Neville Tranter entführte die Zuschauer bei der »Puppenparade Ortenau« in ein Flüchtlingsboot

Babylon - ein biblisches Drama

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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05. März 2018
Neville Tranter spielt in »Babylon« mit Gut und Böse – Jesus ist mit seinem Schaf auf einem Flüchtlingsboot unterwegs und der Teufel möchte dieses zum Kentern bringen.

Neville Tranter spielt in »Babylon« mit Gut und Böse – Jesus ist mit seinem Schaf auf einem Flüchtlingsboot unterwegs und der Teufel möchte dieses zum Kentern bringen. ©Jürgen Haberer

Die erste Abendvorstellung der »Puppenparade Ortenau« geht spürbar unter die Haut. Neville Tranter, der Magier des Figurentheaters, erzählt in beklemmenden Bildern ein biblisch unterfüttertes Flüchtlingsdrama. In einer durch und durch düsteren Aura, blühen zarte Poesie und schwarzer Humor auf.

Lahr. Neville Tranter, der in Amsterdam lebende Großmeister und Magier des Figurentheaters, taucht mit »Babylon« einmal mehr in eine beklemmende Aura ein. Er selbst ist wie immer der dienstbare Geist seiner Großfiguren und Klappmaulpuppen. Er haucht ihnen buchstäblich Leben ein, während er eine surreale Geschichte mit biblischen Dimensionen erzählt. 

Ein Flüchtlingsboot

Es spielt im Grunde keine Rolle, wer an einem abgelegenen Strand in Afrika das letzte noch ablegende Flüchtlingsboot besteigt. Der Teufel persönlich hat längst klargestellt, dass das Schiff das gelobte Land nicht erreichen wird, dass auf ihn wieder einmal eine reiche Ernte wartet. Er hat dieses Mal sogar einen ganz besonderen Fisch an der Angel. Der Messias selbst hat sich auf den Weg nach Babylon gemacht und unter den Flüchtlingen eingereiht. Gott steigt herab, um das Schlimmste zu verhindern, um dem Teufel die sicher geglaubte Beute abzujagen und wenigstens den eigenen Sohn zu retten. 

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Die bisweilen fast verstörende Kraft, der rund einstündigen Inszenierung, geht von dem für Neville Tranter so typischen Ansatz aus. Der gebürtige Australier erforscht mit den Mitteln des Figurentheaters nicht nur seit vier Jahrzehnten die Abgründe der menschlichen Existenz. Es gelingt ihm immer wieder neu, im Kontext düsterer und beklemmender Bilder, eine anrührende Poesie zu entfalten, die dann wieder ungebremst auf einen abgrundtiefen schwarzen Humor prallt. Zwischen Tarnnetzen und Palmschösslingen verteilt ein geldgieriger Kapitän die letzten Plätze auf seinem Schiff, während das Grollen des Granatfeuers, das Rattern der Maschinenwaffen immer näher zu rücken scheint. Sein wortlos stammelnder Bootsmann will einen alten, abgemagerten Hund retten, scheitert aber an der Unerbittlichkeit seines Chefs, der keine Tiere an Bord duldet. 

Teuflischer Entertainer

Gott ist ein alter, seniler Tattergreis, der das Regiment längst an seinen weitaus geschäftstüchtigeren Erzengel abgegeben hat. Jesus ist noch immer ein Träumer, der daran glaubt, die Welt retten zu können. Der Teufel ein diabolischer Entertainer, der weiß, dass die Zeit vor allem ihm in die Hände spielt. Unter die biblischen Figuren mischen sich ganz normale Menschen, ein junger Afrikaner, der längst weiß, dass Babylon nicht das gelobte Land sein wird, eine verzweifelte alte Frau, die alles verloren hat. Das Schicksal wird die Bootsgemeinschaft im donnernden Echo der Raketen hinwegfegen. Zurück bleiben nur der Bootsmann, der den alten Hund nicht im Stich lässt und Jesus, der am Ende auf sein Schaf hört. Was es dann zu sagen gibt, legt Neville Tranter Cat Stevens in den Mund, der den Song »Morning has broken« anstimmt.

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