Kultur-Kolumne

Alle Jahre wieder: Romantik und Schneegestöber

Autor: 
Jürgen Stark
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
02. Dezember 2017

Jürgen Stark ©Iris Rothe

Vom Feldberg über das Hohe Horn bis runter in die Rheinauen singen jetzt alle pünktlich zum ersten Advent mit Bing Crosby: »I’m dreaming of a white Christmas«. Kein silbernes Lametta und keine goldenen Christbaumkugeln können uns helfen, wenn die Hügel grün und die Straßen grau am Abend schimmern. Bing Crosby schob deshalb damals gleich in Zeile zwei nach: »Just like the ones I used to know«. Ja, wir erinnern uns, auf glatten schneeweißen Gehwegen mit Last-Minute-Geschenken unterm Arm, bedroht von Schneebällen jugendlicher Rabauken, die sich köstlich am klebrigen weißen Puder erfreuten. 

Das ist die Weihnachtszeit! 

Schon seit Jahren erscheint uns Weihnachten doch eher wie ein schnöder Event im weißen Wattebausch, umzingelt von Preisschildern im Kaufhaus und besungen von Pop- und Superstars, die uns im  Pulk unter dem Chornamen Band Aid fragen: »Do They Know It’s Christmas?« Ja, Danke, Mit-Sänger Bono von U2, wir haben kurz vorm Fest nun auch erfahren, wo dein Konto wohnt. Ein Chorknabe bist du nicht, wie die Steuerfahnder aus aller Welt nun dank der geleakten »Paradise Papers« erfahren haben. 
Schnöder Mammon lenkt auch völlig vom Ursprung und seiner feinen Spiritualität ab. 

- Anzeige -

Wenn unsereins denkt, die Mutter aller Weihnachtslieder sei unser »Sti – hi – lle Nacht, hei – li – ge Nacht«, dann irren wir. Denn der gute alte Gassenhauer ist zwar schon satte 200 Jahre alt, damit aber im Bereich der Gattung Weihnachtslieder ein eher noch junger Hüpfer. 
Es war tiefstes Mittelalter, als beim Schein der Kerzen den Kirchgängern und kirchlichen Predigern ein Licht aufging. Es entstanden Lieder für die Abläufe und Zeremonien des hochheiligen christlichen Festes, Lieder für den Gottesdienst und einen sakralen Moment der Menschheitsgeschichte. Das Christkind ward geboren, Hallelujah, ein Moment der Freude, der Andacht, der Besinnung. 

Vom Himmel hoch...
Unsere Zeitrechnung geht immerhin auf dieses Ereignis zurück, da kann man schon mal ein paar Lieder darüber machen. Doch auf Latein? Freude über die Geburt Jesu Christi in einer volksfernen Sprache? Wieder sind wir im Reformations-Jahr. 

Luther war es, der erstmals Weihnachtslieder ins Deutsche übersetzte – und selbst noch einen festlichen Megahit obendrauf setzte. Er schrieb »Vom Himmel hoch, da komm’ ich her«. 
Respekt, auch dieser Song hat mächtig überwintert. Experten, die jetzt Fakten über Märchenbücher stellen, weisen darauf hin, dass es noch 300 Jahre dauern sollte, bis sich nach Luther Weihnachten zu einem Fest der Familien wandelte und die Adventszeit zum Fest der Vorfreude. Das Jesuskind wurde zunehmend zum Partygast, nun kam auch noch der immergrüne Tannenbaum hinzu. Neben dem Christkind wurde also fortan auch noch der Wald besungen: »O Tannenbaum«. 
Das war noch ausbaufähig, wie moderne Kinderlieder belegen: »In der Weihnachtsbäckerei...«.  Sozialgeschichten à la »Weihnacht auf hoher See« oder die Weihnacht in Zeiten des Krieges illustrieren die Erinnerungen an die Festtage im Laufe der Geschichte, im Verlauf unseres Lebens. Wo warst du an Heiligabend 1989, als die Berliner Mauer fiel? 
Diese Frage ist den Menschen in Puerto Rico relativ egal, denn die singen zu dieser Zeit immer »Feliz Navidad«, was in ihrem Land komponiert wurde – frei übersetzt heißt das auf deutsch: Frohe Weihnachten!

