Tanztheater in der Reithalle Offenburg

"#Atme": Premiere für das neue Stück von "Szene 2wei"

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 2 Minuten
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18. November 2017

Die menschliche Unversehrtheit wird durch die Puppe im Spiel in Frage gestellt. ©Jürgen Haberer

»Szene 2wei« steht für gelebte Inklusion. Menschen mit und ohne Behinderung machen auf einem professionellen Niveau zeitgenössisches Tanztheater. Heute wird das neue Stück von William H. Sánchez, dem künstlerischen Leiter, uraufgeführt.   

Der Rollstuhl von Ricarda Noetzel ist aus den Produktionen der in Lahr ansässigen Tanzkompanie nicht mehr wegzudenken. Er dient als vielseitig genutztes Stiel- und Ausdrucksmittel, wird manchmal auch nur einfach am Bühnenrand geparkt. »Szene 2wei« steht für die Verbindung von modernem Tanztheater und Inklusion. Niemand fragt hier nach Handicaps, der Fokus liegt auf den Stärken der Akteure. 
Bei dem Stück »#Atme«, dem zweiten Teil der Trilogie »Kala«, stehen gleich vier Tänzer auf der Bühne, die im klassischen Sprachgebrauch als behindert gelten. Sie sind wie Ricarda auf den Rollstuhl angewiesen, leiden Trisomie 21, oder wie Orlando Izzo, einem jungen Italiener, unter einem schweren Gehörschaden. Bei »Szene 2wei« agieren sie als vollwertige Mitglieder einer professionellen Tanzkompanie, die einen hohen künstlerischen Anspruch formuliert. 

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Pilotprojekt in Lahr
Wie wenig selbstverständlich das in Deutschland noch immer ist, zeigt das Konstrukt, das diesen Ansatz erst ermöglicht. Ricarda und zwei ihrer Ensemblekollegen nehmen an einem Pilotprojekt der Lahrer Werkstätten teil. Der Vormittag gehört der klassischen Erwerbsarbeit, nachmittags sind sie für ihr Engagement bei »Szene 2wei« freigestellt. 
Timo Gmeiner und der Choreograph William H. Sanchez, die beiden Leiter der Kompanie, hoffen, dass das Projekt Schule macht und so zukünftig mehr Menschen mit Behinderung auf dem Kultursektor Fuß fassen können. Die Trilogie »Kala«, deren Produktion auch von der »Aktion Mensch« gefördert wird, soll diesen Ansatz nicht zuletzt durch ihren künstlerischen Anspruch befeuern. Ähnlich wie der 2016 uraufgeführte erste Teil, thematisiert »#Atme« die Verwerfungen einer in die Krise geratenen Epoche. Die menschliche Unversehrtheit wird über eine in die Aufführung integrierte Schaufensterpuppe in Frage gestellt. 

Lebendige Puppe
»Klemens« wird im Verlaufe der rund einstündigen Inszenierung demontiert und wieder zusammengesetzt. Der Mann aus Plastik steht im Mittelpunkt eines Kreisrituals, wird zwischendurch ersetzt durch Tänzer, die in die Rolle lebender Puppen schlüpfen. William H. Sanchez will damit auch die Rolle des Kunststoffes in unserer Gesellschaft thematisieren, seine Allgegenwart im Alltag, seine Problematik aus ökologischer und energetischer Sicht.
 

Info

Termin

»#Atme«, Tanzkompagnie »Szene 2wei« Lahr, Premiere heute, Samstag, 20 Uhr, Reithalle Offenburg. Im Anschluss  Publikumsgespräch. Sonntag, 11 bis 15 Uhr, inklusiver Workshop in der Volkshochschule Offenburg.

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