Hausacher Leselenz

Finn-Ole Heinrich erhält neuen Preis für Junge Literatur

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. Juli 2017
Finn-Ole-Heinrich, erster Preisträger des Leselenz-Preises der Thumm-Stifung für Junge Literatur, mit der Stiftungsvorsitzenden Doris Sistiaga-Thumm (rechts) und Dita Zipfel, die er vom Preisgeld »aber sowas von heiraten will«.

Finn-Ole-Heinrich, erster Preisträger des Leselenz-Preises der Thumm-Stifung für Junge Literatur, mit der Stiftungsvorsitzenden Doris Sistiaga-Thumm (rechts) und Dita Zipfel, die er vom Preisgeld »aber sowas von heiraten will«. ©Panoramastudio

Die Stadt Hausach, der Hausacher Leselenz und die Thumm-Stiftung aus Aspach vergaben am Freitag bei der Eröffnung des Literaturfestivals den ersten, mit 5000 Euro dotierten, Leselenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur an Finn-Ole Heinrich.

 Den Deutschen Jugendbuchpreis hat er schon. Den Leselenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur hatte er noch nicht. Den gibt’s ja auch erst seit Freitagabend. Finn-Ole Heinrich ist der erste Preisträger, und seine Dankesrede war ein Glanzlicht des Eröffnungsabends zum Hausacher Leselenz. Weil dieser Preis für »Junge Literatur« noch so jung ist und diese noch gar nicht so genau definiert ist, führte Finn-Ole Heinrich selbst aus, wofür er gern bepreist werden möchte.

 Umgang mit Kindern gruselt

Er will nämlich keinen Preis, der das Marktsegment »Kinder- und Jugendliteratur« zementiert. Er schreibe Geschichten, die dann vom Markt eingeteilt würden in Kinder- und Jugendbücher. Mit der fatalen Folge, dass sie dann Erwachsene nicht mehr interessieren, weil sie annehmen, dass es dort für sie nichts zu entdecken und  zu denken gebe.
Kinder- und Jugendliteratur werde von Menschen verlangt, gemacht, vertrieben, und benutzt, »die mit Büchern Kinder erziehen wollen. Für diese Menschen sind Bücher Instrumente, Werkzeuge«. »Warum sollte ich mich gerade in meiner Profession an Menschen orientieren, deren Umgang mit Kindern mich gruselt?«, fragte er. Für die Qualität eines Buchs sei das Alter der Protagonisten irrelevant. »Junge Helden führen nicht notwendigerweise zu banaleren Geschichten, schon alleine, weil es unfassbar viel banale Literatur mit alten Helden gibt.«
Laudator José F. A. Oliver bekannte, dass für ihn mit der Verleihung eines Literaturpreises in Hausach ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen sei: »Das wird auch ausstrahlen in die Region und ins Land!« Er machte er sich zum »Maul-
dator« in Anlehung an die »einzigartige, ungewöhnliche, spektakuläre und grenzenlos mirakulöse Maulina Schmitt«. Er sei sicher, dass man einst im literarischen Fragebogen an die Leselenz-Stipendiaten auf die Frage, »Welche literarische Figur hätten Sie gern erfunden«, mit »Maulina Schmitt« geantwortet werde. 

- Anzeige -

Bald Abituraufgabe?

Einen »Galaaugenblick der Literatur« nannte Oliver diese Auszeichnung, die dem Stiftungsgründer Gerhard Thumm sehr wohl gefallen hätte. Doris Sistiaga-Thumm beschrieb ihren verstorbenen Mann als literaturverliebten Apotheker und beteuerte, nachdem sie den Hausacher Leselenz nun kennengelernt hatte: »Ich kann mir nichts Besseres wünschen, als hier tätig sein zu dürfen«.
Nora Gomringers Performance mit dem Percussionisten Philipp Scholz war das »kulturelle Geschenk« an den Preisträger. Sie prophezeite, dass seine Rede bald zu einer Abituraufgabe werden würde. Heinrich leitete in seiner Sprache zum gemütlichen Teil des Abends über: »Zerstoßen wir die arrogante Zerteilung der Literatur in ihre Zielgruppenkompatibilitätssegmente mit unseren Sektgläsern. Zerfeiern wir pädagogisch wertvolle Werkzeugliteratur: Prost!«

Die Rede Finn-Ole Heinrichs steht in voller Länge auf www.bo.de.
 

