Konzert in der Peter-und-Paul-Kirche

Jeremy Winston Chorale mit Herz und Leidenschaft

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
15. Juli 2016

Begeisterung, die ansteckend wirkte: Der Jeremy Winston Chorale in der Peter-und-Paul-Kirche in Offenburg-Bühl. ©Oscar Sala

Feinfühlig, beseelt, mitreißend und mit viel Herzblut: Eine musikalische Sternstunde erlebte das Publikum am Mittwochabend in der Peter-und-Paul-Kirche mit dem Jeremy Winston Chorale. 

Der Weltklasse-Chor unter der Leitung von Jeremy Scott Winston ist in Bühl kein Unbekannter mehr und regelmäßig Garant für ein volles Gotteshaus. Beim achten Auftritt hatten die Gäste aus den USA ihre mit Herz und Leidenschaft vorgetragenen Gospels und Spirituals mit einem Hauch von Klassik und Jazz garniert. Zum Benefizkonzert hatte wie in den vergangenen Jahren der gemeinnützige Verein »Christrose« eingeladen, der für den Erhalt und die Belebung von Kirchen und für ein soziales Miteinander wirbt.

Gospels in ursprünglicher Form 

Der Jeremy Winston Chorale sorgte zwei Stunden lang für überschäumende Emotionen. Der in ein sanftes Rot getauchte Altarraum vermittelte den Zuhörern zudem ein wohlig-warmes Gefühl. Verheißungsvoll bereits der Auftakt der mit den klassischen Stücken »Gloria in excelsis Deo«  und »Halleluja« die europäische Musiktradition aufnahm. Temperamentvolle Abschnitte wechselten zu besinnlichen Momenten. Unplugged und ohne jegliche elektronische Verstärkung gingen die Gospels in ihrer ursprünglichen Form direkt unter die Haut, etwa beim dreisätzigen  »I will lift up mine«, das von dem jungen Merkell Williams und Jeremy Winston solistisch begleitet wurde. Ergreifend auch der Auftritt der stimmgewaltigen Vernetta Willet bei »My Souls been anchored«. Dass moderne Arrangements hervorragend mit Gospel harmonieren, zeigte sich beim Stück  »Elijah Rock«.

Countertenor berührte 

- Anzeige -

Als ein Höhepunkt des Abends erwies sich nicht zuletzt »Even me« mit Countertenor William Ramsey, der mit einer unglaublich gefühlvoll-zarten Stimme die Herzen höherschlagen ließ. Zwischendurch begaben sich einige Sänger vom Altar in Richtung Publikum, ließen es ihre Stimmen hautnah spüren.  

Einer kleinen Tradition folgend, wurde während des Konzerts eine sozial tätige Gruppe aus der Region vorgestellt. Über den Verein »Bildung ohne Barrieren« – Bildungsinstitut für blinde und sehbehinderte Menschen« (BOB) informierte sein Vorsitzender Werner Sänger. Der Selbsthilfeverein hat über 100 Mitglieder.  Einige von ihnen waren mit Blindenhund in die Bühler Kirche gekommen und konnten in der ersten Reihe die wunderbaren Stimmen genießen. Viele wippten und klatschten, vor allem gegen Schluss, als bekannte Melodien wie  »Oh Happy Day« (Solist Robert Grant), »He´s got the whole world« (Solisten Lavonte Heard und Shyanne Clark) sowie »Amazing Grace« (Solisten Merkell Williams und William Ramsey) erklangen. 

Improvisation grogeschrieben

Für eine beschwingte Klavierbegleitung sorgten Janet Cooper und Lavonte Heard. Aber auch der charismatische Jeremy Winston selbst setzte sich auch hin und wieder an das E-Piano und trug zum Gelingen des Konzerttages bei: »Das Wichtigste bei solchen Konzerten ist die Improvisation«, betonte Jeremy Winston. Gerade deshalb sei auch kein Programm ausgedruckt worden, meinte Moderator Tithey Schulz, der die Worte des Dirigenten übersetzte. 
Der flexible und improvisationsfreudige  Chorleiter konnte seinen Sängern dabei immer wieder solistische Glanzleistungen entlocken. Bis zum Schluss sangen die Akteure mit ansteckender Begeisterung. Songs, die auch noch in der Zugabe berührten und begeisterten. 

