Beziehungsdrama »Der letzte Vorhang«

Intensives Spiel auf dem Ledersofa

28. Februar 2014
&copy Jürgen Haberer

Das Stück »Der letzte Vorhang« kommt beinahe ohne Handlung aus und hinterlässt doch einen nachhaltigen Eindruck. Suzanne Borsody und Guntbert Warms genügen am Dienstagabend in der Stadthalle Lahr Worte und Gesten, um die Geschichte einer gescheiterten Beziehung zu erzählen.

Lahr. Richard und Liesbeth haben sich vor mehr als drei Jahrzehnten auf der Schauspielschule kennen gelernt. Auf der Bühne waren sie lange ein erfolgreiches Paar, im richtigen Leben hat es nur zu einer kurzen Affäre gereicht, obwohl sie wohl die ganze Zeit über ineinander verliebt waren. Liesbeth ist nach 20 Jahren ausgestiegen. Sie hat einen Arzt geheiratet, ist mit ihm an die Côte d‘Azur geflüchtet. Richard hat alleine weitergemacht, zwischen Trunksucht und Selbstüberschätzung aber irgendwie das Maß verloren, sich mehr und mehr zum Kollegenschreck entwickelt.
In drei Wochen steht die Premiere seiner aktuellen Inszenierung an, es ist das Stück, das am Anfang der gemeinsamen Kariere von Richard und Liesbeth stand. Das Publikum im Lahrer Stadttheater wird Zeuge, wie er seine aktuelle Partnerin in die Verzweiflung treibt und in die Flucht schlägt. Nun kann eigentlich nur noch Liesbeth helfen, die er seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie reist aus Südfrankreich an, zieht das Ding allen Verwerfungen zum Trotz mit ihm durch. Die Premiere läuft gut, eine weitere Vorstellung wird es aber nicht geben. Für Richard und Liesbeth ist endgültig der letzte Vorhang gefallen.
Die Geschichte des von der Niederländerin Maria Goos geschriebenen Theaterstücks, muss sich das Publikum im fast ausverkauften Saal selbst erarbeiten. Maria Goos konzentriert sich ganz auf das Aufeinandertreffen der beiden Figuren, ihren immer wieder aufbrechenden Konflikte, die Verletzungen der Vergangenheit, den Versuch einer gemeinsamen Aufarbeitung und die damals wie heute zum Scheitern verurteilten Annäherungsversuche.
Tragische Beziehung
Vergangenheit, Gegenwart, Fiktion und Suggestion wirbeln wild durcheinander, währen zwei Vollblutschauspieler rund um ein Ledersofa schonungslos in die Abgründe einer tragischen Beziehung hinabsteigen. Wie früher fließt reichlich Alkohol, alte Wunden werden neu aufgerissen, die nach wie vor vorhandene Anziehungskraft kann sie nicht heilen. Richard geht Zigaretten holen und wird nicht zurückkommen. Liesbeth kehrt zurück an die Côte d’Azur.
Suzanne Borsody und Guntbert Warns liefern sich auf der Bühne knapp zwei Stunden lang ein großartiges Gefecht. Sie ziehen alle Register des Sprechtheaters, überzeugen mit einem ungemein intensiven Spiel in Gesten und Mimik. Sie vollführen einen großartig angelegten Tanz auf dem Drahtseil, springen hinein in groteske, manchmal urkomisch anmutende Dialoge und Bilder, die immer auch berühren.
Das Publikum fühlt mit, es lacht und leidet mit den beiden nur allzu menschlichen Figuren, die vieles im Leben falsch gemacht haben, das Rad der Zeit aber nicht mehr zurückdrehen können.

Autor:
Jürgen Haberer

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