Konzert in der Reithalle

"Jimmy's Soul Attack" feiert 20-Jähriges in Offenburg

Autor: 
Gertrud Schley
Lesezeit 6 Minuten
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12. Januar 2018

(Bild 1/2) Tolles Duo: Bandleader Joachim Gottschalk und Sängerin Elli Bruch, die ebenfalls von Anfang an dabei ist. ©Ulrich Marx

Die Ortenauer Band Jimmy’s Soul Attack feiert ihr 20-jähriges Bestehen mit einer großen Party. Im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse berichtete Bandleader Joachim »Jimmy« Gottschalk von den Anfängen der Band, schwärmte von den Highlights und machte richtig Lust auf das Konzert am 27. Januar in der Offenburger Reithalle. 

20 Jahre Soul Attack! Was fühlen Sie sich bei diesem Datum?
Joachim »Jimmy« Gottschalk: Es ist erst einmal ein gutes Gefühl. Viele andere Bands, auch welche mit weniger Musikern, machen oft nach wenigen Jahren schlapp, trennen sich. Insofern macht es mich wirklich stolz, dass dieses Projekt noch immer so erfolgreich ist.

Was ist das Rezept dieses Erfolgs?
Gottschalk: Ich denke, wir sind uns treu geblieben, haben unseren Stil, also den Soul, nie verlassen. Und im Laufe der Zeit wurde die Band auch immer besser. Das spürt auch das Publikum.

Stimmt die Legende, dass Sie in Kalifornien beschlossen haben, diese Band zu gründen?
Gottschalk: Das stimmt tatsächlich. Ich hatte früher immer Bands. The Rippers, Golgatha oder Escorial. 1982 zog ich mich zurück, machte nur noch Studiomusik. Aber der Wunsch, wieder auf der Bühne zu stehen, blieb. Als ich schließlich in  einem Bluesclub in Santa Monica diese Band mit Bläsern und drei Sängerinnen sah und hörte, war für mich klar: So etwas muss ich auch auf die Beine stellen. Also startete ich einige Rundrufe bei Musikern, die mir tatsächlich alle spontan zusagten. Vor allem auch Elli Bruch, die ich schon immer bewundert hatte. Keine kann den Soul so authentisch singen wie sie. Auch heute könnte ich mir Soul Attack ohne Elli nicht vorstellen!

Wann war Premiere, wann ging es denn richtig los?
Gottschalk: Wir brauchten dringend einen Proberaum. Zum Glück half mir Jutta Spinner, mit der ich befreundet war. Sie stellte uns die Räume vom Kunstverein zur Verfügung, und wir konnten unsere ersten Proben machen. Der Rest ist Geschichte. Am 20. März 1998 hatten wir Premiere im KiK. Der Laden war sofort ausverkauft, sodass wir zwei Wochen später gleich nochmal dort spielten. Ebenfalls wieder ausverkauft!

Ist Elli Bruch die einzige, die noch von der ersten Besetzung mit dabei ist?
Gottschalk: Ja. Zum Glück blieb sie uns treu! In den zwanzig Jahren gab viele Musiker und Musikerinnen, die bei uns mitgespielt haben, die uns aber auch wieder verließen. Natürlich entwickeln sich Musiker weiter, wollen etwas Eigenes auf die Beine stellen, oder sie ziehen weg. Oder sie waren mit meinem Führungsstil nicht einverstanden.

Was meinen Sie mit Führungsstil?
Gottschalk: Vielleicht bin oder war ich dem einen oder anderen zu autoritär. Aber das funktioniert bei einer großen Band nicht anders. Es 14 Leuten recht zu machen, ist nicht immer leicht. Ich versuche zwar alle mit einzubinden, wenn es um die Auswahl der Stücke geht. Aber letztendlich entscheide ich, was gespielt wird. Ich denke, die 20 Jahre geben mir recht.

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Ihre Band ist mit vielen Größen des Pop-Business auf der Bühne gestanden. Was war das tollste Konzert?
Gottschalk: Diese Frage musste kommen (lacht). Nach jedem Konzert sagst du: Das war das tollste, das geilste Konzert, das wir je hatten! Und so ist es auch vermutlich. Man entwickelt sich weiter, der Anspruch steigt. Und somit auch die Qualität. Natürlich gab es Highlights im Leben von Jimmy’s Soul Attack. Zum Beispiel der Auftritt mit Marla Glen in Rastatt. Oder die vielen City-Open Airs, die wir in Offenburgs Stadtmitte gespielt haben, zum Beispiel mit Hot Chocolate. Ganz wichtig waren und sind auch die Auftritte im Januar in der Reithalle, die inzwischen so eine Art Kultstatus haben. Aber man vergisst auch nie den allerersten Auftritt, die Premiere im KiK. Da war soviel Herzblut dabei. Ich musste daran denken, als ich letztes Jahr mit meiner zweiten Band Blues World im KiK Premiere hatte. Da war plötzlich auch die Soul Attack Premiere wieder ganz nahe.

