Kabarett zum Weltfrauentag

Frauenpower mit Martina Brandl in der Acherner Illenau

Autor: 
Regina de Rossi
Lesezeit 4 Minuten
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10. März 2018

Erfrischend frech: Die Kabarettistin Martina Brandl blieb durchgehend authentisch. ©Regina de Rossi

Die Kabarettistin Martina Brandl kam gut an, als sie am Donnerstag   im Festsaal der Illenau in Achern loslegte. Immerhin ist sie Trägerin des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg.

In knappen schwarzen Jeans, einem  T-Shirt, auf dem die legendäre Micky Mouse prangert, und einem locker wippenden Pferdeschwanz, der ihre blonde lange Mähne bündelt, kommt sie auf die Bühne des Illenauer Festsaals. Präsent ist sie sofort, denn das Publikum ist ihr Ziel. Just zum Weltfrauentag wurde es mit geballter Frauenpower der Kabarettistin Martina Brandl konfrontiert. Heißt, mit einer eher kräftig gebauten Fünfzigjährigen, die ihre eigenen Sixpacks lieber in »einen einzigen Beutel verpackt« und zu diesem steht. Er war schließlich teuer genug! 

»Irgendwas mit Sex«

Martina Brandl macht »das, was sie kann«, sagt sie – und das ist Kabarett. Eigentlich hatte es der heute in Geislingen an der Steige lebenden Künstlerin – zwanzig Jahre lebte sie davor in Berlin –  der Gesang angetan. Doch sie sollte dazwischen »erzählen«, hatte es geheißen. Nach dem Motto »sag halt was« füllte sie die Lücken zwischen ihren Liedern. Und das hat dem Publikum gefallen. Also, weitermachen und ausbauen. 
Das Ergebnis ihrer mittlerweile jahrelangen und unter anderem mit dem Baden-Württembergischen Kleinkunstpreis bedachten Bühnenpräsenz überzeugte nun auch das sehr zahlreich erschienene Publikum im Festsaal der Illenau in Achern am Donnerstag. 

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Den Abend nun, den soll »irgend was mit Sex« bestimmen.  Doch ihre Frage ans Publikum, wer denn heute schon Sex gehabt habe, bleibt schüchtern unbeantwortet. Dafür legt Martina Brandl los. Ihr Bild einer blondgelockten Klassefrau mit geknotetem Männerhemd unter ihren Push-Ups und einer riesigen Bohrmaschine in den Händen entlockt die ersten Lacher. Die Welt der perfekten Frau verlässt sie bald, singt »Lass mich dein Defizit   sein« und rutscht hinein in die Schummelwelt der hautengen Figurformer namens Spanx: »Geh damit mal pinkeln«, stellt sie in den Raum und ist schwupps dort, wo weitere Probleme à la dame auftauchen: im Klimakterium. 

»Umarme die Veränderung!« bekommt sie zu hören. Von einem Mann. Sie ist taffer und überlegt, wie sie mit ihren Hitzewallungen und ihrer Assistentin Klimakteria alternative Heizenergien erzeugen könnte. Ach ja, die Männer. Komplett humorlos seien sie im Bett – und sie erntet Protest: »Hey, hey, hey!«, ruft es aus den Reihen, und Martina Brandl muss Beispiele geben. Das Publikum grölt. Auch über die kleinen Helferlein, deren sie sich nachts bedient, denn Reiner, den sie hingebungsvoll besingt, kann sie nur durch seinen Hang zur perfekten Sauberkeit begeistern, er, der die Blätter des Ficus einzeln abstaubt und mit der extra harten Zahnbürste das Cerankochfeld scheuert.

Kluges Programm

Martina Brandl agiert hemmungslos direkt. Damit kommt sie an beim Publikum. Vor allem das weißgetupfte Petticoat-Kleid, mit dem sie die zweite Spielrunde bestreitet, macht sie noch provokanter und unterstreicht sie erfrischend frech in ihrem Tun. Gefallen will sie hier niemandem. Höchstens sich selbst. Aber das Handy während ihrer Bühnenpräsenz heraus zu nehmen und es gar noch zu benutzen, das gefällt ihr nicht. Der arme Besucher muss sich jetzt ganz warm anziehen, denn die Brandl gerät in Wut und zähmt sie nicht. Da hilft selbst die sanft gestimmte Ukulele nicht. Nein, was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Sie mutiert zur »fame bitch«, und das ist für Martina Brandl »voll okay«. 
Dann rappt die Kabarettistin noch einen ihrer krassen Songs, geht in die Ecke Gesellschaftskritik und bleibt auch hier authentisch. »So gelacht habe ich selten«, heißt es als Fazit eines kabarettistischen Abends, das mit einem klugen Frauen-Programm einer tollen schnörkellosen Frau unterhielt, das man(n) gehört haben sollte. 

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