Achern - Fautenbach

Konzert der reizvollen Kontraste

Autor: 
Albrecht Zimmermann
Lesezeit 3 Minuten
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15. Oktober 2021
Das Dresdner Streich Trio in der Alten Kirche Fautenbach.

Das Dresdner Streich Trio in der Alten Kirche Fautenbach. ©Daniela Busam

Das Dresdner Streichtrio hatte für seinen umjubelten Auftritt in der Alten Kirche Fautenbach Werke von Mozart, Ernst von Dohnányi und Gideon Klein ausgewählt.

Drei grundverschiedene Werke standen auf dem Programm der Sonntagskonzerte des weltberühmten Dresdner Streichtrios in der Alten Kirche: das Divertimento Es-Dur von Mozart (1788), die Serenade C-Dur von Ernst von Dohnányi und das in Theresienstadt komponierte Streichtrio von Gideon Klein.
Man muss sich das vorstellen: Ein junger hochbegabter Künstler hat sein Hochschulstudium in Prag glänzend abgeschlossen – da wird sein Land zur Militärdidaktur umgebaut und barbarischer NS-Rassenpolitik unterworfen, alle seine Träume enden unter erniedrigenden Umständen in Theresienstadt, zusammengepfercht mit anderen 70 000 Juden. Dort gelingt es inhaftierten Musikern heroisch, zu komponieren und Werke aufzuführen. Der junge Mann, Gideon Klein, verfasst ein Streichtrio, setzt am 7. Oktober 1944 die letzte Note, die Partitur wird herausgeschmuggelt. Wenige Tage danach wird er in polnische Kohlegruben abtransportiert, wo sich seine Spur für immer verliert.
Sein kurzes Streichtrio ist der tönende seelische Alarmzustand. Die Dresdner Künstler nahmen sich des Werkes in beeindruckender Weise an, wie aus einem Guss erklangen die herben ausgehaltenen Akkord-Dissonanzen, aus denen sich trotzige Soli herauslösten. Dazwischen verarbeitet (oder besser: verfremdet) Gideon Klein böhmische Folklore zu damals höchst neuartigen Klängen, die an Strawinsky und Bartók erinnern.
Erlesen-unterhaltsam, wegen ihrer Schwierigkeiten jedoch selten aufgeführt wird die Serenade C-Dur von Ernst von Dohnányi. Schwungvoll beginnt der erste Satz; seine Bezeichnung „Marcia“ markierte als basso ostinato im wuchtigen Rhythmus Sebastian Herberg mit Doppelgriff auf den tiefsten Saiten der Viola. In reizvollem Kontrast dazu schwebte der helle Charme der Violine von Jörg Faßmann über dem Geschehen.

Wunderdinge verlangt

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Eine Serenade ist traditionell ein Ständchen, das man einem Jubilar, vielleicht gar einer angebeteten Dame darbringt. Je virtuoser der Aufwand in Satzkunst und Ausführung, desto erfolgreicher womöglich die Darbietung? Im Zustand höchster Temposteigerung verlangt Komponist Dohnányi mit Scherzo-Vivace und Rondo-Vivace wahre Wunderdinge, von den Dresdnern fabelhaft verwirklicht mit einer Leichtigkeit in treffsicherer Artikulation und Präzision, die staunen ließ.
Mal geschmeidig-kraftvoll, mal feingewirkt waren die Pizzicati eine Ohrenweide im Romanza-Satz, wodurch die hinströmende Viola-Kantilene noch verführerischer klang. Das letzte Abendrot von Spätromantik-Stil weitet den Horizont des Ständchens, wenn Sehnsucht und Seligkeit ineinander übergehen, bevor zum Schluss mit leiser werdenden Tönen die Musiker vom Ort der Freiluft-Musik sich zu entfernen scheinen. Groß war der Jubel schon zur Pause, und dabei wartete noch das zugänglichste Werk, das Mozart-Divertimento, auf das verwöhnte Publikum.
Wie herrlich das in zeitlicher Nähe zur „Zauberflöte“ geschriebene Werk ist, muss man niemandem erklären, es kann auch einseitige Pop-Fans zur Klassik bekehren. Schier umarmen mochte man am Sonntag den Cellisten Michael Pfaender, der das Adagio-Thema mit sattem Vibrato einfach überirdisch schön zelebrierte.
INFO: Das Dresdner Streichorchester mit Michael Pfaender ist am 29. November um 20.05 Uhr im Radioprogramm SWR-2 zu hören.

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