Kammerchor Offenburg

Lieder voller Poesie und Klangfülle

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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30. Juni 2015
Beeindruckende Auftritte in Offenburg und Wolfach: Der Kammerchor Offenburg.

Beeindruckende Auftritte in Offenburg und Wolfach: Der Kammerchor Offenburg. ©Oscar Sala

Es brennt, es lodert: »Fire, Fire – my heart, my heart!« – mit diesem feurigen Aufschrei aus der Feder des englischen Madrigalisten Thomas Morley eröffnete der Kammerchor Offenburg seine Sommerkonzerte in Offenburg und Wolfach.

Offenburg/Wolfach. Unter dem Leitmotiv »Feuer, Erde, Luft und Wasser« erwartete die Zuhörer am Samstag in der Offenburger Waldorfschule und am Sonntag in Wolfach ein Programm voller Poesie und überraschender Hörerlebnisse. Reinhardt Bäder und seine rund 30 Sängerinnen und Sänger hatten Stücke von der Renaissance bis zum 21. Jahrhundert mitgebracht. Aus den sagenhaften Urelementen zauberte der Chor reinstes Kehlengold – ein Amalgam aus Tonhöhen und Notenlängen.

Durch ihre Eigenart riefen die vier Elemente ganz unterschiedliche Stimmungen hervor: Leidenschaft bei Gesualdos Harmonien »Luci serene« : »Heitere und klare Augen, ihr entzündet mich...«. Unheimlich wird es bei Hugo Distlers­ kongenialer Vertonung des »Feuerreiters« aus Mörikes Chorliederbuch mit starker dramatischer Plastizität.

Als überraschende Kostbarkeit erweist sich »Erde, uralte Erde« der zeitgenössischen Komponistin und Kantorin Sylke Zimpel aus Dresden. »Der Nordwind« des schwedischen Komponisten Arne Mellnäs fasziniert mit mehrstimmigem, lautmalerischem Sprechgesang. Im Chor ploppt es, als würden Regentropfen auf ein Dachfenster fallen – beeindruckend.

Bei Johannes Brahms märchenhaftes »Vineta« und Shakespeares »Sturm« offenbart sich schließlich die ganze Stimmkraft des Chores. Eingebettet in die Abfolge der vier Urelemente sind die »Six chansons« von Paul Hindemith, die er seinerzeit auf französische Gedichte von Rainer Maria Rilke schrieb.

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Im Zentrum des Liederzyklus’ steht die Natur. Der Komponist, sonst für herbere Klänge bekannt, präsentiert hier feinsinnige Arrangements, teilweise volksliedhaft anmutende Vertonungen – die weiche französische Sprache tut das ihrige dazu. Beim Vortrag dieser lyrischen Miniaturen begeistert die klare Artikulation, Dynamik sowie der Sinn für Details.

Klanggemälde

Zwischendurch sind virtuose Flügelklänge zu hören: fließend, flimmernd, flackernd, geerdet. In freier Form und doch für den Klassik verwöhnten Zuhörer nachvollziehbar, werden die Charaktere der vier Elemente auf den Tasten klanggemalt. Manfred Kratzer, der den Chor auch in einigen Stücken begleitet, bereichert das Programm mit der klangsinnlichen und unaufdringlichen Wiedergabe von vier Intermezzi für Klavier von Luciano Berio: »Wasser-, Feuer-, Luft-  und Erdenklavier«. Die natürlichen Wechsel zwischen Farben und Linien erschaffen eine neue, spannende Welt. Brillant und mit schwebender Leichtigkeit folgen Debussys »Le vent de la pleine« und »Reflets dans l’eau«  – Musik gewordene Gemälde. Schließlich ein glückstrunkenes »Auf dem Wasser zu singen« von Franz Liszt.
»Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser«, deklamiert Schauspieler Christian Bormann aus Goethes Gedicht zwischen den Chorstücken, mit Witz und schauspielerisch ausdrucksstark vor allem den »Zauberlehrling«. Eine letzte Geschichte rund um das Thema Wasser läutet die Schlussrunde ein. Mit überschäumender Lebensfreude und sichtlicher Erleichterung springt der Chor mit Rossinis

»I gondolieri« in die warmen Fluten des Mittelmeers – enthusiastischer Beifall. Das »Fire«-Thema zu Konzertbeginn rundet das kurzweilige Sommerkonzert ab.

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