Stichwort

Die Jury und ihre Begründung

Die Jury besteht aus Leselenz-Kurator José Oliver, Ulrike Wörner, Geschäftsführerin des Friedrich-Bödeker-Kreises Baden-Württemberg, und der Stiftungs-Vorsitzenden Doris Sistiaga-Thumm. Künftig wird auch der vorherige Preisträger in der Jury sitzen. Diese begründet die Vergabe an Finn-Ole Heinrich so: »Wenn man nur über alles lacht, dann ändert sich doch nichts“ – dieses Zitat von Heinrichs Heldin Maulina kann als Motto für sein Werk gesehen werden: seine Bücher, die ihren Lesern – ob jung oder alt – etwas zumuten. Traurig, komisch, schräg, verrückt, dabei voller Freude an der Sprache, an Sprachspielereien, an skurrilen, traurigen und lustigen Situationen.
Es ist weniger die an Zielgruppen orientierte Kinder- und Jugendliteratur, vielmehr eine Literatur der jungen Helden und Heldinnen, die Finn-Ole Heinrich mit Frerk, Maulina und all den anderen geschaffen hat. Er lässt eine Wirklichkeit entstehen, die mühelos zwischen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur balanciert und das Tor zu vielen neuen Welten öffnet.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

vor 47 Minuten
"Olaf Hajeks Buch der Blumen" in Gengenbach
Das neue Kinder-Sachbuch von Olaf Hajek wird derzeit im Museum Haus Löwenberg in Gengenbach präsentiert. Gezeigt werden die Original-Gemälde.
vor 47 Minuten
Interview mit dem Maler Olaf Hajek
„Blüten und Früchte“ im Haus Löwenberg in Gengenbach: Olaf Hajek stellt sein neues Buch vor. Im Gespräch erzählt der Künstler von seinem Werdegang und seiner Kunst. 
Stockhausens „Stimmung“.
vor 13 Stunden
Mit Abstand in der Hall Rhin im Straßburger Kongresszentrum
Marathon der surrealen Töne  
Piekar (hinten von links). Vorne links sitzt Anja Tuckermann, die als Poetik-Dozentin an der PH in Karlsruhe lehren darf.
19.09.2020
Hausacher Leselenz
Der Hausacher Leselenz konnte wegen Corona erst jetzt seine Stadtschreiber 2020 im Kinzigtal begrüßen. Das Literaturfestival will dem Virus aber weiterhin ein Schnippchen schlagen und mit seinen Lesungen gänzlich neue Wege gehen.
Opernparodie im prachtvollen Gewand: Annette Postel verzückte das Publikum in Achern.
18.09.2020
Kabarett in Achern
Zwei gelungene Kabarett-Vorstellungen mit Annette Postel brachten das Acherner Kulturprogramm „Gong“ wieder in Schwung. Jeweils 50 Zuschauer erlebten im Festsaal der Illenau große Schauspiel- und Gesangskunst.              
Bei der School-Tour an ihrer Schule wurde das Talent von Tami Williams erkannt.
18.09.2020
Jürgen Stark über 20 Jahre Musikförderung
Seit 20 Jahren ist der Autor und Musiker Jürgen Stark in Sachen Förderung von Musik und Kreativität unterwegs. Das Projekt „School-Tour“  bescherte ihm und seinem Team eine aufregende Dienstreise in die USA sowie eine sehr schöne musikalische Entdeckung. 
Jürgen Stark.
17.09.2020
Kulturkolumne
CD-Player-Verbot, Alexa-Diktat und Streaming-Vorschriften – das ist für Musikfreunde, die noch echte Schätze im Schrank haben und sich nicht für Massenware begeistern können, eine Zumutung. Sieht so die kulturelle Zukunft aus – ärmer, dafür teurer?
Können mit ihren Arbeiten wunderbar kommunizieren: Fernande Petitdemange (links) und Marie Dréa.
17.09.2020
