Kultur

Konfrontation mit Unerwartetem

Autor: 
Hans-Dieter Fronz
Lesezeit 3 Minuten
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17. November 2006
Einen Überblick über die iranische Gegenwartskunst bietet die Ausstellung mit dem Titel »iran.com – Iranische Kunst heute« die im Museum für Neue Kunst zu sehen ist.
Freiburg. Eine Frau geht durch Freiburg. Mit ihrem exotischen Aufzug und fremdartigem Gebaren erregt sie Aufsehen. Über und über ist das exotische Kleid mit Schwarz-Weiß-Fotos bedruckt, der Kopf zur Gänze mit einem Gazeschleier bedeckt. In der Hand hält die Mysteriöse einen Stab, um den Hals hat sie eine Kette mit Glücksbringern und Heiligenbildchen gehängt. An manchen Stellen macht sie halt, legt sich auf den Boden und bedeckt sich mit einem Tuch. »Wer hinschaut, soll sich Fragen stellen«, sagt Bita Fayyazi. Die Performancekünstlerin aus Teheran konfrontiert die Menschen gern mit dem Unerwarteten. Ihr Gang durch Freiburg endete jüngst beim Museum für Neue Kunst, in der Ausstellung »iran. com – Iranische Kunst heute«. Dort füllt ihre eigens für Freiburg geschaffene Installation »The Diva« einen ganzen Raum. Die Idee zu dem Projekt hatte Nicoletta Torcelli vor mehr als drei Jahren. 17 iranische Künstler haben sie und Isabel Herda, die Kuratorinnen der Schau, für diese erste große Präsentation zeitgenössischer iranischer Kunst in einem deutschen Museum nach Freiburg geholt. Gemeinsam haben die beiden den Iran zweimal besucht: Teheran, die iranische Kunstmetropole, und Isfahan, die alte persische Hauptstadt des Kunsthandwerks, die seit sechs Jahren Freiburgs Partnerstadt ist. Das Projekt schien zeitweilig durch die politische Großwetterlage – den Streit um die iranischen Atom-Ambitionen und die Holocaust-Äußerungen des iranischen Präsidenten – gefährdet. Die Förderung durch das deutsche Auswärtige Amt und die Kulturstiftung des Bundes jedoch zeigt, dass auch in diesen Zeiten ideologischer Konfrontation der kulturelle Austausch politisch gewünscht wird. Der Besucher erhält Einblick in eine lebendige Kunstszene, die zunehmend auch im Westen wahrgenommen wird. Es sind vor allem die Widersprüche des iranischen Alltags, die sich in dieser Kunst spiegeln, dazu die dominierende Macht der Religion. Simin Keramatis Videoprojektion »Silence« soll iranischen Geistlichen gefallen haben – vermutlich des Sujets wegen. Bedrohliche Atmosphäre Zu sehen ist eine Hand in Großaufnahme, die die Steine einer Gebetskette bewegt. Doch die Mullahs dürften den Sinn der Arbeit verkannt haben. Die Begrenzung auf die Beterhand jedenfalls erzeugt in Verbindung mit dem monotonen Klacken der Steine eine unbehagliche, ja bedrohliche Atmosphäre. In ihrer Bildsprache orientieren sich die meisten Werke an westlicher Kunst. Auf das islamische Verbot für Frauen, ihr Haar öffentlich zu zeigen, reagiert beispielsweise Mandana Moghaddam aus Teheran mit einer von Kopf bis Fuß aus geflochtenem schwarzen Haar aufgebauten Skulptur in Gestalt einer weiblichen Figur. Afshan Ketabchi konterkariert in ihrer Fotoserie »Harem« das Klischee von der männlichen Verfügung über weibliche Sinnlichkeit in Bildern selbstbewusster Feminität. Wie wenig es manchmal bedarf, um subversiv zu sein, zeigen Farhad Moshiri und Shirin Aliabadi. Ihre Fotomontagen karikieren auf witzige Weise das islamische Verbot der Darstellung nackter Frauenhaut – und transportieren versteckte politische Botschaften, indem sie sich ironisch der Sprache der Werbeästhetik bedienen. Kleine sprachliche Eingriffe genügen, und auf einer Fotomontage mit zwei Toblerone-Schachteln mutiert der gedoppelte Markenname zur vielsagenden Parole: »Tolerating Intolerance«. Ω Museum für Neue Kunst, Marienstraße 10a. Bis 28. Januar, Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr, Donnerstag 10-20 Uhr. Die Ausstellung hat auch ein umfangreiches Begleitprogramm.

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