Getanzter Dank an die Welt

Modern Dance in der Oberrheinhalle

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
28. Januar 2015

Hilfsmittel wie Schirmchen, Fächer oder Schwerter gaben den Tänzen etwas Traditionelles. ©Christoph Breithaupt

Die Kunst soll den Menschen spiegeln und zum Reflektieren bringen: Masashi Action Machine  erfüllt das ideell und praktisch mit Leichtigkeit, indem sie Themen aus dem Alltag aufgreift und Mythen tänzerisch in Szene setzt.

Offenburg. Zum Träumen, zum Nachdenken und vor allem zum sich Wiederfinden waren die Beiträge, die die Mishiro Dance Company Japan »Masashi Action Machine« in der Offenburger Oberrheinhalle zeigte. Stöcke, Schwerter, Schirme oder Fächer verliehen den Choreografien etwas Traditionelles – mal verspielt und lieblich, mal barsch und kämpferisch. Außer »Fest«, bei dem weiße Füchse wie die Bauern ein großes Fest feiern, wurden alle Stücke auf dieser Deutschlandtournee uraufgeführt. Geht es im ersten Teil poetisch-nachdenklich zu, wird es im zweiten Teil fröhlicher.

Von ganz einzigartiger Poesie sind die Wellen, die so elegant dahinrollen: Fließende Bewegungen, erst nur als zarte Wölbungen auf dem Bühnenboden, werden durch blaue, durchsichtige Seidenkominos unterstrichen. Das Wogen, Rollen und Strudeln der »Fluten von Naruto« wurde bei dieser Deutschlandtournee uraufgeführt und lässt den berühmten Holzschnitt von Utawage Hiroshige mit grazilen Armbewegungen und luftigen Schritten lebendig werden.

Ein Höhepunkt, der die Zuschauer zu spontanen Beifallsbekundungen hinriss, war die Fouettés: Wie beim Ballett drehten sich die Tänzerinnen 32-mal auf nur einer Fußspitze. Ihre jüngste Geschichte wie der Tsunami und der Supergau in Fukushima arbeitete das Ensemble in einer bewegenden Choreografie auf. Bilder, die man aus der Zeitung kennt, stehen am Anfang.

Witzig und absurd

- Anzeige -

Zeigen die Körper zunächst noch die Verzweiflung der Menschen, werden sie zunehmend lebendiger, hüpfen und tragen Hoffnung im Herzen. Am Ende strahlen die Tänzer – und als Abspann kommt ein ausdrücklicher Dank an die Welt für ihre Solidarität. »Wir haben Gefährten, die uns helfen. Wir haben Freunde, die uns ermutigen. Wir können unser Schicksal ertragen, weil wir Träume haben.«

Unglaublich witzig und zugleich absurd gerieten die Betrachtungen des modernen Lebens. Da sind die Burschen des Paketzustelldienstes »Tokyo Express«, die mit freundlichem Dauergrinsen Päckchen hin- und hertragen, zu den Kunden hieven, ja, im wahrsten Sinne des Wortes Handstände machen, damit nur alle zufrieden sind. Ebenfalls ein netter Gag: Wie das Heer der Beschäftigten auf den Rolltreppen in die U-Bahn abtaucht. Das Grinsen auf den Gesichtern der Zuschauer wird breiter, als einer der Tänzer wieder aus dem Schacht auftaucht, weil er etwas verloren hatte. Neben Jazztanz-Elementen flossen auch immer wieder atemberaubende Breakdance-Tricks in die Choreografien ein.

Der Einstieg war etwas schwierig. In »Das Netz« setzte die Kompanie eine Sage um, die man in ähnlicher Weise auch im hiesigen Kulturkreis kennt: Ein böser Mann kommt in die Hölle. Seine einzige gute Tat: Einmal hat er eine Spinne gerettet und nicht zertreten. Am Faden eines Spinnenetzes soll er sich nun emporziehen dürfen. Andere wollen sich anhängen, aber er tritt sie zurück.

