Oper

Publikum liebt "Nabucco" und den Gefangenenchor

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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29. Februar 2016
Eine beeindruckende Vorstellung: Verdis »Nabucco« in der Stadthalle Lahr.

Eine beeindruckende Votrstellung: Verdis »Nabucco« in der Stadthalle Lahr. ©Jürgen Haberer

Das Theater Pforzheim hat Giuseppe Verdis Oper »Nabucco« als großes Bühnenereignis neu inszeniert. Das fulminant auftrumpfende Spiel um Macht, Unterdrückung, Gewalt und Religion, lässt bei den Tourneeaufführungen – wie am Freitag in Lahr – einen vor Ort gebildeten »Bürgerchor« singen.

Lahr. Das Thema der 1842 uraufgeführten Oper ist angesichts des Weltgeschehens hochaktuell. Völker zerfleischen sich im Namen ihrer Religionen und Götter, Menschen werden zum Spielball geistlicher und weltlicher Mächte. Erzählt wird die Geschichte des babylonischen Herrschers Nabucco, der das jüdische Volk unterwirft und in die Sklaverei führt, sich selbst zum Gott erklärt und dafür von seiner eigenen Stieftochter vom Thron gestoßen und in den Wahnsinn getrieben wird. In seiner Pein findet er zum Gott der Hebräer, holt sich seine Macht zurück und schenkt dem versklavten Volk die Freiheit. 
Giuseppe Verdi, der mit »Nabucco« den Grundstein für seinen Erfolg als herausragender Opernkomponist legte, hat mit dem rund zweieinhalbstündigen Musiktheater ein expressives und machtvolles Meisterwerk geschaffen, das sich nicht zuletzt dank des weltberühmten Gefangenenchors nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Das Publikum liebt »Nabucco«, die Opernhäuser schrecken aber oft vor einer Inszenierung zurück, weil sie einen überdurchschnittlichen Aufwand und eine große Besetzung erfordert.
Das Theater Pforzheim hat sich trotzdem an den Stoff gewagt und bietet eine vierköpfige Regiemannschaft auf. Der frisch gebackene Intendant Thomas Münstermann, hat die Spartendirektoren Alexander May (Schauspiel), Caroline Stolz (Oper) und Guido Markowitz (Ballett) ins Boot geholt. 
Das Ergebnis ist zweischneidig. Die Inszenierung trumpft einerseits mächtig auf und beschert dem Publikum mit einem stimmgewaltigen Solistenensemble einen fulminanten Opernabend, der auch in der Lahrer Stadthalle mit anhaltendem Applaus quittiert wurde. Hans Gröning überzeugt in der Rolle des Nabucco, Anna-Maria Kalesidis meistert die schwierigen Partien seiner machtgeilen Stieftochter Abigaille mit Bravour. Der sonore Bass von Aleksandar Stefanoski verleiht dem jüdischen Hohenpriester Zaccaria eine fast schön natürliche Autorität. Überzeugend gesungen werden auch die Partien von Jeon Kownsoo (Ismaele) und Danielle Rohr (Fenena). 

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Karg und schrill

Das karge Bühnenbild, das den jüdischen Tempel als steinernes, ganz in schwarz gekleidetes Gefängnis zeigt, explodiert bei dem Wechsel in den babylonischen Königspalast aber in einem diffusen Farbgewirr an riesigen Stellwänden mit einem Meer bunter Kleidungsstücke. Der klare Formalismus des ersten Aktes, der sich in rituellen Gesten mit großen, leeren Gesetzbüchern manifestiert, geht in einem schrill lärmenden Finale ohne erkennbare Differenzierung unter. 
Ganz anders der berühmte Gefangenenchor, für den gleich drei Chöre aus Lahr rekrutiert wurden. Während die Akteure auf der Bühne in einer babylonischen Sprachverwirrung die erste Textzeile rezitieren, marschieren links und rechts der Zuhörerreihen die fast 100 Akteure des Polizeichors Lahr, der Chorgemeinschaft Lahr und des Chors »Ton-Art« auf. Gemeinsam mit dem Chor des Pforzheimer Theaters, stimmen sie den ergreifenden, scheinbar aus den Katakomben des Palastes herüber wehenden Gesang an. 
Der ursprünglich geplante Einstieg in die mittlerweile fast schon obligatorische Wiederholung verliert sich dann aber im Szenenapplaus eines begeisterten Publikums. 

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