Offenburg

Jochen Scherzingers subtiles Spiel mit dem Heimatbegriff

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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03. April 2017
Jochen Scherzinger (rechts) und Tobias Raphael Ackermann in ihrer Ausstellung im Offenburger Salmen.

Jochen Scherzinger (rechts) und Tobias Raphael Ackermann in ihrer Ausstellung im Offenburger Salmen. ©Iris Rothe

Die Vernissage wird zum Happening, das bunte Treiben im Foyer des Salmen, verstellt für einen Moment den Blick auf die Kunst. Ein zweiter Besuch lohnt sich aber auf jeden Fall. Die Ausstellung „Herz aus Holz“ zeigt bis zum 9. April rund zwei Dutzend Arbeiten von Jochen Scherzinger und Tobias Raphael Ackermann.      

Es geht ein bisschen zu wie beim Offenburger Freiheitsfest im September 2016. Die Besucher drängen sich im Foyer des Salmen. Es gibt Freibier und Hochprozentiges aus heimischen Brennereien, dazu ein Stück herzhafte „Heckerkruste“. Das Trio „Pan“, vormals „Wohnzimmerakustik“, spielt Popsongs mit deutschen Texten. Der Anlass ist im Grunde sogar derselbe, wie im Herbst vergangenen Jahres. Im Foyer des Salmen werden Arbeiten von Jochen Scherzinger gezeigt, auf alte Türen und Holzbrettern gedruckte Bilder, die subtil mit einem modernen Heimatbegriff spielen. Es geht um Brauchtum und altes Handwerk, die Begegnung von Tradition und Moderne.
 

Bäcker und Bader

Beim Freiheitsfest waren insgesamt acht Türen aus der Edition „Herz aus Holz“ zu sehen. Nun sind es ein Dutzend Motive, die Jochen Scherzinger durch die erstmals zu sehende „Herzland Ortenau Edition“ ergänzt hat und eine Hand voll Trachtenmotive. Schnapsbrenner, Flößer und Uhrmacher sind zu sehen, Glasbläser und Bäcker oder der mittelalterliche Bader. Besondere Objekte sindf der „Schuttig“, die zentrale Figur der Elzacher Fasnacht, und „Miss Munk“, das weibliche Pedant des Köhlers Peter Munk im Märchen „Das kalte Herz“.
Die Essenz der in digitalen Fotodrucken eingefangenen Motive wird gerade auch beim „Schuttig“ und „Miss Munk“ besonders deutlich. Das kraftvolle Rot und Grün der Fastnachtsfigur ist verschwunden. Der Fokus liegt auf dem alten Narrenkleid, dem starren Blick der Holzmaske. Das Bild hat eine mystische Aura - ebenso wie die beinahe verstört in die Kamera blickenden „Miss Munk“, die dem Ausstellungsbesucher -  in feine Rauchschwaden gehüllt - eine Hand voll Kohlenstücke entgegenhält. Jochen Scherzinger hat das Motiv auf die Tür zum alten Plumpsklo des Hofes seines Großvaters gedruckt.

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Ein ganz anderer Eindruck entsteht beim Betrachten des Zimmermans, der gen Himmel blickt, die Arme mit dem Handwerkszeug weit von sich gestreckt. In Verbindung mit der als Untergrund benutzten Tür, entsteht ein klassisches Kreuzigungsmotiv.
 

Alte Bretter

Besonders reizvoll auch die sechs Arbeiten der „Herzland Ortenau Edition“, die Jochen Scherzinger auf alte Bretter aus der Räucherkammer des Hofes in Gütenbach, bei Furtwangen gedruckt hat. Die Maserung des Holzes kommuniziert hier ganz besonders deutlich mit den Motiven, die immer wieder eine Brücke zwischen Tradition und Moderne schlagen. „Der verrückte Bleisetzer“ erinnert an einen Jongleur in der Zirkusmanege, „Die Finkenmacherin“ hat ihre Strohschuhe zur Seite gelegt und gönnt sich mit schmollendem Mund eine Zigarette. Während die junge Winzerin offensichtlich zu einer richtigen Sause einladen will, scheint der Bierbrauer mit kritischem Blick die Farbe des frischen Gerstensaftes zu prüfen.

Jochen Scherzinger/Tobias Raphael Ackermann „Herz aus Holz“, Ausstellung im Foyer des „Salmen“, bis zum 9. April täglich von 16 bis 21 Uhr.              

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