Apropos zweite Band. Für welche schlägt Ihr Herz mehr?
Gottschalk: Das kann man nicht vergleichen. Jimmy’s Soul Attack ist ganz großes Kino. Blues World eher Programmkino. Aber auch großartig. Bei Soul Attack bin ich als Bandleader, Arrangeur, Gitarrist und Frontsänger der Boss. Bei der Blues-Band kann ich mich eher zurücklehnen und ein wenig an der Gitarre ausleben. Aber die beiden Band kommen sich bei mir nicht ins Gehege. Man könnte es auch so sagen: Jimmy’s Soul Attack ist wie ein Kind, das ich erfolgreich großgezogen habe. Blues World ist noch jung, wenn auch ebenfalls erfolgversprechend.

Schon der Bandname "Jimmy’s Soul Attack" sagt, in welche Richtung es geht. Wie kamen Sie eigentlich zum Soul?
Gottschalk: Ich habe diese Musik schon immer geliebt. Mit acht Jahren schenkte mir mein Patenonkel meine erste Schallplatte. Es war »What’d I Say« von Ray Charles. Ich habe das damals schon voll Inbrunst mitgesungen. Als meine Mutter einmal zu mir sagte »Du singst wie der«, war ich stolz wie Oskar. Später habe ich dann im Radio immer wieder viel Blues und Soul gehört. Da lernte ich Redding, Wilson Pickett und all die anderen kennen. Ray Charles ist aber bis heute mein großes Vorbild geblieben. 

Es gibt inzwischen zwei CDs von der Band. Wann kommt die dritte?
Gottschalk: Da ist im Moment nix geplant. Es gab die Jimmy’s Soul Attack-CD »Feeling Alright« und »Love Man – Tribute To Otis Redding«, meine Solo-CD. Inzwischen bin ich gerade fertig geworden mit der Solo-CD von meinem Freund Klaus Bayer, die ich produziert habe. Jetzt aber freue ich mich erst einmal nur noch auf die Bühne der Reithalle.

Und was erwartet die Fans dort?
Gottschalk: Vor allem ganz tolle Musik, wenn ich das so sagen darf. Immerhin gibt es ein Jubiläum zu feiern! Natürlich werden wir neben neu eingeprobten Songs unsere Lieblingsstücke aus zwanzig Jahren Jimmy’s Soul Attack spielen. Und es wird auch der eine oder andere ehemalige Musiker mit auf die Bühne kommen oder ehemalige Sängerinnen. Dann wird uns mit den »Hick Ups« ein toller Chor unterstützen, mit dem wir ein echten Gospel-Sound auf die Bühne zaubern werden. Schon die Proben waren der Hammer! Ich kann’s, ehrlich gesagt, kaum erwarten. Und unsere Fans hoffentlich auch nicht…

Gibt es etwas, was Sie noch loswerden möchten?
Gottschalk: Ja. Ich möchte so vielen danken, die zu unserem Erfolg beigetragen haben. Zum Beispiel Jutta Spinner, die leider nicht mehr unter uns ist. Sie hat mir dieses unverwechselbare Logo entworfen. Ebenfalls zum Erfolg dieser Band beigetragen hat mein Freund Claus Ruh, der über Jahre hinweg unsere Hand an seinen Bushaltestellen leuchten ließ. Leider wird es das nicht mehr geben, weil die Stadt Offenburg einen anderen Weg ging. Ohne ihn. Vor allem aber möchte ich allen Musikern danken, mit denen ich je bei Jimmy’s Soul Attack gespielt habe. Sie alle haben dazu beigetragen, dass diese Band so Spaß macht und  dass wir stets so erfolgreich waren.
 

Info

Termin

Samstag, 27. Januar, 20 Uhr, Reithalle Offenburg, Karten: Bürgerbüro Offenburg, Tel. 0781/822800, Geschäftsstellen der Mittelbadischen Presse, 
Tel. 0800/911811711. 

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