Konzert

Dresdner Kammerchor »Cantamus« auf Sommer-Tournee

Autor: 
Gottfried Wiedemer
Lesezeit 3 Minuten
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28. Juli 2016

Der Dresdner Kammerchor »Cantamus« befindet sich zurzeit auf musikalischer Sommerreise am Oberrhein. ©privat

Welch ein Klang in der evangelischen Stadtkirche! 32 Sänger des Dresdner Kammerchors »Cantamus« gastierten auf ihrer Sommer-Tournee am Oberrhein am Montag in Offenburg und begeisterten die zahlreichen Hörer mit Kompositionen von der Renaissance bis heute. 

 »Die Himmel erzählen« von Heinrich Schütz war die Visitenkarte des Ensembles. An die hymnische Klangfülle in der etwas heiklen Akustik des eckigen Zentralbaus mussten sich Sänger wie Hörer erst gewöhnen. Die gut artikulierten Pianosätze kamen sehr gut heraus, aber die Stärke der Dresdner lag doch gerade in der unglaublichen Skala ihrer Dynamik. 
Großartig der zweitletzte Chor »Da pacem Domine« von Arvo Pärt, den die Sänger im ganzen Kirchenraum verteilt darboten. Gleichsam aus allen Ecken dieser von Kriegen zerrissenen Welt stieg die Friedensbitte empor und erreichte die Hörer in immer neuen Farben. 

Freudig erregt

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Im ersten Teil der alten Musik sangen die Dresdner Monteverdis Psalmvertonung »Cantate Domino«. Sie setzten freudig erregt und tänzerisch ein, um dann die Wunder des Herrn – »quia mirabilia fecit« in breitesten Akkorden zu preisen. Im Schlussteil »psallite« siegte der schnelle Rhythmus der Jubelrufe. Man muss sich in den Markusdom in Venedig hineindenken, um diese vielstimmige Pracht zu ermessen.
Strenger, fromm am Wortlaut des liturgischen Textes, aber nicht weniger feierlich erklang Palestrinas »Gloria« aus der »Missa Papae Marcelli« von 1562. Die sechsstimmige Polyphonie war überaus beweglich, blühte schnell auf, ging aber im »qui tollis peccata mundi« in demütiges Piano zurück. Erst im »Gloria Patri« am Schluss gab es wieder »volles Werk«.
Bachs doppelchörige Motette »Komm, Jesu, komm« erstaunte durch die überlangen Pausen zwischen den drei »Komm«-Rufen des Beginns und steigerte spürbar die Spannung auf die in Tempo und Charakter deutlich unterschiedenen Sätze. Die Sänger keuchten beinahe unter der Last »des sauren Wegs«, um danach in wiegendem Dreiertakt den »rechten Weg, die Wahrheit und das Leben« zu finden.
Der Chor sollte auch eine Pause bekommen, und so spielte Georges Aubert auf der Orgel ein absolutes Kontrast-Programm: die 9. Meditation aus Olivier Messiaen’s »La Nativité du Seigneur«: »Dieu parmi nous« (Gott unter uns). Diese atonale Moderne (1936) verschreckte bestimmt die eben noch bei Bach glücklichen Hörer, zumal die böse Welt – wir Menschen – in herrischem Fortissimo übereinander herfallen. Dass Messiaen sich alte Kathedralfenster, das Rot und Blau von Chartres, zu seiner Musik vorstellte, leuchtet ein. Mit dem Registerwechsel entstanden neue Farben, die Dynamik steigerte sich und mündete nach mehreren Anläufen in ein Schluss-Cluster. 

»Alleluja«-Jubel

Im zweiten Teil fügten die Dresdner in ungebrochener Konzentration und Brillanz romantische Meisterwerke hinzu: Mendelssohn’s Kyrie und Gloria aus der Deutschen Liturgie, Brahms’ »Es ist das Heil uns kommen her« und Regers »Nachtlied«. Den Schluss machte der »Alleluja«-Jubel des US-amerikanischen Komponisten Eric Whitacre (46) – weit angenehmer zu hören als Olivier Messiaen. 
Nach prasselndem Beifall und Trampeln sangen die Gäste als Zugabe Brahms’ »Waldesnacht« und entließen die Hörer in die Harmonie der Natur.

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