Konzert in der Reithalle Offenburg

Minutenlanger Beifall für Jazzchor Freiburg

09. November 2016
&copy Ulrich Marx

»Applaus« beschreibt es nur ungenügend: Mit einer »geklatschten Liebeserklärung« verabschiedete das Auditorium den Jazzchor Freiburg, der am Sonntag in Offenburg das letzte Konzert seines Programms »Schwing!« gab. 

Es sei »eine Dernière«, scherzte Chorleiter Bertrand Gröger mit Blick darauf, dass der von ihm 1990 gegründete Jazzchor Freiburg am Sonntag in Offenburg in der Reithalle zum letzten Mal das Programm »Schwing!« auf die Bühne brachte – mit einem kleinen Ausblick in die Zukunft, in der ein neues Programm wartet, dessen Name »A Cappella« naturgemäß auch gleich die Ausrichtung beschreibt. 

Die Kostproben, etwa die melancholischen Stücke »Not Like This« von Al Jarreau oder »In Person« der norwegischen Sängerin und Komponistin Torun Eriksen, klangen verheißungsvoll – wenn auch die drei umwerfenden Musiker, die am Sonntag noch einmal alles gaben, nicht mehr dabei sein werden. 

Gepflegter Swing

Helmut Lörcher am Klavier, Klaus Frech am Kontrabass (auch Arrangements) und Michael Heidepriem an den Drums waren vom ersten Song »World On A String« an, den sie mit ruhigem gepflegtem Swing einleiteten, die perfekte Begleitung des auf allerhöchstem Niveau singenden Chores und setzten mit einigen Soli eigene Akzente. Der Jazzchor Freiburg trumpft mit Stimmen auf, die die Mitbewerber mit Sicherheit immer mal wieder vor Neid erblassen lassen. Leiter Bertrand Gröger gibt vielen seiner Sängerinnen und Sänger die Gelegenheit, mit Soli zu glänzen. Und wie gut! Beim Intro legte Altistin Finnja Vollbrecht vor, und bei »Oh Lady Be Good« fuhren die in gleicher Stimmlage, ausdrucksstark und bisweilen rasend schnell singenden »beiden Ellas«, Nina Ruckhaber und Sara Binet, den ersten wahrhaft donnernden Zwischenapplaus ein. 

Sopranistin Neele Pfleiderer überzeugte mit dem herrlich melodischen, mit orientalisierenden Lautmalereien und viel Stimmung spielenden »Kairo«. Keck, bestens bei Stimme und mit einem kleinen Augenzwinkern, stellte sich Sopranistin Mariann Shaguroff bei »Love For Sale« vor, die bei »Here We Are«, gleich nach der Pause, nochmals temperamentvoll auftrumpfte. Ihr zur Seite stand bei »Love For Sale« Fabienne Ambühl, und wenn es so etwas wie einen heimlichen Star bei den Solistinnen gibt, dann ist sie es, die bei »From Day To Day« und vor allem »In A Mellowtone« an der Seite von Bass Johannes Jäck nochmals brillierte. 

Mit Johannes Jäck, Tenor Steffen Bodemer und Bass Paul Dreßler hat der Jazzchor auch drei hervorragende männliche Solisten, die in verschiedenen Kombinationen, allein und zusammen, für ein echtes Klang-erlebnis sorgten. Ein Höhepunkt war, kurz vor Schluss, die Jazzchor-Hymne »African Call« mit vollem Klang, tollen Rhythmen und kleinen Gags wie fantastisch imitierten Tierstimmen und Dschungel-Geräuschen. 

Minutenlanger Beifall

Einen fast unwirklichen Halleffekt zauberte der Chor schließlich beim letzten Stück des regulären Programms, »Last Train Home«, bevor zur stürmisch geforderten Zugabe Bertrand Gröger selbst zum Mikrofon griff.
»Der Mond ist aufgegangen – à la Jazzchor« beendete das herausragende Konzert, wenn auch noch nicht ganz den Abend – denn der Applaus dauerte ja Minuten an.

Autor:
Regina Heilig

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