Kultursommer im Rosengarten

Knalliges Pop-Cabarett in Kehl

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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18. August 2019

Skurril und lustig: Florian Ludewig (l.) und Bastian Korff. ©Oscar Sala

Nicht nur der April, auch der August macht gelegentlich was er will. Der Kultursommer-Auftritt am Samstag auf der Altrhein-Seebühne in Kehl musste in die Stadthalle ausweichen. Doch nicht nur die Freiluft-Veranstaltung fiel ins Wasser, die Entertainer Florian Ludewig und Bastian Korff sind ebenfalls »baden gegangen« – zumindest nach dem Titel ihres neuesten Programms. 

»Baden gegangen« sind am Samstag die Entertainer Bastian Korff und Florian Ludewig beim Kehler Kultursommer – und da hieß es: aufrappeln und weiterschwimmen. Beim köstlich unterhaltsamen Samstagabend drehte sich vieles um Meer, Tränen und sonstiges Wässrige. Auf das gut gelaunte Publikum wartete ein überraschendes Programm – manchmal liebevoll und nachdenklich, oftmals bissig, aber immer erfrischend aufmunternd.

Die Rollen waren beim ungleichen Duo eindeutig verteilt: einer spielt, der andere singt. Eigentlich kein neues Konzept, doch Korff und Ludewig haben daraus etwas Eigenes gemacht: knalliges Pop-Cabaret. Korffs außergewöhnliche Stimme und Geschichten laden zum Lachen und Weinen ein. Alltagspoesie wird hier feinsinnig-derb mit viel Humor gemixt –  Chansons wie das Leben selbst.  

Persönliche Erfahrungen

Es gibt kaum ein Thema aus dem persönlichen Erlebnisbereich, worüber nicht geplaudert oder gesungen wird. Singt Korff einmal nicht, hält er trotzdem nicht den Mund, denn neben vielem anderen ist er beim Hessischen Rundfunk Radio-Moderator. Ruhig und unauffällig agiert derweil sein kongenialer Partner: Ludewig, Autor vieler Texte, entpuppt sich an Klavier und Gitarre als brillanter Musiker und gefühlvoller musikalischer Begleiter. Er hat im Laufe seiner Karriere schon viele Preise eingeheimst, unter anderem den deutschen Kleinkunstpreis mit »Malediva«.  

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Zielsichere Pointen

Neben bekannten Titeln wie dem alten Wiener Lied »Das Glück is a Vogerl« sind vor allem Eigenkompositionen zu hören: Erfahrungen im Biomarkt, dazu passende Lieder über das gar skurrile Schicksal von Inken, die in der Schrotmühle endet oder eine Veganella-Supergirl-Adaptation – die zweideutigen Chansons mit haarigem Ausgang bekommen immer wieder einen recht melancholischem Einschlag. Langhaarige Herren mit sogenannten Männerdutts haben bei Korff  nichts zu lachen – denen würde er mal gerne mit der Heckenschere zu Leibe rücken. 

Es geht ums Älterwerden, Geschichten gespickt mit feinen Nuancen wie »Das Leben ist ein Furz« – gesungen mit größter Hingabe allemal. Mit schwarzer extravagant-bunter Glitzerjacke moderiert Conferencier Korff – von großzügigen Nebelschwaden und einer stimmungsvollen Lichtatmosphäre umhüllt – locker flockig vor sich her, seine wunderbare Erzählstimme hallt sarkastisch, bitterböse nach. Zielsichere Pointen, kleine Improvisationen und eine rege Interaktion mit dem Publikum runden das Geschehen ab. 
Im Liedrepertoire sind Stücke wie »Klammerblues«, das über einen ehemals mystischen Ort erzählt – den Partykeller, ein Teenager-Shan-
gri-La im Halbdunkel zum Musik hören, Tanzen und Knutschen. Hier sorgten die Besucher in der ersten Reihe mit einer Hand-Disco-Kugel und einem Kunstnebel-Sprayflasche selbst für die richtige Schmusestimmung. 

Als schlüpfrig-platt, aber nicht minder amüsant erwies sich die Moritat über einen Japaner, der von seiner eigenen, sechs Tonnen schweren Sammlung an Porn-Heften erschlagen worden war – aus Einfühlungsgründen in bayrischer Fassung. International wird es zum großen Finale: Bonnie Tylers »Total eclipse oft the heart« erklingt mit Unterstüzung des Publikums aus vollen Röhren. Eine letzte Gute-Nacht-Ballade erwärmt die Herzen, vergessen ist der verregnete Samstag.

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