Das Publikum zeigte sich begeistert von den Ideen und dem Können von Masashi Action Machine: So wie die »Flut« tobte am Ende der Applaus.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Dietrich Mack.
20.02.2020
Kulturkolumne
Was haben Wagners „Tannhäuseer“ oder die „Meistersinger“ mit den politischen Ereignissen in Thürigen gemeinsam? Der Kolumnist sieht durchaus Parallelen. Und Möglichkeiten für Regisseure, sich bei der Aktualisierung von alten Stoffen auszutoben.
Sie präsentierten gestern das Wortspiel-Programm 2020: Sybille Scheerer (Buchhandlung Roth), Christa Peiseler (Buchhandlung Akzente), Markus Niemeier (Stadtbibliothek), Constanze Armbrecht (Volkshochschule) und Malena Kimmig (Leitung Stadtbibliothek).
20.02.2020
Offenburger Literaturtage "Wortspiel"
Mit zehn Lesungen, Autorengesprächen und Vorträgen kann die 13. Ausgabe des Offenburger „Wortspiels“ vom 19. März bis 6. Mai aufwarten. Mit etwas Glück dürfen die Buchfreunde zum Auftakt einem frischgebackenen Literaturpreisträger lauschen.  
17.02.2020
Lustspiel "Die Niere" in der Kehler Stadthalle
Die Berliner Komödie am Kurfürstendamm machte mit ihrer Aufführung von „Die Niere“ die Organspende zum Thema in Kehl. Passend für eine Komödie?
17.02.2020
"Wortreich" im Kehler Kulturhaus
Wir sind zu dick, zu alt und Falten haben wir auch – die Kabarettistin Inka Meyer zeigte am Sonntag im Kehler Kulturhaus auf ebenso entlarvende wie vergnügliche Weise die Auswüchse der grassierenden Selbstoptimierung auf. 
17.02.2020
Jens Rosteck liest im Salmen
Der Schriftsteller und Musiker Jens Rosteck lädt für Mittwoch zur szenischen Lesung in den Offenburger Salmen ein. Dabei geht es um keine Geringere als die französische Schauspiellegende Jeanne Moreau.
Enkhjargal Dandarvaanchig konzentrierte sich beim Konzert in Offenburg auf die Musik und Kultur seiner mongolischen Heimat.
17.02.2020
Enkhjargal Dandarvaanchig im Offenburger Salmen
Seine Musik erzählt von der Weite der mongolischen Steppe. Ober- und Untertongesang treffen auf den Klang der Pferdekopfgeige. Enkhjargal Dandarvaanchig, in Offenburg bestens eingeführt durch Rüdiger Oppermanns „Klangwelten“, gab am Samstagabend mit Gästen ein Konzert im Salmen.     
nspiriert von vielen Kulturen war das Konzert des Trios Trezoulé: Andi Bühler (Percussion, von links), Cathrin Pfeifer (Akkordeon) und Takashi Peterson (Gitarre).
17.02.2020
„Passerelles“-Konzertreihe
Mit facettenreichem World-Mix startete die Kehler „Passerelles“-Konzertreihe am Donnerstagabend in der Stadthalle in das neue Jahr. Das Berliner Trio Trezoulé erwies sich dabei als eine außergewöhnliche Formation. 
Sündhaft Süßes: „Opulent Gold Assortment“ von Peter Anton.
15.02.2020
Kunstmesse Art Karlsruhe
Auf der 17. Art Karlsruhe präsentieren 210 Aussteller noch bis Sonntag, 16. Februar, Kunst von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Im Mittelpunkt steht die Skulptur, eine Spezialität des nordbadischen Kunsttreffs. 
13.02.2020
Kultur
Die Kunstmesse »Art Karlsruhe« ist ab Donnerstag am Start und will in diesem Jahr das Augenmerk vor allem auch auf weibliche Positionen lenken.
Eine Stimme, die ins Herz dringt: Diana Damrau beim Konzert mit den Münchner Philharmonikern unter Leitung von Valery Gergiev.
13.02.2020
Konzert im Festspielhaus Baden-Baden
Das Konzert mit den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss und der 7. Sinfonie von Anton Bruckner wühlte das Publikum im Festspielhaus am Sonntag heftiger auf als der angekündigte Sturm. Das lag an der Musik und den Musikern.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.