Kammerchor Offenburg

Kammerchor gab beeindruckendes Passionskonzert

Autor: 
Gottfried Wiedemer
Lesezeit 3 Minuten
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16. März 2016

Eine harmonische Gesangsleistung bot der Kammerchor Offenburg in der Klosterkirche Offenburg. ©Peter Heck

Das Passionskonzert des Kammerchors entführte die Hörer ins 17. Jahrhundert, zu den wunderbaren Harmonien von Heinrich Schütz und Antonio Lotti, die einst den Markus-Dom in Venedig und die süddeutschen Barockkirchen erfüllten. Auch die Klosterkirche U.L.F. ist ideal für Doppel- und Echo-Chöre von der Empore. 

Es begann mit Bachs Choralvorspiel zu »O Lamm Gottes unschuldig« (1713), das Dieter Benson ruhig und besinnlich vortrug. Im zweiten Teil registrierte er etwas kräftiger, aber der Charakter der »Passion des Gotteslammes« blieb gewahrt. Zwei weitere Orgelstücke gliederten das Konzert des Kammerchors am Sonntag in der Klosterkirche Offenburg, eines von Nicolaus Bruhns, das in seiner größeren Farbigkeit auf die Schütz-Motette überleitete, und das andere von Remo Giazotto, dessen Lebensdaten (1910-1998) eigentlich etwas Atonales erwarten ließen, der aber mit seinem Adagio g-Moll Tommaso Albinoni huldigte, einem Zeitgenossen von Bach. 

Wechselnde Dynamik

Der Chor begann a cappella mit der Evangelien-Motette »Jesus und Nicodemus« von Ernst Pepping, geschrieben 1938. Die Text-Passagen aus Joh. 3/1-15 sind den Stimmen zugeordnet, die einleitende Erzählung dem Bass. Die Jesus-Worte erst dem Tenor, dann den Frauenstimmen. Je nach dem Sinn der Rede wechselt die Dynamik, wobei der Chor – eine stets geübte Tugend – sehr gut artikuliert, und das sogar bei einem »subito piano«. Das Gespräch Jesu mit Nicodemus findet ja heimlich in der Nacht statt, und da sinken die Stimmen ins Piano. 

Aber auch die Selbstoffenbarung des Menschensohnes, der sich wie die heilbringende eherne Schlange des Mose am Kreuz erhöht sieht, spiegelt sich in der Musik, die in einer hohen atonalen Passage gipfelt. Die Schlussverheißung des »ewigen Lebens« findet zum Dur-Akkord zurück. Die »Crucifixus«-Sätze aus dem Credo von Antonio Lotti ist eine herrliche achtstimmige Polyphonie, ruhig und perfekt begleitet von Ulrich Nachtrodt am Kontrabass und Frédérique Renno am Orgelpositiv. Bei den Schütz-Exequien spielte Renno das Cello und vervollständigte so die Generalbass-Gruppe mit Nachtrodt und Benson. 

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Höhepunkt des Abends

Schütz’ »Musicalische Exequien«, 1636 zum Begräbnis des thüringischen Fürsten Heinrich von Reuß komponiert, wurden zum Höhepunkt des Abends. Nicht nur, weil man diese Musik auf deutsche Texte fast nie in einem Konzert hören kann – im Gegensatz zu vielen anderen Schütz-Werken, – sondern weil der Chor es in seinen feinen Abstufungen beseelt darbot. 

Nach der »Intonatio« des Tenors »Nacket bin ich von Mutterleibe kommen« singt der Männer-Chor den bekannten Vers aus Hiob 1,21 »Der Herr hat’s gegeben«, bis alle Stimmen das Erbarmen Gottes anrufen. 
So wechselten sich die Stimmen in liturgischer Ordnung ab, die Solostimmen waren manchmal chorisch, manchmal solistisch besetzt: Martina Seifert (Alt), Denis Lecoq (Tenor) Eckhard Bergen (Bass). Letzterer bildete mit Beatrix Schaub und Friederike Winkler (Soprane) auch den »Fernchor«, der im Schlussteil von der Empore herab quasi vom Himmel her den Verstorbenen in der ewigen Seligkeit begrüßt. 

Im zweiten Teil wird der Chor zum achtstimmigen Doppelchor, ein reiner Genuss in seiner Ausgewogenheit. Die Stimmungen – Trauer, Glaubensstärke und Freude – sind nacherlebbar, weil der Chor sie nach Reinhardt Bäders feinem Dirigat innig gestaltet, besonders wenn er bei »Müh und Arbeit« wirklich in einem schweren Tritt verfällt. Die Schlussbotschaft ist der Trost für »die, die im Herrn sterben«. Und von diesem Trost erfüllt applaudierte ein dankbares Publikum lange Zeit. 

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