Zehn Jahre Museum Würth in Erstein

Ausstellung für die verkannte Malerin Hélène de Beauvoir

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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27. Januar 2018
Werke von Hélène de Beauvoir im Museum Würth.

(Bild 1/2) Werke von Hélène de Beauvoir im Museum Würth. ©Jürgen Haberer

Das Museum Würth  im elsässischen Erstein, feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einer Retrospektive der französischen Malerin Hélène de Beauvoir. Zu sehen ist das künstlerische Portrait einer außergewöhnlichen Persönlichkeit im Spannungsfeld zwischen Malerei und sozialem Engagement.   

Hélène de Beauvoir (1910 – 2001) hat mit ihrer Malerei den Philosophen Jean-Paul Sartre ebenso beeindruckt wie Pablo Picasso, den sie bei ihrer ersten Einzelausstellung, im Jahr 1936 kennengelernt hatte. Ihr künstlerische Oeuvre zeigt eine im graphischen Spiel der Farben aufblühende Fragmentierung der Form, eine Gratwanderung zwischen der abstrakten und gegenständlichen Malerei. Aber auch eine in den 1960er-Jahren einsetzende Politisierung, im Geiste des Feminismus.

In der öffentlichen Wahrnehmung war sie aber immer auch die kleine Schwester der Schriftstellerin Simone de Beauvoir, das malende »Püppchen«, dass die Schriften von Sartre und die frühen Romane von Simone abgetippt hat.
Hélène de Beauvoir hat in Paris, Mailand und Berlin ausgestellt, in Florenz, Rom und Venedig, in Boston, Amsterdam und 1971 auch im beschaulichen Lahr. Ihr Lebenswerk erzählt die Geschichte einer eigenständigen Künstlerpersönlichkeit, die es immer wieder verstanden hat, sich selbst neu zu erfinden. 

Die Malerin droht trotzdem langsam in Vergessenheit zu geraten. Das Museum Würth hat deshalb eine umfangreiche Retrospektive zusammengetragen, die rund 170 Gemälde, Zeichnungen und Holzschnitte der Frau zeigt, die 40 Jahre lang in Goxwiller am Fuße des Odilienberges gelebt hat.

Frauenrechtlerin

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Die Ausstellung, zum zehnjährigen Bestehen des Museums wiedersteht ganz bewusst der Versuchung, sich selbst mit einem spektakulären Blick in die Sammlung Würth zu feiern. Der museale Blick fällt auf die nähere Umgebung und eine vor allem in Frankreich noch immer verkannte Künstlerpersönlichkeit. Er würdigt eine engagierte Verfechterin der Frauenrechte, die den Straßburger Verein »SOS Femmes Solidarité – Centre Flora Tristan« mitbegründet hat. 

Das Museum zeigt unter anderem die Bilderserie »Der hübsche Monat Mai«, in dem Hélène de Beauvoir die dramatischen Ereignisse und die Polizeigewalt bei den Pariser Studentenunruhen im Jahr 1968 eingefangen hat. Eingeleitet wird der Ausstellungsrundgang mit drei großformatigen Ölbildern, die von weiblicher Ohnmacht und sexueller Unterdrückung erzählen, von Frauen die leiden und Männern die urteilen.

Der große Ausstellungsraum im Erdgeschoss gehört dabei klar der politisierten Phase der Künstlerin, die in den späten 1960er-Jahren einsetzt und ganz nebenbei den großen Formaten, die in den 1970er-Jahren auch mit Collagen aus Malerei und Acrylglas aufwarten. 

Im Obergeschoss wandert die erste Retrospektive seit dem Tod von Hélène de Beauvoir durch das Gesamtwerk der Künstlerin. Sie zeigt ihre stilistische Entwicklung auf, die Stationen eines bewegten Lebens an der Seite ihres Mannes, dem 1960 nach Straßburg berufenen Diplomaten Lionel de Roulet. Hier wird auch die künstlerische Kraft der Malerin im Spannungsfeld von Kubismus, Orphismus, Futurismus, Abstraktion und Figürlichkeit lebendig.

Die Ausstellung »Hélène de Beauvoir – Künstlerin und engagierte Zeitgenossin« ist vom 30. Januar bis 
9. September im Museum Würth in Erstein zu sehen. Die Vernissage ist morgen, Sonntag, 28. Januar, um 
17 Uhr. Die Öffnungszeiten: Dienstag, bis Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag, 10 bis 18 Uhr.  

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