Claus Thomas lud zur Weihnachtsreziation ein

Orffs "Ludus de nato Infante Mirificus" in Hohnhurst

Autor: 
Oscar Sala
Lesezeit 3 Minuten
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19. Dezember 2017

Claus Thomas hatte wieder zu einem Rezitationsabend in die Kirche Hohnhurst eingeladen. ©Oscar Sala

»Ludus de nato Infante mirificus« von Carl Orff hatte sich Claus Thomas für seine Weihnachtsrezitation Rezitation in der evangelischen Kirche Hohnhurst vorgenommen. Er bescherte damit den Besuchern einen tiefst eindrücklichen Abend.

Er ist ein Intellektueller der alten Schule, ein Mann mit vielen Facetten und Talenten – ein optimistischer Freigeist allemal: Claus Thomas, vormals Hochschullehrer an der Musikhochschule und Universität Freiburg. Bekannt wurde er unter anderem  als Regisseur an verschiedenen Bühnen und als Rezitator im In- und Ausland. Ein zentrales Thema war immer wieder das Werk des Komponisten Carl Orff (1895-1982), mit dem er in Salzburg zusammengearbeitet hat. Orffs Szenische Rezitationen hat Claus Thomas seitdem stets weitergeführt und erweitert.

Nur Schlagwerk

Am dritten Adventssonntag gestaltete der Freiburger Professor wieder ein tief beeindruckendes Weihnachtsspiel in der kleinen evangelischen Kirche in Hohnhurst. Die szenische Rezitation »Ludus de nato Infante mirificus« von Carl Orff ist ein »Einmanntheater«, lediglich von Schlagwerk unterstützt. Gezeigt wird, wie Hexen als Repräsentanten des Bösen in der Welt die Geburt des Messias zu verhindern suchen. 

Dämonischer Zauber

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Perfekt, mit dem erforderlichen Impetus schleudert Thomas vom Altar aus die Flüche und Verwünschungen in rhythmischem Sprechgesang in die Kirche. Aus vielen Mündern kreischen die Hexen, beschwören die Winde herbei, um Maria und Josef vom Weg abzubringen und die Ankunft des Kindes zu verhindern. Der Stern, die »Stella Oscura«, soll verlöschen, verblassen... Gespenstisch,  wie die kalte Winternacht vor Ohren geführt wird, die Zuhörer sind mittendrin in der Orffschen Weihnacht. Der Klang des Schlagwerkes, Trommel und Becken  verstärken den dämonischen Zauber. 

Die Hirten durchkreuzen letztendlich die böse Absicht der Hexen, sie helfen der heiligen Familie, den Weg zu finden. Ihre Sprache ist altbayerisch, was es etwas schwer  machte, der Rezitation zu folgen. Im dritten Teil erscheinen schließlich die Engel... Geschrieben 1959/60, hatte das Stück im selben Jahre am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart Uraufführung. Es ist auch als Ergänzung zum 1957 entstandenen Osterspiel »Comoedia de Christi Resurrectione« zu verstehen, »gleichsam das Vorspiel für die ›Resurrectio‹, den Triumph aller Triumphe«, wie der Komponist erklärte. 

Keine Romantik

Das Stück wurzelt einerseits in der Tradition des alpenländischen Krippenspiels, ist aber in eine eher außergewöhnliche Geschichte eingebettet, die dem Weihnachtsspiel eine besondere Note verleiht: Keine volkstümliche Hirtenromantik, sondern das Weihnachtsevangelium als spannende Geschichte über Menschen, die sich zwischen den Mächten des Lichtes und der Finsternis entscheiden müssen.

Orff-Interpret Claus Thomas gelang das Kunststück, Wort und Satzrhythmik zusammenzubringen. Die  Intensität und Dichte der Sprache machen das Mysterium der Geburt Christi als ein weltveränderndes Ereignis sichtbar. Der Mensch zwischen Glauben und Unglauben hin und her geworfen. Doch  die frohe Botschaft siegt, die Hexen sind geschlagen, das Licht zieht ein. www.europapark.de/wohlfuehlwochenDafür gab es zum Schluss den gebührenden Beifall.

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