Freiburger Zeltmusikfestival (ZMF)

Kamasi Washington entfachte rhythmisches Trommelfeuer

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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19. Juli 2019
Jazzmusiker Kamasi Washington machte auf seiner Europa-Tournee einen Abstecher nach Freiburg.

Jazzmusiker Kamasi Washington machte auf seiner Europa-Tournee einen Abstecher nach Freiburg. ©Jürgen Haberer

Der amerikanische Saxophonist Kamasi Washington stand in diesem Jahr ganz oben auf der Wunschliste des Freiburg Zeltmusikfestivals (ZMF). Um ihn auf den Mundenhof zu holen, wurde erstmals in der Festivalgeschichte ein Konzert vorverlegt. Am Montagabend gab sich der hoch gehandelte Jazzmusiker die Ehre.

Der Hype um den 38-jährigen Tenorsaxofonisten aus Kalifornien ist durchaus nachvollziehbar. Kamasi Washington, in den frühen Jahren vor allem als Sideman in der Hip-Hop Szene am Start, knüpft an den Jazz der wilden 1960er-Jahre an. Der rasende Puls wird zur rhythmischen Signatur einer von der afroamerikanischen Lebenswirklichkeit durchdrungenen Musik. Der Geist von John Coltrane, Pharoa Sanders, Sun Ra und Albert Aylers klingt an, das rhythmische Trommelfeuer paart sich mit der ekstatischen Verdichtung expressiver Läufe. 

Kamasi Washington sucht nicht wie andere Musiker in der Reduktion nach dem perfekten Ton. Er peitscht die Musik vorwärts, lässt den Voodoo einfließen, die Aura der durchaus auch zornig aufbegehrenden Underdogs. Er hat nichts gemein mit dem weißen Amerika eines Donald Trump, auch wenn politische Botschaften nur unterschwellig in seine Konzerte einfließen.
Nach Freiburg hat der Musiker nur über den Umweg eines Sonderkonzertes gefunden. Washington und seine siebenköpfige Band waren das ganze Frühjahr über in Europa unterwegs und kehren Ende Juli zurück nach Amerika. Sein Auftritt am Montagabend, zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung der 37. Ausgabe des Freiburger Festivals, stellt deshalb ein Novum in dessen Historie dar.

Zweistündiger Ausbruch

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Das Konzert im längst nicht ausverkauften Zirkuszelt manifestierte sich als ein rund zweistündiger Ausbruch, als laute, viel zu oft auch überfrachtete Klangwand, die erbarmungslos auf das Publikum einstürzte. Etwas weniger wäre hier sicherlich mehr gewesen, auch wenn der Sound im Zirkuszelt sicherlich seine Tücken hat. Washington grenzte sich damit auch klar gegen den vorgeschalteten Auftritt von Madeleine Peyroux und ihrer Band ab, die mit fein ziselierten Jazz- und Bluesballaden, die erste Duftmarke des diesjährigen ZMF setze.

Kamasi Washington startet danach wie immer mit »Street fighter mas« durch. Den Song »Truth« verknüpft  er mit einem Bekenntnis zur menschlichen Vielfalt, die es zu lieben und leben gilt und nicht nur zu tolerieren. Ab dem zweiten Song ist Vater Rickey Washington, der Sopransaxofon und Querflöte spielt, mit von der Partie. 

Die Songs bauen sich immer wieder machtvoll auf und ziehen sich oft über zehn, 15 Minuten in die Länge. Die beiden Schlagzeuger Robert Miller und Tony Austin arbeiten wie Berserker, Bassist Miles Mosley, Tastenmann Brandon Coleman und Ryan Porter an der Posaune spielen sich mit Washington gegenseitig die Bälle zu. 

Die Vokalparts übernehmen Coleman und die scheinbar einem Voodoo-Kult entsprungene Sängerin Patrice Quinn. Sie intoniert am Ende der Show auch die beschwörenden Verse von »Fists of Fury«, dem epischen Finale, bei dem alles noch einmal auf das Publikum einpeitscht und so das Konzert in einer letzten donnernden und rauschhaften Klimax zum Höhepunkt bringt.

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