Ausstellung von Marie Dréa und Fernande Petitdemange
Zeichnungen von Marie Dréa und Fotografien von Fernande Petitdemange präsentiert die neue Ausstellung beim Kunstverein Offenburg-Mittelbaden. Die Arbeiten der beiden Künstlerinnen zeigen die stille Poesie von Alltagsgegenständen und Fundastücken.
16.09.2020
Interview mit Tim Otto Roth zu "Heaven's Carousel" in Offenburg
Tim Otto Roths „Heaven‘s Carousel“ ist einzigartig – in vielerlei Hinsicht. Und es hat schon viel gesehen und mitgemacht,  wie der Künstler im Gespräch erzählt. 
15.09.2020
Historischer Verein für Mittelbaden stellte 100. Jahresband der "Ortenau" vor
Der Historische Verein für Mittelbaden präsentiert seinen 100. Jahresband. Ein großes Kapitel ist der Jugend- und Musikkultur  in Offenburg zwischen 1967 und 1976 gewidmet.
15.09.2020
Konzertreihe in der Oberrheinhalle Offenburg
Die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg und die Pianistin Onuté Grazinyté begeisterten in der Reihe „Oberrheinhallen-Konzerte“. Die Konzerte werden in Zukunft jeweils zwei Mal gegeben.
14.09.2020
Fotoausstellung über die 1960er-Jahre
In der ehemaligen Tonofenfabrik in Lahr zeigt das Stadtmuseum Stadtansichten der 60er-Jahre. Die Aufnahmen der Fotografen Dieterle geben Einblick in ein aufregendes Jahrzehnt.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Curvy Queen bietet trendy Mode bis Kleidergröße 60.
    16.09.2020
    Coole Looks bis Kleidergröße 60 / Drei tolle SSV-Shoppingtage
    Das Bekleidungsgeschäft Curvy Queen in der Offenburger Platanenallee bietet eine große Auswahl an Plus-Size-Mode. Vom 17. bis 19. September gibt es beim Sommerschlussverkauf die starke Mode zu reduzierten Preisen.
  • Voller Einsatz für die Patienten: Das Reha-Sport-Team vom Offenburger RehaZentrum - Sabrina Weidner, Sarah Figy, Mario Truetsch und Lars Bilharz (v. l.)
    15.09.2020
    Neue Kurse starten im Oktober – jetzt anmelden!
    Fit werden, fit bleiben: Dieses Ziel hat sich das Team des RehaZentrums in Offenburg für seine Kunden auf die Fahnen geschrieben. Hier bekommt jeder sein maßgeschneidertes Therapie- und Fitnessprogramm. Wer langsam wieder in Bewegung kommen will oder an einer Grunderkrankung, wie Rückenschmerzen...
  • Alexander Benz (von links), Michel Roche, Thomas Kasper, Erhard Benz und Erika Benz stehen an der Spitze des Top-Life.
    07.09.2020
    Top-Life Berghaupten: Die Adresse für Gesundheit und Fitness
    Gesundheit und Fitness haben eine Adresse in der Ortenau: Seit 1996 ist das Top-Life Gesundheitszentrum Benz KG in Berghaupten Ansprechpartner Nummer eins, wenn es in der Region um private Gesundheitsvorsorge, Wellness und medizinische Versorgungsangebote geht.
  • Die Vereine im ewo-Gebiet haben die Chance, für ihre Nachwuchsmannschaften zu gewinnen.
    28.08.2020
    Vereinsaktion #Ballwechsel: Energiewerk Ortenau und Partner suchen trickreiche Teams und deren Fans
    Ballkünstler gesucht! Das Energiewerk Ortenau (ewo) startet zusammen mit starken Partnern die Vereinsaktion #Ballwechsel: Wer seinen Club vorschlägt, eröffnet ihm die einmalige Chance, ein Fest und jede Menge Equipment im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro zu gewinnen. Alles, was die meistgevoteten ...