Politisches Kabarett im Stiftsschaffneikeller

Frederic Hormuth fordert in Lahr Zivilcourage ein

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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14. Januar 2018

Keine Comedy, sondern knallhartes Kabarett bot Frederic Hormuth am Freitag in Lahr. ©Jürgen Haberer

Seit gut zwei Jahrzehnten bedient Frederic Hormuth das Genre des klassischen Kabaretts. Scharfzüngig und pointiert hinterfragt er das politische Geschehen, poltert gallig gegen die Rattenfänger am rechten Rand des politischen Spektrums. Den Gästen im Lahrer Stiftsschaffneikeller blieb bisweilen das Lachen im Halse stecken.

Eine Kakofonie aus Alltagsgeräuschen erfüllt den restlos gefüllten Stiftsschaffneikeller in Lahr. Frederic Hormuth marschiert auf der Bühne, die Faust donnert auf den Notausknopf am Flügel: »Halt die Klappe – wir müssen reden« hieß es am Freitag. Es wird mucksmäuschenstill, der Mann mit dem Mammut auf dem T-Shirt holt kurz Luft und springt direkt hinein in die vor wenigen Stunden abgeschlossenen Sondierungen. 

Scharfzüngig seziert

Hormuth ist kein Freund der wieder drohenden »GroKo«. Er hätte sich eine Minderheitsregierung gewünscht, in der Angela Merkel auf der Suche nach Mehrheiten ihre Politik zur Abwechslung auch einmal erklären müsste. »Die Chance auf einen beruflichen Neuanfang hat Merkel wohl verspielt, wenn die SPD nicht im letzten Moment doch noch zur Besinnung kommt«, stellt er bissig fest. 

Der gebürtige Mannheimer hebt sich wohltuend ab von der breiten Masse seiner immer mehr in Richtung Comedy schielenden Kollegen. Er bedient klar abgesteckt das Feld des politischen Kabaretts, seziert scharfzüngig und pointiert.

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Fleischfresser und Veganer fallen über die Vegetarier her, die Alkoholiker, die auf Schnapspralinen umgesattelt haben. Die Welt ist eine Scheibe. Vor der Höhle der neuzeitlichen Neandertaler lauert noch immer das hungrige Mammut oder Donald Trump, das Faktotum einer politischen Weltbühne, die an Absurdität kaum noch zu überbieten ist. 

Ökowahnsinn und Biogarnelen

Der Mann mit dem Wischmopp auf dem Kopf ist schnell abgehakt. Hormuth landet dafür bei den Eiern aus der mehrstöckigen Bodenhaltung und Biogarnelen aus Bangladesch, dem Ökowahnsinn des Biodiesels, für den ganze Regenwälder abgeholzt wurden. Auch er fährt einen Diesel, fühlt sich längst stigmatisiert. Er fällt also über die Verkehrspolitik her, landet bei den tricksenden Autoherstellern und einem Verkehrsminister, der seinen Job in die USA ausgelagert hat. Aber auch bei der ersten Autobahn, die in Deutschland pleite gegangen ist. Sie wird wohl demnächst an die Saudis verkauft, Frauen, die von Bremen nach Berlin unterwegs sind, brauchen dann eine Burka und am besten gleich noch einen Chauffeur.  

Richtig rund geht es im zweiten Teil des Abends. Hormuth exerziert erst einmal durch, wo die Bundeswehr überall für Ordnung sorgen könnte, marschiert im Stechschritt von der Kita ins Pflegeheim. Dann schießt er sich auf all diejenigen ein, die der »Lügenpresse« den Rücken gekehrt haben und sich lieber auf die Wahrheiten aus dem Internet verlassen. Auf die, die am rechten politischen Rand im Trüben fischen, die Gutsherren und Nazis in Nadelstreifen, denen er gallig Paroli bietet. 
 

Hormuth nimmt in Kauf, dass dem Publikum das Lachen im Halse stecken bleibt, dass die Stimmung in den Keller rauscht. Er fordert Zivilcourage und klare Kante ein, lockert auf mit einem Song über den Nazi, der viel zu oft nicht nur neben einem herläuft.   
Politisches Kabarett, wie man es sich wünscht. 

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