Bei ihrem zweiten »Passarelles«-Auftritt begeisterten das italienische Ensemble mit eigenen Stücken

»Adria« verströmte in Kehl mediterranes Flair

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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05. März 2018
Die Sängerin des Ensembles »Adria«, Rachele Andrioli, sang mit ausdruckstarker Stimme.

Die Sängerin des Ensembles »Adria«, Rachele Andrioli, sang mit ausdruckstarker Stimme. ©Oscar Sala

Das Ensemble »Adria« begeisterte bei der »Passarelles«-Reihe in Kehl. Die Musiker spielten eine Mischung aus traditioneller Musik mit Jazz-Einschlägen.

Kehl. Aus Lecce, am äußersten Absatz des italienischen Stiefels, kommt das Ensemble »Adria«. Es verbindet auf ungewöhnlich mitreißender Weise traditionelle mit jazziger Musik. 

Die 2005 gegründete Formation war die erste, die vor vier Jahren die Weltmusikreihe  »Passarelles« des Kehler Kulturbüros eröffnen durfte und dabei gleich einen musikalischen Treffer landen konnte – seinerzeit belohnte das Publikum den furiosen Einstand mit begeistertem Beifall. Am vergangenen Donnerstag eröffneten die Süditaliener ihre Deutschlandtour in Kehl und trafen erneut auf ein ausverkauftes Haus, vielmehr Bühne, denn die »Passerelles«-Konzerte werden samt Publikum auf der Stadthallenbühne ausgerichtet. 

In ihrem neuen Repertoire schöpfen Rachele Andrioli (Gesang), Claudio Prima (diatonisches Akkordeon, Gesang), Francesco Pellizzari (Percussion) und Emanuele Coluccia (Sopran- und Tenorsaxofon) erneut aus dem musikalischen Reichtum der apulischen und albanischen Volksmusik, den sie zu einer Melange aus Temperament und Leidenschaft verschmelzen lassen. Neben Tarantellas und Liebesliedern, erklingen Volksweisen. Diesewerden allerdings mit jazzigen Arrangements bereichert. Auf dem Programm standen zahlreiche neue Eigenkompositionen, die überwiegend aus der Feder von Bandleader Claudio Prima stammen.

Tradition und Moderne
In der dichten Bühnen-Atmosphäre der Kehler Stadthalle entfalten die mediterrane Impressionen die ganze Gefühlskala: von der Freude heiterer Stücke, bis zur Tragik und Enttäuschung. Das Konzert beginnt ganz leise mit der Ballade »Ho Chiesto Alla Luna« und befasst sich mit der Frage, ob man sich für oder gegen die große Liebe entscheiden soll. 

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Bereits hier beschreitet »Adria« ihren ganz eigenen Weg, der Traditionelles mit Jazz-Texturen zu einer modernen Interpretation, zu neuer Frische verhilft. Nach der Ruhe kommt der Sturm: mit musikalischer Ironie werden bei »Moulinette« mit teuflischen Sax-Solos und französischem Chansoneinschlag die Geister geweckt. Immer wieder heizen sich Saxophon und Akkordeon gegenseitig an, während Schlagzeuger Francesco Pellizari im Hintergrund einen faszinierenden Rhythmusteppich entfaltet. Das Saxophon von Emanuele Coluccia verziert mit viel Enthusiasmus und improvisierten Zwischentönen die oftmals orientalisch anmutende Skalen. Coluccia fungiert zwischendurch auch als humorvoller Entertainer, der sich im Laufe des Abends nicht davor fürchten wird, sein Instrument  zum trabenden Gaul mutieren zu lassen. 

Die drei Musiker begeistern nicht nur durch perfekte Instrumentenbeherrschung, sondern vielmehr durch waghalsige Läufe – Ausdruck von Lebensfreude pur. Das traditionelle Akkordeon begleitet die faszinierende Stimme der Sängerin. 
Rachele Andrioli verströmt ihrerseits mit ihrem melancholischen Blick und geheimnisvollen Lächeln die Sanftmut des Meeresspiegels an einem sonnigen Tag. Der Schein trügt – vulkanisches Magma verbirgt sich darunter... Die ausdrucksvolle, kraftvolle Stimme der Sängerin erfüllt etwa bei »Una Camera Per Due« den Saal gleich dem Rauschen der Meeresbrandung. Welten treffen hier gelegentlich aufeinander: Rachele singt leise, Coluccias schreiendes Saxophon durchdringt die Stille. Dass manche im Publikum dabei nicht immer die italienischen Texte verstehen, ist wiederum nicht weiter tragisch.

Eine Volksweise 

Während des Abends folgen zahlreiche Reminiszenzen an bekannten Künstlern wie  Mia Martini, eine der bemerkenswertesten weiblichen Stimmen der italienischen Popmusik, den brasilianischen Musiker Chico Buarque (Valsinha) und Hermeto Pascoal (Garrote), einer der bekanntesten Jazz-Multi-Instrumentalisten Brasiliens. 

Der Abend endet wiederum mit einem traditionellen Volkslied aus dem Salento: »Quantu Me Pari Beddha Te Luntanu« – mediterrane Sehnsucht nach einer verlorenen Liebe. Nach dem aufbrausender Beifall bedankte sich »Adria« mit einer Zugabe.

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