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Drei Raubkunst-Bronzen aus Benin in Westafrika im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg.
Berlin
vor 5 Stunden
Ein Königsthron aus Kamerun, Bronze-Figuren aus Benin oder Totenmasken aus Neuguinea - die deutschen Museen sind voll von Schätzen, die aus der Kolonailzeit stammen. Wie viel Blut klebt an diesen Objekten? Wie geht man heute mit ihnen um? Wer hat Anspruch darauf?
Ausstellung in der Villa Greiner
vor 8 Stunden
Der Zeichner Tomi Ungerer hat seine Karriere als Plakat-Künstler begonnen. Die Villa Greiner in Straßburg zeigt nun übr den Sommer seine großen Erfolge in diesem Genre. 
Teilnehmer einer "Riech-Tour" schnüffeln an einem Haus in New York.
New York
vor 10 Stunden
Eine Frau steckt ihre Nase tief in die Buchsbaumhecke vor einem Luxuswohnhaus auf der New Yorker Fifth Avenue. Ihr Begleiter schnüffelt währenddessen ausgiebig in einen blauen Briefkasten hinein. Eine weitere Frau kniet sich auf einen Pfad im Central Park und berührt mit der Nase den Boden.
Lustig: Taylor Swift fühlte sich wie das «dritte Rad am Wagen».
Philadelphia
vor 10 Stunden
Die Sängerin Taylor Swift (28) ist überraschend Zeugin eines ungewöhnlichen Heiratsantrags geworden. Beim Fan-Treffen mit einem Paar am Rande eines Konzerts in Philadelphia kniete einer der beiden nieder, zückte einen Verlobungsring und machte seiner Freundin den Antrag.
"Jazznacht" im Festspielhaus
15.07.2018
Die Berliner Philharmonie hat es bereits 2012 beim Auftakt ihrer losen Jazzreihe vorgemacht. Nun hat das Festspielhaus Baden-Baden nachgelegt und zum Gipfeltreffen der Jazzpianisten geladen. Michael Wollny, Irio Rantala und Leszek Mozdzer haben am Freitagabend einen eigenen Zauber entfacht.
Keno Veith hat einen Auftritt in der Sendung «Bauer sucht Frau» abgesagt, weil er authentisch bleiben will.
Osnabrück
14.07.2018
Keno Veith (37), bekannt durch ein witziges Trecker-Video auf Facebook, hat keine Lust zu einem Auftritt in der RTL-Fernsehsendung «Bauer sucht Frau». «Ich habe abgesagt, das geht gar nicht», sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). «Ich versuche, authentisch zu bleiben.»
Literatur-Kolumne
13.07.2018
Tohuwabohu ist ein schönes, ein schön-altes Wort. Es trifft exakt, was nicht mehr zu vermessen ist. Ins Deutsche übersetzt: Irrsal und Wirrsal oder Wirrwarr. Heilloses Durcheinander wäre auch eine Bezeichnung, die (zu)träfe. Durch und einander in einem Wort.
Berliner Buddy-Bären auf dem Domplatz in Riga.
Riga
13.07.2018
Tatzen hoch zum 100. Geburtstag: Die Berliner Buddy-Bären stehen nun erstmals auch in Lettland. Im historischen Zentrum der Hauptstadt Riga wurde am Donnerstag eine Ausstellung mit 149 lebensgroßen und bunt bemalten Bärenskulpturen eröffnet.
Markus Hinterhäuser ist Intendant der Salzburger Festspiele.
Salzburg
13.07.2018
Passion, Leidenschaft, Ekstase - das sind die Schlagworte, die das diesjährige Salzburger Festspielprogramm zusammenhalten sollen.
Harald Glööckler braucht jetzt Zeit für sich selbst.
Berlin
13.07.2018
Der Modeschöpfer Harald Glööckler (53) gönnt sich eine kurze berufliche Pause, nachdem er Mitte der Woche wegen einer allergischen Reaktion in einem Krankenhaus behandelt werden musste.
Klaus Maria Brandauer springt in Salzburg für seinen erkrankten Kollegen Bruno Ganz ein.
Salzburg
12.07.2018
Der Schauspieler Bruno Ganz muss aus gesundheitlichen Gründen seine Rolle in der Inszenierung der Mozart-Oper «Die Zauberflöte» bei den Salzburger Festspielen zurückgeben. An seiner Stelle werde Klaus Maria Brandauer den Erzähler spielen, teilten die Festspiele am Donnerstag mit.
Ein Mitarbeiter des Londoner Auktionshauses Sotheby's präsentiert den «Dresdner Mars» von Giambologna (1529-1608).
Berlin
12.07.2018
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat den Chef des Pharmakonzerns Bayer, Werner Baumann, in einem persönlichen Brief gebeten, den Dresdner Kunstsammlungen eine begehrte «Mars»-Skulptur doch noch zu schenken.