Lambert Maria Wintersberger gestorben

Bilder als Metaphern für Folter und Unterdrückung

Autor: 
Alexander Bold
Lesezeit 3 Minuten
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07. November 2013

©Alexander Bold

Nächstes Frühjahr hätte er im Museum Villa Haiss in Zell am Harmersbach ausstellen sollen. Am Dienstag vergangener Woche ist der Maler Lambert Maria Wintersberger gestorben. Er wurde 72 Jahre alt.

Walbourg/Elsass. Als Lambert Maria Wintersberger 1958 mit 17 Jahren mit einem Butterbrot in der Tasche in München auf die Straße trat, um seine Lehrstelle als  Kirchen- und Dekorationsmaler anzutreten, geschah dies gegen den Willen des Vaters und mit dem Segen der Mutter. Nachdem er Mosaike gelegt und auch bei der Restaurierung des  Herkulessaals in der Münchener Residenz mitgewirkt hatte, entschied er sich 1961 nach Florenz auf die »Academia di belle  arti« zu gehen, um eine wunderbare Zeit in der Toskana  zu erleben.

Drei Jahre später strandet er auf dem Weg nach London im politisch und gesellschaftlich gärenden Berlin. Mit Lüppertz, Hödicke und 13 anderen Künstlern gründet er in einer ehemaligen Sargfabrik die Produzentengalerie Großgörschen 35. Wintersberger wird mit seinen Verletzungsbildern zu einem Shootingstar der 60er-Jahre. Die Darstellung gestauchter, gequetschter, geknebelter und eingeschnittener Glieder und Münder trifft den Nerv der Zeit. In fahlen Farben, kalt wie im Leichenschauhaus und akribisch wie mit der  Sprühpistole, pinselt er nahezu minimalistisch große Farbflächen zu malträtierten Gliedmaßen, Metaphern für Folter und Unterdrückung. 400 großformatige Verletzungsbilder fordern ihren Tribut. Der Stachel im Fleisch auf den Leinwänden richtet sich auch gegen ihren Schöpfer, der in Amerika, wo er jetzt lebt, in eine ernsthafte Krise gerät. Befreundete Künstler und Galeristen holen ihn Anfang der 70er-Jahre zurück.

Er bezieht ein Atelier in Nörvenich bei Köln und hat einen Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf. Die  Gesundung und Veränderung geht  mit einem Wechsel in seinem Malstil einher. Der Maler besinnt sich auf die Naturnähe der Kindheit, die er mit seiner Familie immer wieder im Karwendelgebirge erlebt hat. Expressionistisch, jedoch in einem ruhigen Duktus und Gestus, legt er eine intensivere Palette auf die Leinwand und variiert  in verschiedenen Zyklen seine großen Themen: Eros, Tod, Landschaft, Bedrohung und Unterdrückung.

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Neue Kreativität

1979 zieht Wintersberger nach Stuttgart und 1985 in sein letztes Domizil in Walbourg im Elsass. Studienreisen in die Karibik, nach Bali, Hawaii und Griechenland und seine dritte Frau, Dolores, eine ehemalige Beuys-Schülerin, befeuern seine Kreativität. Er wurde auf zahlreichen Ausstellungen in ganz Deutschland und im Ausland gezeigt und mit etlichen Auszeichnungen honoriert. Sammler wie Peter Ludwig oder Billy Wilder kauften seine Bilder. Das Museum Würth in Arlesheim/Schweiz widmete ihm zum 70. Geburtstag eine Einzelausstellung.

Nach dem Tod seiner Frau  vor acht Jahren lebte Wintersberger alleine. Vor zwei Wochen erlitt er einen Schlaganfall und sollte sich einer Operation unterziehen. Der große Maler starb davor alleine in seinem Haus in Walbourg.

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