Carles & Sofia bei Oberrhein-Konzertreihe in Offenburg

Klavierduo überraschte mit energiegeladenen Orchesterwerken

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
03. Dezember 2019
Zwei Seelen und vier Hände: die Klaviervirtuosen Carles & Sofia.

Zwei Seelen und vier Hände: die Klaviervirtuosen Carles & Sofia. ©Oscar Sala

Vier Hände, viel Gefühl: Wohlklang und Leidenschaft prägten am Samstagabend die Musik des katalanischen Klavierduos Carles & Sofia in der gut besuchten Oberrheinhalle. Zum zweiten Konzert der Oberrhein-Reihe hatten die beiden Pianisten eine breite musikalische Palette mitgebracht. 

Carles Lama und Sofia Cabruja aus Girona spielen seit 1987 zusammen und haben in renommierten Konzerthallen wie der Carnegie Hall in New York eine hervorragende Visitenkarte abgegeben. Als kleine „Reminiszenz“ an die deutschen Gastgeber boten die Klaviervirtuosen in der ersten Konzerthälfte in Offenburg zunächst Lieder von Franz Schubert (1798-1828) und Johannes Brahms (1833-1897). Bei bekannten Stücken wie „An die Musik“, „Ständchen“ oder „Ungeduld“ ließen die Finger der Pianisten Magisches entstehen. Schwelgerische Romantik erfüllte den Saal auch bei Johannes Brahms Kompositionen wie „Wie bist du meine Königin“, „Sapphische Ode“ und „Meine Liebe ist grün“.  

Dass die Lied-Zusammenstellungen aus teils unterschiedlichen Zyklen stammten, könnte man unter der Rubrik „Künstlerische Freiheit“ gelten lassen, letztendlich erwies sich die Auswahl dennoch als stimmig. 
Hier schmolzen am Steinway-Flügel zwei Seelen zusammen, die zur gleichen Zeit atmeten und die Resonanz des Instruments gefühlvoll ausloteten. Die Arbeitsteilung an den Tasten ist festgelegt: Sofia spielt die hohen Töne, den Diskant, während Carles überwiegend die Bass-Seite des Pianos bedient.

Innig-zartes Liebesleid

- Anzeige -

Wenn auch der erste Teil des Abends in der Zusammenstellung recht konventionell wirkte, so überraschten die Steinway-Künstler im zweiten Teil, der mit energiegeladenen Orchesterwerken daherkam, umso mehr. „Isoldes Liebestod“ aus der Oper von Richard Wagner ließ, diesmal als eigene vierhändige Klavierfassung, die Temperatur steigen. Ein innig-zartes Liebesleid, dessen Sogwirkung man sich kaum entziehen kann. 

Dass die beiden Interpreten aus Spanien stammen, war vor allem bei der Balletmusik „El Amor brujo“ (Der Liebeszauber) von Manuel de Falla (1867-1946) deutlich herauszuhören. Hatte die Wagnerische Isolde den geneigten Zuhörer eher zur Depression getrieben, so erwies sich hier das temperamentvolle „Canción del Fuego Fatuo“ (Lied des Irrlichts) oder das Stück „Danza Ritual del Fuego“ (Ritueller Feuertanz) als pulsierende Musik voller Lebensgeister, die das Publikum mit hörbarer Zustimmung quittierte. 

Mit einer Walzer-Apotheose des Wahnsinns à la Maurice Ravel (1875-1937) neigte sich der kurzweilige Abend langsam dem Ende zu. Bei Ravels „La Valse“, das seinerzeit vielmehr ein Abgesang auf den lebenslustigen Wiener Walzer war,  muss sich der Konzertbesucher am Stuhl festhalten, wenn er nicht in den unbarmherzigen Notenstrudel im Drei-Vierteltakt hineingezogen werden will. Ravels  Walzer-Kaleidoskop ist eigentlich für ein Riesenorchester gedacht, entfaltet aber auch als Pocket-Version seine volle Wirkung. Die Hörer treiben atemlos auf diesem aufgewühlten Meer des Klangs. Faszinierend. 

