Musikerin aus Westafrika eroberte Männerdomäne

Großer Auftritt für die Kora-Meisterin Sona Jobarteh

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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06. März 2018
Sona Jobarteh mit der Kora, dem traditionellen Instrument ihrer westafrikanischen Heimat.

Sona Jobarteh mit der Kora, dem traditionellen Instrument ihrer westafrikanischen Heimat. ©Jürgen Haberer

Sona Jobarteh hat sich einen Platz in einer reinen Männerdomäne erobert und der Musik Westafrikas neue Impulse und gesteigerte Aufmerksamkeit beschert. Am vergangenen Freitag gastierte die Frau mit der Kora erstmals in der Reithalle in Offenburg. 

Sona Jobarteh, 1983 in London geboren, stammt nicht nur aus einer der großen Musikerfamilien Gambias. Sie ist selbst zu einem Griot geworden, einem Meister auf der Kora, der mit 21 Saiten bespannten Stegharfe Westafrikas. Sie ist damit in eine reine Männerdomäne eingebrochen, hat sich in einer Tradition eingenistet, die normalerweise vom Vater auf den Sohn vererbt wird, vom Onkel auf den Cousin. 

In Gambia, der Heimat ihrer Vorfahren, sind es gerade einmal sieben Familien, die seit vielen Generationen das Spiel auf dem auch als Harfenlaute bezeichneten Instrument kultivieren. Sona Jobarteh, die am königlichen Musikcollege in London Klavier und Cello studiert hat, schöpft dabei längst nicht nur aus der auch im Senegal, in Mali und an der Elfenbeinküste verbreiteten Tradition. 

Sie vermischt die überlieferten Klänge des Instrumentes mit afrikanischer Popmusik und einer Prise Jazz. Ihre Musik schöpft zwischendurch auch immer wieder aus der kollektiven Improvisation, den sich rauschhaft verdichtenden Läufen einer in ihren Grundzügen wunderbar entspannt wirkenden Klangwelt. Sie hat der Musik der Griots neue Impulse verliehen. Ihr Erfolg in Europa und Übersee strahlt bis nach Westafrika aus.

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Bezirzt und umgarnt

Auf ihrer aktuellen, gerade einmal ein Dutzend Termine umfassenden Europatournee hat sie nun auch in Offenburg Station gemacht. Sona Jobarteh hat das Publikum in der gut besuchten Reithalle im Sturm erobert. Sie hat die Zuhörer mit den perlenden Lauten der Kora, ihrer Stimme und ihrem Charme förmlich bezirzt und umgarnt. Ihr Auftritt mit Gitarrist Derek Johnson, Schlagzeuger Westley Joseph, Andi Mclean am Bass und Mamadou Sarr an den Percussions hat mit seiner wunderbar pulsierenden Leichtigkeit auch die frostige Aura und die Tristesse des Spätwinters hinweggefegt. 

Sona Jobarteh, die zwischendurch immer wieder zur Gitarre greift, würzt die durchweg selbst komponierten Songs mit wunderbaren Instrumentalläufen und ausgefeilten Dialogen. Derek Johnsons Gitarre hält dabei ebenso dagegen wie die Rhythmusmaschinerie von Mamadou Sarr, der Sona Jobarteh am Freitagabend mehr als einmal zum musikalischen Duell herausgefordert hat. 

Sona Jobarteh, die in der Erinnerung an ihren Großvater Amadou Bansang Jobarteh eine eigene Koraschule in Gambia gegründet hat, beschwört aber auch die Kraft der Liebe und der Frauen, sie besingt ihre Heimat Gambia. Dabei lockt sie das Publikum immer wieder spürbar aus der Reserve.  Das am Ende fast zweistündige Konzert hat musikalisch überzeugt und Lust auf mehr gemacht.  

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