Ausstellung im Museum für Aktuelle Kunst in Durbach

Die Landschaftsmalerei nach 1945

Autor: 
Tilmann Krieg
Lesezeit 3 Minuten
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18. September 2017

Blick in die Ausstellung »Die Landschaft in der Kunst nach 1945«. Links etwa Karl Hödickes »Sackgasse« von 1987. ©Tilmann Krieg

Wie spannend das Thema Landschaft in der Kunst sein kann, beweist die neue Ausstellung des Museums für Aktuelle Kunst in Durbach.
Tilmann Krieg

Landschaftsmalerei, wie wir sie heute kennen, gibt es noch nicht sehr lange. In der klassischen Malerei früherer Jahrhunderte diente die Landschaft eher als Bühne oder Hintergrund für das darzustellende Sujet und war selten allein Thema eines Bildes. Als die ersten Maler der Schule von Barbizon Mitte des 19. Jahrhunderts in den Wald von Fontainebleau zogen, um »en plein air« – im Freien – zu malen, wurden sie von ihren akademischen Kollegen verlacht. Russische Wandermaler, die Peridwischniki, riskierten gar Kerker in der vorrevolutionären Zeit, denn die Darstellung eines banalen Themas wie der Landschaft wurde als Provokation empfunden, war doch die bildliche Darstellung als Privileg dem Adel und der Kirche vorbehalten und hatte deren Glorifizierung zu dienen.

Fotografie und Malerei
Das Aufkommen der Fotografie befreite die Malerei von der Chronistenpflicht. In den Vordergrund tritt die Künstlerpersönlichkeit und deren subjektive Sichtweise. Spätestens nach dem zweiten großen Krieg war klar, dass es auch in der Kunstentwicklung neuer Techniken und Sichtweisen bedarf – die Kunst entfernte sich von reiner Abbildung der Realität.

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Spannende Bilddialoge
Exakt nach dieser Zäsur setzt die Ausstellung im Museum für Aktuelle Kunst in Durbach ein: »Auf unbekanntem Terrain – Landschaft in der Kunst nach 1945«. Die spannende Annäherung an das Phänomen dieser Veränderung. Der Berliner Kurator Ronald Puff schafft eine klare Strukturierung des vielschichtigen Themas, indem er die Ausstellung in vier Kapitel unterteilt: »Dokument« – »Expression« – »Poesie« – »Unsichtbare Landschaft«. Dadurch widersteht er der Versuchung einer rein zeitlich sortierten Reihenfolge. Stattdessen entstehen spannende Bilddialoge, die teilweise wieder eigene Zyklen bilden, so im Kapitel »Expression«, wo sich in einem Raum besonders das Thema Berlin kristallisiert mit den »Jungen Wilden«, die in den 80er- und frühen 90er-Jahren Furore machten. 

Klassisch und expressiv
Eindrucksvoll die großformatige Arbeit »Rapsfeld« »Rapsfeld« von Rainer Fetting, wo sich die Wiedergabe der Landschaft in Richtung Abstraktion verflüchtigt. In Erinnerung bleibt auch Karl Hödickes »Sackgasse« von 1987. Keinesfalls ein »schönes« Bild, aber es berührt durch den politischen Gehalt, denn die Sperr- und Einbahnstraßenschilder beschreiben den Zustand der DDR kurz vor ihrer finalen Pulverisierung. 
Unbedingt sehenswert ist eine frühe Arbeit von Baselitz von 1996. Eine klassische Landschaftsmalerei in expressivem Duktus – das Besondere: Gerade zu dieser Zeit beginnt Baselitz seine Arbeiten auf den Kopf zu stellen. Später wird dies sein Markenzeichen, aber damals ist es  neu und erntet viel Unverständis.

Packend und dicht wirkt insbesondere das Kapitel »Unsichtbare Landschaft«, wo die Malerei gänzlich abrückt von gegenständlicher Darstellung und manchmal gleichsam selbst zur Landschaft wird durch die reliefartige Oberflächenstruktur, die der Malduktus schafft. Gestische Malerei oder die Zerlegung von Landschaft in rhythmische Kompositionen, Stakkati aus Linien und Pinselstrichen, oder Überlagerungen, die sich wie Sediment auf der Oberfläche des Malgrunds absetzen. Willi Baumeisters »Orbis Pictus« von 1949 steht hier exemplarisch oder »Aus Gestrüpp«, 1955, von Bernard Schultze, dem bekannten Vertreter des Informel. 
Ralph Flecks »Feldstück« leuchtet gelb um die Wette mit der realen Reblandschaft, und mit Hermann-Josef Kuhnas großflächigem »Meeresgrund« von 2017 kommt die Ausstellung in der Gegenwart an.
 

Info

Ausstellung

132 Arbeiten von 90 Künstlern sind zu sehen, darunter 68 aus der Sammlung des Hausherrn Rüdiger Hurrle. 
Den Ausstellungsmachern ist ein überzeugendes Konzept gelungen, und man wird künstlerische Juwelen entdecken, die die Sichtweise auf Landschaft in der Kunst nachhaltig erweitern.
»Auf unbekanntem Terrain«, Museum für Aktuelle Kunst Durbach, bis 4. Februar 2018. 
Info: www.museum-hurrle.de.

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