Ausstellung im Europa-Park

In »Ottos Welt« trifft Picasso auf den Ottifanten

Autor: 
Hans-Dieter Fronz
Lesezeit 4 Minuten
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30. November 2017
Kunst und Requisiten: Otto Waalkes stellt im Europa-Park aus.

Kunst und Requisiten: Otto Waalkes stellt im Europa-Park aus. ©Benedikt Spether

Der Europa-Park ermöglicht einen Blick in »Ottos Welt«. In der Ausstellung sind mehr als 100 Kunstwerke des prominenten Ostfriesen Otto Waalkes zu sehen. 

Man kennt ihn von ungezählten Fernsehauftritten, etlichen Kinofilmen und millionenfach verkauften Tonträgern. Otto, der Außerfriesische, wie er sich gerne nennt. Er ist Clown und begnadeter Spaßmacher, aber auch Musiker und Schauspieler. Weniger bekannt ist hingegen, dass er auch ein Talent zum Künstler hat. Otto malt Bilder in Öl und Acryl, die sich nicht schlecht und zu guten Preisen verkaufen.

Denn Otto ist von der Muse geküsst. Ursprünglich wollte der selbsternannte Götterbote mit dem Flügelkäppi Kunsterzieher werden. Anfang der 1970er-Jahre studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Das Studium finanzierte er durch Auftritte als Leadsänger und –gitarrist der Rockband The Rustlers. Wie er in einem Interview verriet, geht er hin und wieder sogar freiwillig ins Museum. Um zu schauen, wie die Künstlerkollegen es machen.

In den letzten Jahren wurde Ottos Kunst in verschiedenen Ausstellungen gezeigt: in Galerien in Hamburg und Werl zum Beispiel. Oder in Mainz. Dort gab es 2015 im Alten Postlager so etwas wie die erste große Retrospektive: »Otto Waalkes – Die Ausstellung. Sein Lebenswerk«. Jetzt ist Otto in der Mercedes-Benz-Hall im Europa-Park-Rust zu Gast. Und stellt sich mit seiner Präsentation in eine illustre Reihe klangvoller Namen wie James Rizzi, Janosch oder Chagall.

Requisiten für die Fans

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Mehr als 100 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken hat er nach Rust mitgebracht. Der originale Leuchtturm seiner Bühnenshow und Souvenirs aus einer langen Karriere, Bühnenkostüme und Requisiten für die Show, Fotografien und Plakate sind atmosphärisches Beiwerk für seine Anhänger. Im Shop werden Fan-Artikel und Merchandising-Produkte zuhauf angeboten, denn selbstverständlich ist die Ausstellung auch ein großer Marktplatz. Speziell für die Europa-Park-Besucher hat Otto eine Serie von Zeichnungen geschaffen, die in einer Sonderedition käuflich erworben werden können.

Aber wie ist sie denn nun, die Kunst von Otto? Vor allem humorvoll und bunt. Und übrigens so knuddelig wie sein Markenzeichen, der Ottifant, der sich bei ihm allenthalben ins Bild mogelt. So etwa, wenn Otto nach dem Motto »Genie trifft Genie« die Kunstgeschichte gegen den Strich bürstet und bekannte Motive gleichsam ottifantisch umdeutet. Da liebkost Picassos Mädchen mit der Taube bei ihm anstelle des Federviehs einen Ottifanten. Und zu den Klängen von Manets berühmtem Flötenspieler (der in Ottos Version dem Komiker verdächtig ähnlich sieht) tanzt eine beschwingte Ottifantin im Petticoat. 

Auch Gauguins Südseefrauen schließen Bekanntschaft mit der Spezies. Wie der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi hat Otto alle Stile und Bildsprachen von der Moderne bis heute drauf: von Edward Hopper über Roy Lichtenstein bis Keith Haring. Den Kopf stehenden Ottifanten à la Baselitz erwarten wir in Bälde.

In witzigen Comiczeichnungen aus dem apokryphen »Buch Otto« kreiert der Künstler auch ganz neue Spezies. Wie den Spaghettihund oder den Fledermaulwurf, eine Wiesenmischung aus Fledermaus und Maulwurf. Sein Stachelschwein schaut in Gestalt eines borstigen Schweinskopfs mit dem Rüssel nach oben als Kaktus aus dem Blumentopf. Die Lachmöwe lacht sich darob eins im Flug. Ottos Tierleben kennt auch getigerte Ottifanten oder welche mit Zebrastreifen. In seiner Sicht führt die Evolution vom Affen über eine Urform des Ottifanten bis hin zur Krone der Schöpfung: der Gattung Homo Ottoensis mit Flügelkäppi.
Stolze Preise
Ottos erster, größter und neugierigster Fan ist übrigens er selbst. »Beim Malen kann ich kaum stillstehen, ich bin so ungeduldig und will endlich wissen, wie das Bild aussieht, wenn es fertig ist«, hat er einmal witzig bemerkt. Meistens lohnt es sich ja, das Warten – gerade auch im pekuniären Sinn. Der Shop bietet neben jeder Menge Plüsch-Ottifanten, Flügelkäppis und Kaffeetassen mit Ottifanten-Motiv auch eine Vielzahl von Reproduktionen malerischer Motive zu stolzen Preisen. Eine Reproduktion des Aquarells »Nighthawks« nach Hopper etwa kostet –handsigniert, in einer Auflage von 199 Stück – 1400 Euro. Wobei das Preisschild offen lässt, ob inklusive Rahmen oder nicht.

Ausstellung »Ottos Welt«, Europa-Park Rust, Mercedes-Benz Hall. Bis 7. Januar, täglich von 11 bis 19 Uhr.

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