Das Publikum will trotzdem noch mehr. Es folgen drei Zugaben: „Malagueña“ und Manuel de Fallas „La vida breve“ (Das kurze Leben). Schließlich folgt der Standard-Rausschmeißer „Guten Abend, gut‘ Nacht“. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Sie präsentierten gestern das Wortspiel-Programm 2020: Sybille Scheerer (Buchhandlung Roth), Christa Peiseler (Buchhandlung Akzente), Markus Niemeier (Stadtbibliothek), Constanze Armbrecht (Volkshochschule) und Malena Kimmig (Leitung Stadtbibliothek).
20.02.2020
Offenburger Literaturtage "Wortspiel"
Mit zehn Lesungen, Autorengesprächen und Vorträgen kann die 13. Ausgabe des Offenburger „Wortspiels“ vom 19. März bis 6. Mai aufwarten. Mit etwas Glück dürfen die Buchfreunde zum Auftakt einem frischgebackenen Literaturpreisträger lauschen.  
17.02.2020
Lustspiel "Die Niere" in der Kehler Stadthalle
Die Berliner Komödie am Kurfürstendamm machte mit ihrer Aufführung von „Die Niere“ die Organspende zum Thema in Kehl. Passend für eine Komödie?
17.02.2020
"Wortreich" im Kehler Kulturhaus
Wir sind zu dick, zu alt und Falten haben wir auch – die Kabarettistin Inka Meyer zeigte am Sonntag im Kehler Kulturhaus auf ebenso entlarvende wie vergnügliche Weise die Auswüchse der grassierenden Selbstoptimierung auf. 
17.02.2020
Jens Rosteck liest im Salmen
Der Schriftsteller und Musiker Jens Rosteck lädt für Mittwoch zur szenischen Lesung in den Offenburger Salmen ein. Dabei geht es um keine Geringere als die französische Schauspiellegende Jeanne Moreau.
Enkhjargal Dandarvaanchig konzentrierte sich beim Konzert in Offenburg auf die Musik und Kultur seiner mongolischen Heimat.
17.02.2020
Enkhjargal Dandarvaanchig im Offenburger Salmen
Seine Musik erzählt von der Weite der mongolischen Steppe. Ober- und Untertongesang treffen auf den Klang der Pferdekopfgeige. Enkhjargal Dandarvaanchig, in Offenburg bestens eingeführt durch Rüdiger Oppermanns „Klangwelten“, gab am Samstagabend mit Gästen ein Konzert im Salmen.     
nspiriert von vielen Kulturen war das Konzert des Trios Trezoulé: Andi Bühler (Percussion, von links), Cathrin Pfeifer (Akkordeon) und Takashi Peterson (Gitarre).
17.02.2020
„Passerelles“-Konzertreihe
Mit facettenreichem World-Mix startete die Kehler „Passerelles“-Konzertreihe am Donnerstagabend in der Stadthalle in das neue Jahr. Das Berliner Trio Trezoulé erwies sich dabei als eine außergewöhnliche Formation. 
Sündhaft Süßes: „Opulent Gold Assortment“ von Peter Anton.
15.02.2020
Kunstmesse Art Karlsruhe
Auf der 17. Art Karlsruhe präsentieren 210 Aussteller noch bis Sonntag, 16. Februar, Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Im Mittelpunkt steht die Skulptur, eine Spezialität des nordbadischen Kunsttreffs. 
13.02.2020
Kultur
Die Kunstmesse »Art Karlsruhe« ist ab Donnerstag am Start und will in diesem Jahr das Augenmerk vor allem auch auf weibliche Positionen lenken.
Eine Stimme, die ins Herz dringt: Diana Damrau beim Konzert mit den Münchner Philharmonikern unter Leitung von Valery Gergiev.
13.02.2020
Konzert im Festspielhaus Baden-Baden
Das Konzert mit den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss und der 7. Sinfonie von Anton Bruckner wühlte das Publikum im Festspielhaus am Sonntag heftiger auf als der angekündigte Sturm. Das lag an der Musik und den Musikern.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.