Kammerchor Offenburg

Die Summe der Barockmusik

Autor: 
Gottfried Wiedemer
Lesezeit 3 Minuten
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07. Oktober 2014

Der Kammerchor Offenburg wurde am Sonntag mit einem Beifallssturm gefeiert. ©Ulrich Marx

Mit viel Beifall wurde am Sonntag der Kammerchor Offenburg gefeiert. Die Aufführung von Bachs h-Moll-Messe wurde ein großer Erfolg.

Offenburg. »Großartig!«, »fantastisch!«, »ergreifend« konnte man beim Verlassen der Kreuzkirche am Sonntagabend hören. Musikliebhaber wie Musiker waren sich einig, mit der Aufführung von Bachs h-Moll-Messe eine Sternstunde des Kammerchors erlebt zu haben. Natürlich sind im gleichen Atemzug Solisten und Instrumentalisten zu nennen, die das inspirierte Dirigat von Reinhardt Bäder hellwach aufnahmen. Bäder ließ die Doppelchöre vom Kammerchor und dem Solisten-Ensemble singen und schuf damit noch mehr Farbe und Abwechslung. Glänzend auch die Kontraste in Tempo und Dynamik, die die 36 Sänger  schwungvoll realisierten. Dass manche Stelle dadurch schneller und emotionaler wirkte als auf prominenten Einspielungen, liegt im Trend, Bach nicht nur als genialen Rechner, sondern voller Gefühl zu deuten. Höchst willkommen war auch das Vorwort im Programmheft, in dem Stefan Schaub Bachs Zahlensymbolik und die musikalisch-theologischen Zusammenhänge darlegte.
Breit war der Chor aufgestellt, und breit setzte der mächtige »Kyrie«-Ruf ein. Trotz des religiösen Bekenntnisses, das bei Bach oft in musikalischem Triumph erklingt, bleibt der Mensch doch erlösungsbedürftig. Im ruhigen Schwingen der Melodien und Fugen stellt sich Glaubenszuversicht ein, aus der sich ein emphatisches »Eleison«, »Erbarme dich« erhebt. Das Duett von Sopran (Lena Laferi) und Alt (Viola de Galgóczy) hat in der Anrufung Christi einen anderen Charakter. Herrlich blühen die Stimmen nach dem Piano-Einsatz auf, lassen ohne Vibrato die feinen Koloraturen wirken. Der Chor rundet das Kyrie mit leichtem Accelerando ab und singt den Schluss schlank, ohne Nachdruck.
Mit Pauken und Trompeten, in fröhlichem Dreier-Rhythmus kommt das »Gloria« daher, Gott preisend in der Höhe. Dem folgt die Friedensverheißung für die  Menschen auf der Erde, aber die klingt wesentlich gedämpfter, was wir, aber auch schon Bach angesichts des Kriegsterrors sehr real wahrnehmen. Und so wird jeder Satz des liturgischen Textes ausgedeutet, das »Laudamus« im Jubel von Sopran und Violine (Maria Eisenburger).
Sopran und Tenor (Hubert Mayer) huldigen fromm dem Gotteslamm, schmelzend begleitet von der Flöte (Heike Thoma). Die Alt-Stimme bekommt als Partner die Oboe d’amore (Uli Steurer), der Bass (Menno Koller) das Horn (Fabian Knopf). Dabei spielen sich die Instrumentalisten nicht virtuos in den Vordergrund, sondern dienen der Aussage, also der klar artikulierenden und oft strahlenden Solo-Stimme.
Unerhörte Harmonien
Höchste Bewunderung für die schnell genommene Schlussfuge: Verschlungene Koloraturen, klarste Sprache, abgestufte Dynamik bis zum Fortissimo-Schluss. Die Sänger waren selbst begeistert vom Klang in der barocken Kirche, in krassem Gegensatz zu der staubtrockenen Akustik am Vortag in einem Festsaal.
Das Credo wurde zunächst von den Tenören vorgesungen, piano, fast zaghaft, dann jedoch vom Gesamtchor überzeugt wiederholt. Nur noch zwei Solo-Arien unterbrachen das Bekenntnis der Chorgemeinde. Die Solotrompete (Barbara Mußler) huldigte Gott dem Schöpfer, und dann malte Bach die Menschwerdung in leiser werdenden Abwärtsschritten. Jesu Tod war wie ein langsamer Trauerzug, die Passion im chromatischen Lamento die Gelegenheit zu unerhörten Harmonien.
Heftiger Kontrast dazu bei der Auferstehung: Aus der Tiefe des Basses stieg neues Leben auf, es vibrierte in den Koloraturen und Trillern der Instrumente. Im »Benedictus« setzten Hubert Mayer und Heike Thoma einen lyrischen Glanzpunkt. Martina Seifert (Alt) sang im Solisten-Ensemble mit und entlastete damit Viola de Galgóczy, die nach ihrem »Agnus«-Solo Szenen-Applaus bekam, obwohl noch nicht Schluss war. Aber nach dem letzten »Pacem« setzte ein solcher Beifalls-Sturm ein, dass er in normalen Konzerten für drei Zugaben gereicht hätte.

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