Kultur

Bewegung zwischen Kunst und Kampf

Ursula Groß
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28. Februar 2013
Ulrich Marx - Die Podiumsrunde beim bewegten »Tatort Kultur« (von links): Uli Schareck, Frederic Franz, Barbara Benz, Simon Moser, Carlinhos Tesourinha, Annette Seiter, Gerhard Woehrle und Nausikaa Gründler.

Ulrich Marx - Die Podiumsrunde beim bewegten »Tatort Kultur« (von links): Uli Schareck, Frederic Franz, Barbara Benz, Simon Moser, Carlinhos Tesourinha, Annette Seiter, Gerhard Woehrle und Nausikaa Gründler.

Einen fulminanten Auftakt zur diesjährigen Veranstaltungsreihe »Tatort Kultur« bot am Mittwochabend der Themenabend »Bewegung, eine besondere Kunst«.

Offenburg. Die rund 40 Gäste wurden im Offenburger Ballettstudio Gründler nicht nur von der Vielfalt von Tanz- und Bewegungsarten überrascht, sondern auch damit, dass sie gehörig in Schwung gebracht wurden. Dass am Ende des Podiumsgesprächs die gesamte Runde von Diskussionsleiter Simon Moser tanzend und singend verabschiedet wurde, zeigte, dass sich das Thema anscheinend allen ganzheitlich erschlossen hat.

»Wir wollen das älteste kulturelle Erbe der Menschheit unter die Lupe nehmen«, hatte Moser der Runde angekündigt. Für einen schönen Beginn sorgte Yogalehrerin Barbara Benz. Mit einer Mini-Meditation gelang es ihr sofort, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu fokussieren. Nach den Erläuterungen von Ballettstudio-Leiterin Nausikaa Gründler konnte man verstehen, wie aus Tanz eine Kunstform entsteht. Ballett sei die wohl eleganteste und weltweit verstandene Sprache des Körpers. Die junge Balletteuse Kerstin Wolf verdeutlichte dies mit höchst anspruchsvollen Schritten und Figuren.

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Wie Ästhetik und Kampf zusammengehen, demonstrierte danach der Meister seines Fachs, Aikido-Lehrer Gerhard Woehrle. Er führte vor, wie »stilisierte Angriffe« einen Gegner suchen, der jedoch niemals gedemütigt würde. Aikido verlange Respekt und Fairness, technische Fertigkeit und Übung, was alterslos eingeübt werden könnte. »Wir haben Trainingsteilnehmer von acht bis achtzig Jahren in unseren Reihen«, erklärte Bartosek.

Da konnten die beiden Jüngsten auf dem Podium nur etwas cool lächeln, denn ihre Art der Bewegung ist eine ganz neue und wohl nur für junge Leute geeignet. Parcours-Laufen bedeutet über Dächer und Mauern zu springen, sich abzurollen, ein Risiko einzugehen, das jedoch sorgfältig eingeschätzt werden muss. Mit einem Video zeigten die Zell-Weierbacher Uli Schareck und Frederic Franz, dass auch Offenburg geeignete Plätze für ihren Sport bietet. Parcours-Laufen sei nach dem Vietnam-Krieg entstanden, sein Erfinder David Bell habe die sogenannte »méthode naturelle« aus der Tierwelt übernommen. Verteidigung, Flucht und Überwinden von Hindernissen sind die Herausforderungen dieser Sportart.

Die spielerische Umsetzung von Aufstand und Überlebenswillen der ehemaligen afrikanischen Sklaven liegt der brasilianischen Kampfkunst Capoeira zugrunde. Hier ist eine Sportart entstanden, die harmonisch wirkt. Simon Moser, der sich für keinen Spaß zu schade war, ergriff kurzerhand das Tambourin von Capoeiristo Carlinhos Tesourinha aus Brasilien, um dessen Gesang und Tanz zu begleiten. Annette Seiter vom Capoeira-Verein Offenburg übersetzte ins Deutsche, damit die Gäste in den Tanz einsteigen konnten. Viel Gelächter, gewagte Figuren und Schritte und ein vielstimmiges »Ohoi« im Publikum folgten. Wie sagte Moser so schön zum Abschluss des bewegten Abends: »Wir alle waren im Dialog«.

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