Moderner Tanz in der Oberrheinhalle

Jon Lehrer und seine Company bezauberten in Offenburg

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
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13. März 2018

Voller Präzision: Die Tänzer der Jon Lehrer Company ©RheaAnna

Jon Lehrer Dance Company zum Dritten: Mit dem überzeugenden Programm »Shadows in Motion« faszinierten die Tänzer und Tänzerinnen ihr Publikum in Offenburg. Großartig war die Slapsticknummer »Pulp«.

Eine besondere Rolle spielten die Tücher beim Tanzabend mit der Jon Lehrer Dance Company am Sonntag in der Offenburger Oberrheinhalle: Sie boten die Reflexionsfläche für den Abend unter dem Titel »Shadows in Motion«. Gleich zum Einstieg, der mit einem ruhigen Musikstück und entsprechend langsamen Bewegungen begann, kamen sie zum Einsatz. Drei Tänzerinnen standen darauf, Arme und Oberkörper in Bewegung. Wie Entchen am Kirmesstand glitten sie ruhig auf einem Stoffband dahin. Später schlug das Tuch Wellen, mit denen die Tänzerinnen kämpften.

Spektakuläres Bild

Noch deutlicher wurde dieser Einfall beim Stück »Sirenic« verfolgt. Wie im Ritualkreis saßen und bewegten sich die vier Tänzerinnen zunächst am Boden. Ein Fallschirm beherrschte darauf die Bühne: Als sei er das Wasser, wogte er in Wellen auf und ab. Mit zwei Rückwärtspurzelbäumen bewegten sich die Tänzerinnen dann in die Mitte, wie um in diesem »Wasser« abzutauchen. Mal tanzten sie unter, mal über dem Stoff. Ein spektakuläres Bild entstand, als sie aus den vier Öffnungen wieder auftauchten und der Stoff um sie herumwirbelte: Ein elementares Geschehen im gedämpften Licht, das oftmals nur die leuchtende Bemalung der Trikots sichtbar werden ließ.

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Am deutlichsten wurde der Titel des Abends – »Schatten in Bewegung« – im Stück »Troika« der Tänzer gelebt. Während die Lichttechnik die Schattenspiele gleichermaßen aufwendig wie diskret inszenierten, kamen hier zwei Tänzerinnen mit riesigen Strahlern auf die Bühne, um ihre drei tanzenden Kollegen anzuleuchten. Die überzeugten durch einen eng geknüpften Tanz, der ihren Zusammenhalt deutlich machte.

Ganz klar: Ein großer Wurf war »Pulp«. Alles begann mit einer Stoffbahn, hinter der die Tänzerinnen verschwanden. Genauer: Sie erzeugten die Illusion, als stiegen sie eine Treppe hinunter – auch mal eine Wendeltreppe – und winkten, wenn sie jemanden sahen, notfalls mit dem Fuß. Es war ein Herumstelzen wie zu Stummfilmzeiten, mechanisch und mit vorgebeugtem Oberkörper. 
Slapstick mit rollenden Augen und wippenden Zöpfen. Die Tänzerinnen schnitten Grimassen und grinsten frivol. Das alberne, ausgelassene Stück überzeugte das Publikum durch seinen Humor, der angefangen von den Kostümen bis hin zur kleinsten Geste ausgelassenen Spaß brachte.

Ein Song der Eskimos

Rhythmisches Stampfen und hohe Sprünge gaben »Chukchi« seinen archaischen Charakter. Das kraftvolle Stück basiert auf einer Begegnung mit der tschuktschischen Kultur, die Lehrer im russischen Anadyr kennengelernt hatte. 
Zu Musik und Gesang eines Eskimo-Songs, den Lehrer als Geschenk erhalten hatte, wurden Leiber in die Höhe gewirbelt – und doch stand die synchrone Bewegung bei diesem Stück im Vordergrund.
Wenn es genügend Applaus gebe, würde er Jon Lehrer und seine Company zum vierten Mal verpflichten, hatte Edgar Common, Leiter des Offenburger Kulturbüros, zu Beginn versprochen. 
Wenn man den Beifall am Ende, zu dem Lehrer selbst im Anzug zeigte, wie flink er tanzt, zum Maßstab nimmt, müsste die Tinte auf diesem vierten Vertrag schon trocken sein.

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