"Orte für Worte": Literaturfest in Lahr

"Alles kann warten": Marc Hofmann stellte seinen Roman vor

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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11. Juni 2016

Marc Hofmanns Roman »Alles kann warten« ist äußerst unterhaltsam, sein Auftritt wirkte jedoch etwas fahrig. ©Jürgen Haberer

Marc Hofmanns Roman »Alles kann warten« ist ein schräger Roadtrip um drei Jugendfreunde. Das Buch rockt, weil der Autor mit der Musik von Bruce Springsteen tief in die 1980er-Jahre eintaucht. Bei seiner Lesung in Lahr wirkt Hofmann aber irgendwie fahrig und gehetzt.

Familienvater und Gymnasiallehrer, Hobbymusiker, Liedermacher und nun auch noch erfolgreicher Buchautor und Kabarettist. Marc Hofmann, Jahrgang 1972, hat innerhalb weniger Monate zwei Romane und sein Debütalbum »Lieder von der unsicheren Seite« vorgelegt. Er ist gefragt und angesagt. Irgendwie scheint dem Mann aus Kirchzarten im Moment aber auch die Luft auszugehen. Bei seiner Lesung im Rahmen des Lahrer Literaturfestivals »Orte für Worte« wirkt Hofmann ganz schön fahrig und ähnlich überdreht wie Paul, Robert und Immel, die drei Helden seines Romans »Alles kann warten«. 

Songs von Bruce Springsteen

Wie die Jugendfreunde, die sich von Berlin aus auf den Weg in den Schwarzwald machen, scheint auch er an einer der Wegkreuzungen des Lebens angekommen zu sein. Alles auf einmal geht einfach nicht, die Substanz bleibt unweigerlich auf der Strecke. Die Lesung verheddert sich, weil Hofmann auf die Tube drückt, um zwischendurch ein paar eigene Lieder zu servieren, weil alles mit eingespielten Musikbeispielen aus der Jugendzeit unterlegt werden soll, aber nicht die Zeit bleibt, die Songs von Bruce Spingsteen, Neil Young oder Phil Collins wirklich auszuspielen. Zu allem Überfluss kommt auch noch sein Kabarettprogramm »Der Klassenfeind« hinzu, das Hofmann aus seinem gleichnamigen Debütroman abgeleitet hat. 

Liebe zur Musik
 »Alles kann warten« spricht eine andere Sprache. Der Roman kommt mit viel Humor und schrägen Bildern daher. Die drei Schulfreunde verbindet ihre Liebe zur Musik und zu Bruce Springsteen, eine gemeinsame Aura abseits des Mainstream. Sie machen sich auf den Weg in den Schwarzwald, weil Paul, der Erzähler, einen besorgniserregenden Anruf seiner Mutter erhalten hat. »Komm, bevor es zu spät ist«, hat sie einfach nur gesagt. 

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Paul steht irgendwo in der Mitte zwischen Immel, dem zum Bohème mutierten Spross einer Schlagerdynastie, und Robert, einem erfolgreichen Mediziner auf dem Weg zum Chefarzt. Robert hat gerade seine Beziehung an die Wand gefahren und für den Trip gleich noch seinen Job hinterhergeworfen. Immel hat sowieso nichts zu tun. So setzen sie sich in Pauls alten Volvo und fahren los. 

Der geplante Tagestrip gerät schnell aus den Fugen, in der ostdeutschen Provinz geraten sie an Skinheads und verlieren das Auto. Sie landen mit einer Gruppe junger Musikerinnen in Prag, starten von dort aus durch nach Frankfurt, wo sie mit einem alten Schulfreund, einem Broker, im Partysumpf versinken. Mehr und mehr geht es für die drei um die Grundsatzfragen des Lebens. 

Lebensgefühl der 80er

Hofmann lässt die Geschichte wunderbar um Musik- und Filmzitate zirkulieren, um eine intensive Auseinandersetzung mit dem Lebensgefühl der 1980er-Jahre. Seine Erzählung ist gespickt mit schrägem Humor und skurrilen Charakteren, aberwitzigen Wendungen und Abstürzen, die plötzlich wieder in eine fast sanfte Poe­sie münden, die die eben aufgenommene Fahrt behutsam ausbremst. Der Roman steckt voller Überraschungen und ist eigentlich ein Buch für Männer, wie Marc Hofmann zu Beginn seiner Lesung angesichts des überwiegend weiblichen Publikums in Lahr betont.  

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