Konzert der Heimatstadt Offenburg

Pianist Michael Kaeshammer steht unter Hochspannung

30. November 2017
&copy Jürgen Haberer

Michael Kaeshammer ist ein vom Blues und vom Jazzstandard, vor allem aber vom Boogie geprägtes Energiebündel, das zu elektrisieren vermag. Dreieinhalb Jahre nach seinem letzten Auftritt in Offenburg gastierte der in Kanada lebende Pianist am Dienstag wieder einmal in seiner Heimatstadt.   

Michael Kaeshammer hat den Besuch in der alten Heimat wunderbar terminiert. Der mittlerweile 40-jährige kann vier Wochen ausspannen und mit der Familie Weihnachten feiern, bevor es dann Anfang Januar wieder zurück nach Übersee geht. Ob er das aushält, das ist allerdings eine ganz andere Frage. Wer den im Januar 1977 in Offenburg geborenen Pianisten einmal auf der Bühne erlebt hat, kann sich Michael Kaeshammer nur schwer auf dem Sofa oder im Fernsehsessel vorstellen. 

Michael Kaeshammer ist ein Energiebündel, ein »Hexer«, der den Blues und den Boogie, den frühen Rock ’n’ Roll und den Jazzstandard mit einer kaum zu bändigenden Lust zelebriert. Wer mit ihm auf der Bühne steht, muss auf alles gefasst sein. Wer einen Platz in den Rängen ergattert hat, kann sich ganz entspannt zurücklegen und genießen, wie der Mann aus Toronto immer wieder mit viel Schwung in die Vollen geht. 

Familie im Publikum

Auftritte in der alten Heimat sind dabei natürlich etwas ganz Besonderes. Die Familie ist da, auch der eine oder andere Freund aus Kindertagen. Das Konzert in der nahezu ausverkauften Reithalle pulsiert vom ersten Augenblick an. Kaeshammer hat aus Kanada ein paar Weggefährten mitgebracht, die den Mann am Klavier kongenial ergänzen. 

Schlagzeuger Roger Travassos ist wie Kaeshammer ein musikalischer Tausendsassa, der wirklich jeden Ball aufgreift und spielerisch weiterreicht. Klavier und Schlagzeug puschen sich immer wieder. Roger Travassos grätscht aber auch mit einem harten Trommelwirbel mitten in einen Klavierlauf hinein, wenn sich sein Gegenüber zu sehr in einer klassischen Einlage, einer Rückbesinnung an die Zeit an der Musikschule Offenburg verliert. 

Bassist Devon Henderson bildet das Rückgrat. Trompeter William Sperandei führt die Hornsektion an. Er ist aber auch für die musikalischen Feinheiten zuständig, die erdigen und gefühlvollen Momente in einem gut zweistündigen Klangreigen, der das am Anfang träge mittwippende Publikum immer mehr aus der Reserve lockt. Komplettiert wird die Truppe durch Felix Fromm (Posaune) und Steffen Wehr (Saxophon), zwei Gastmusiker aus Weinheim.

Furiose Klavierläufe

Der Abend in der Reithalle gleicht einer Galavorstellung unter Hochspannung. Es gibt keinen Song im Repertoire von Michael Kaeshammer, der nicht mit einer besonderen Note, einem groovenden Intermezzo aufwartet. Der Pianist springt auf, hämmert im Stehen auf die Tasten ein, fordert und lockt seine Mitmusiker. Hier ein Trompetensolo, da eine rhythmische Eskapade, dazwischen furiose Klavierläufe, in denen die Trennlinie zwischen den Stilrichtungen bröselt. Kaeshammer hat den Boogie selbst dann im Blut, wenn er auf den Spuren von Beethoven wandelt. Er verknüpft Jazz und Rock ’n’ Roll, schwelgt im Blues. 

Ganz nebenbei präsentiert er sich als locker plaudernder Conférencier, als begnadeter Performer, der bei den großen Awards in Kanada und den USA regelmäßig abräumt und von Offenburg über Vancouver und Toronto längst auch den musikalischen Schmelztiegel New Orleans erobert hat. 

Autor:
Jürgen Haberer

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