Theater in der Oberrheinhalle

Marion Kracht amüsierte das Publikum mit Zickenzoff

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 2 Minuten
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01. Dezember 2017
Zicken unter sich: Lene Wink als Lulu (von links), Marion Kracht als Helene und Judith Hoersch als Gabriele.

Zicken unter sich: Lene Wink als Lulu (von links), Marion Kracht als Helene und Judith Hoersch als Gabriele. ©Ulrich Marx

Mit »Hundewetter« präsentierte die Komödie am Kurfürstendamm in Offenburg ein temporeiches Stück. In der vollbesetzten Oberrheinhalle amüsierte sich das Publikum am Mittwochabend über kesse Sprüche und Zickenzoff. In der Hauptrolle glänzte Marion Kracht.

Das war ein Hundewetter: Drei Frauen strandeten in der Bar, weil es draußen wie aus Kübeln goss. Unterschiedlicher konnten sie freilich nicht sein. Und so kam es im Hinterzimmer des überfüllten Gastrobetriebs auch rasch zu einem Zickenkrieg. Helene, die den anderen mit ihrem Gerede über ihre Unentbehrlichkeit in Job und Familie nervte, wurde angefeindet.

Marion Kracht bediente in dieser Rolle die ganze Klaviatur des schauspielerischen Könnens, inklusive Nervenzusammenbruch. Ruck-zuck war ihre Kostümjacke ruiniert, an ihre Präsentation in der Firma nicht mehr zu denken. Die Komödie schob sich Richtung Drama – oder Richtung Leben.

Aber auch Gabriele, gespielt von Judith Hoersch, wollte nicht wirklich weg: Wohin auch? Ihr Glatzkopf, mit dem sie sich noch am Vorabend herumgetrieben hatte, zeigte ganz eindeutig kein Interesse mehr. Überdies war sie vor Monaten arbeitslos geworden. Doch das offenbarte sie den anderen erst viel später. Da waren schon einige Liter Wein und Champagner geflossen.

Lene Wink gab die Lulu, die Besitzerin eines Dessousladens. Ungebildet und geradeheraus, das waren ihre Markenzeichen. Mit unfreiwilliger Komik brachte sie ihre beiden Schicksalsgenossinnen immer wieder dazu, Blicke zu tauschen. Und doch konnte sie mit ihrem Getue auch die Situation beherrschen – etwa, wenn sie Helene zum therapeutischen Schreien anleitete. Freilich hatte auch sie ihre Leichen im Keller: Als ungeliebtes Pflegekind herumgereicht, meinte sie nun, ihr Söhnchen Emil würde sie niemals verlassen. Doch da protestierten ihre Leidensgenossinnen vehement.

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Gestresster Kellner

Auch der Kellner (Daniel Morgenroth) hatte sein Päckchen mit dem anderen Geschlecht zu tragen: Das Trio, das bei ihm Schutz vor dem Regen suchte, schaffte ihn genauso, wie seine Exfrau, die mit der Tochter nach Kanada zu einem Holzfäller gezogen war. 

Aus dem permanenten, oft klischeehaften Schlagabtausch heraus zu finden, damit tat sich das Theaterstück ein bisschen schwer. Erst gab es lebenskluge Philosophien des Kellners, woraufhin sich Lulu tatsächlich zu besinnen schien. Und dann wurde aus dem Kellner und Helene auch noch ein Liebespaar. Oder war es vielleicht auch nur ein One-Night-Stand?

Für die überzeugende schauspielerische Leistung, die das emotionale Auf und Ab des Stücks erforderte, gab es vom Publikum in der voll besetzten Oberrheinhalle am Schluss begeisterten Applaus.

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