Der Chor spielte gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle – Gänsehaut-Feeling inbegriffen. Am Schluss gab es für die Gäste aus den USA minutenlang Beifall und stehende Ovationen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Das Offenburger Streichtrio – Frank Schilli, Rolf Schilli und Martin Merker – bei den Kreuzgangkonzerten im Sommer 2020.
vor 6 Stunden
CD "Ungarische Serenaden" erschienen
Im Sommer 2019 hat das Offenburger Streichtrio in Ungarn seine CD „Ungarische Serenaden“ eingespielt. Nach coronabedingter Verzögerung ist die Zusammenstellung von Musik ungarischer Komponisten des 20. Jahrhunderts nun erhältlich.
In das historische Fachwerkhaus ist wieder Leben eingezogen.
18.01.2021
Altes Haus zu neuem Leben erweckt
Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg würdigte die gelungene Sanierung des 1799 erbauten Weingärtnerhauses in Münchweier mit der Auszeichnung „Denkmal des Monats Januar 2021“. Historisches und Modernes seien eine spannende Verbindung eingegangen, loben die Denkmalpfleger.   
Dietrich Mack.
15.01.2021
Kulturkolumne
Der Lockdown kann auch positive Seiten haben. Mangels anderer Abwechslung lädt er zum ausgiebigen Lesen ein. An tröstlicher Lektüre mangelt es nicht. Um Weihnachten war auch genügend Zeit für das Lesen von Rundbriefen. Nicht alle waren tröstlich, dafür umso peinlicher. 
Musiker Dominik Faitsch.
13.01.2021
Neue Lieder des Wolfacher Singer/Songwriters
Der Singer/Songwriter Dominik Faitsch hat seinen Musikstil geändert. Mehr Groove für seine aussagekräftigen Texte. Jetzt will er alle zwei Monate ein neues Lied auf den Streaming-Plattformen veröffentlichen, die dann als EP veröffentlicht werden sollen. 
Auguste Rodins Skulptur „Der Denker“ wurde aus Bronze gefertigt.
09.01.2021
Ausstellung in der Fondation Beyeler
Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel zeigt in einer umfangreichen Skulpturenschau die Affinitäten und die Unterschiede zwischen dem Jahrhundertbildhauer und dem Dadaisten. Beide haben den Torso zum gültigen Kunstwerk erhoben.
José F.A. Oliver
09.01.2021
Kulturkolumne
Eine Hand hat fünf Finger, zwei Hände zehn. Simpel und hoch komplex. Diese körperlichen Aha-Erlebnisse müssen wohl die Ursprünge der Zahlen gewesen sein. Einst, bei den Höhlenmenschen, wie sie aus historischer Sicht gerne genannt werden.  
Jürgen Stark.
08.01.2021
Kulturkolumne
In Zeiten des kollektiven Hausarrests surft man automatisch mehr auf sinnlosen Seiten, um sich unnützes Wissen anzueignen. Bevor Amazon mit Paketstapeln zweimal klingelt, landet man auf Tablets oderPC-Panorama-Monitoren zum Beispiel Volltreffer wie diese: „kuriose-feiertage.de“.
Gottfried Berger hat das Lahrer Veranstaltungsangebot ausgebaut.
31.12.2020
Abschied vom Lahrer Rathaus nach über 21 Jahren
Leiser Abschied nach mehr als 21 Jahren: Der Lahrer Kulturamtsleiter Gottfried Berger geht zum Jahresende in den Ruhestand. In seiner Amtszeit initiierte er die interkommunale Puppenparade Ortenau und holte sehenswerte Bildhauerkunst in die Stadt.
Jürgen Stark.
31.12.2020
Kulturkolumne
Nervig, wenn man Problem mit seinem Telefondienstleister besprechen will, und in der Warteschleife der Servicehotline landet. Ernster sind die Sorgen von Kulturschaffenden, die sich am Ende des Jahres 2020 in der sozialen Warteschleife befinden. Die Politik macht neue Hoffnung.