgleich - den Iglesias verweigert hatte - «ausreichend» für das Urteil. Im Juli 1975, «ungefähr zu der Zeit der Zeugung des Klägers», habe es bei einer Party «gewisse Kontakte» zwischen dem Sänger und der Mutter von Sánchez Santos gegeben, gab sich das Gericht überzeugt. Es sei «nicht unwahrscheinlich», dass es damals zu Sex zwischen den beiden gekommen sei. Der Gerichtsstreit dauerte seit den 1990er Jahren an.

Höchstwahrscheinlich werden Iglesias' Anwälte Berufung einlegen. Verliert der Sänger, dann steht Sánchez Santos spanischen Medienberichten zufolge wohl ein Erbe von 30 Millionen Euro zu. Das zeigt, wie reich der Schmachtbarde mit seinen rund 300 Millionen verkauften Tonträgern und Duetten unter anderem mit Frank Sinatra, Plácido Domingo und Willie Nelson geworden ist. Schließlich hat er schon acht Kinder, die auch erben werden. Drei, darunter sein berühmter Sohn Enrique, stammen aus der ersten Ehe mit Isabel Preysler, fünf aus der zweiten mit dem Ex-Model Miranda Rijnsburger.

Auch wenn das Haar heute schütterer und der rassige Latino-Look etwas angekratzt ist, kann der in Madrid geborene Sänger mit Wohnsitz in Miami nicht von der Bühne lassen. «Ich habe beschlossen zu singen, bis ich 90 bin», sagte er mehrfach. Im September sind vier Auftritte in den USA geplant, im Oktober will Iglesias Londons Royal Albert Hall mit Liedern wie «Me va, me va» oder «Begin The Beguine» betören. Ob er dabei auch «Yo Canto» anstimmt? Wer weiß. Sicher ist, dass Live-Konzerte und Singen für Julio Iglesias auch 50 Jahre nach dem Debütalbum «eine Sucht sind, für die es kein Gegenmittel gibt».

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