Ausstellung zum Oberrheinischen Kunstpreis in Offenburg

Kunstförderer Georg Fröhner über den Künstler Peter Vogel

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 3 Minuten
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06. Dezember 2017

(Bild 1/2) Die Installationen von Peter Vogel (kl. F., 1937-2017) interagieren mit dem Betrachter, der Betrachter lässt durch seine Bewegungen die Installationen musizieren und tanzen. ©Oscar Sala

»Peter Vogel« heißt die aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie Offenburg. Der Freiburger Künstler erhielt posthum den Oberrheinischen Kunstpreis für seine elektronische Klangkunst. Warum er ein großer Fan Vogels ist, erzählt Georg Fröhner vom Förderkreis Kunst + Kultur im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse.

 Als Rezensent muss man – gottlob und bei aller Objektivität – nicht mit seiner Begeisterung hinter dem Berg halten. So darf man sagen: Mit der Ausstellung »Peter Vogel« in der Städtischen Galerie auf dem Kulturforum Offenburg ist der Stadt und dem Förderverein Kunst + Kultur ein echter Coup gelungen. Sie ist wahrscheinlich eine der besten Ausstellungen dort. Wohl selten kann man von einer Ausstellung im Bereich der Bildenden Kunst sagen: Die spricht die ganze Familie an, alle Altersgruppen und weckt im Erwachsenen das Kind.

Georg Fröhner, Vorsitzender des Förderkreises, ist, salopp ausgedrückt, Fan des im Mai verstorbenen Freiburger Künstlers Peter Vogel, der im Oktober posthum mit dem Oberrheinischen Kunstpreis ausgezeichnet worden war.  »Die Ausstellung ist der ideale Einstieg für Jugendliche in die Welt der Kunst!«, sagt er. »Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, selbst Musik zu spielen mit fremden Instrumenten? Oder ein Schattenorchester zu dirigieren? Oder vor einem Kunstwerk – einer Klangskulptur – zu tanzen?« 

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In der Gehirnforschung
In der Tat – die Arbeiten von Peter Vogel sind verführerisch und – auch das passiert eher selten – reagieren auf den Besucher. Weil sie so konstruiert sind, aber auch, weil sie mehrere Sinne und Interessen ansprechen. Fröhner nennt es »unerschöpfliche Möglichkeiten und Erlebnisse«. 
Peter Vogel sei von der Musik als auch vom Tanz geprägt, von Farbe und Form, von Bewegung und Zeit. Er assistierte seiner Tante, einer Pianistin, beim Konzert, absolvierte Praktika beim Südwest-Rundfunk, wo er mit Radiotechnik, Übertragung, Aufnahme bekannt wurde, in einer Motorenfabrik und bei der Computerfirma Zuse.  Vogel studierte Physik, forschte bei La Roche in der Hirnforschung, bei der Entwicklung von Gehirn-Elektroden zur neurologischen Bestimmung des Herztodes. 

All das, erklärt Fröhner, habe zur Entwicklung der ganz speziellen Kunst Vogels beigetragen. Vogel habe »verständliche Kunst« machen wollen, wodurch  eine skulpturale filigrane Ästhetik entstanden ist, die unter Architekten »der Hit ist«, eine faszinierende Vielfalt des künstlerischen Ausdrucks. »Es gibt eigentlich kein Wort für das, was Vogels Werk auszeichnet«, sagt Fröhner. Außer vielleicht: Vogels Kunst macht Freude. 
Darüber hinaus bewundert Fröhner den Künstler dafür, dass er alles selbst gemacht hat, von der Idee über die Entwicklung bis hin zur Fertigstellung. Er hat experimentiert und gebastelt. Das Faszinierendste sei allerdings, dass nichts an dieser Kunst »spektakulär« sei – trotz der durchaus spektakulären Wirkungen, die die Skulpturen auf den Betrachter haben können. Witzig wäre vielleicht der bessere Begriff. 

Etwas Handfestes
Man spricht von Peter Vogel als Pionier der elektronischen Klangkunst, für Fröhner bedeutet das, dass er die Medienkunst weiterentwickelt hat »und zwar sichtbar« und interaktiv. Der Betrachter kann alles nachvollziehen, was sich in den Skulpturen und Installationen abspielt.
»Peter Vogels Arbeiten, wie sie hier in der Städtischen Galerie zu sehen sind, sind der ideale Einstieg für Jugendliche in die Welt der Kunst«, sagt Fröhner noch einmal zum Schluss unseres Gesprächs. Man muss ihm zustimmen. Denn Vogels Kunst hat etwas Handfestes, trotz der »geheimen Botschaften« und der »64 000 verschiedenen Bildvariationen« nur einer Installation.  »Ich verspreche einen noch nie erlebten Museumsbesuch,« versichert Fröhner, der im übrigen die Führungen empfiehlt. Die nächste ist morgen, Donnerstag, um 18.30 Uhr. 

Info

Ausstellung

Peter Vogel, Städtische Galerie auf dem Kulturforum Offenburg, bis 4. Februar 2018; Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13-17 Uhr, Samstag und Sonntag 11-17 Uhr.
Info: www.galerie-offenburg.de.

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