Tanz in der Stadthalle Lahr

"Szene 2wei" zeigte Uraufaufführung von "Tarun"

Autor: 
Jürgen Haberer
Lesezeit 3 Minuten
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08. November 2016

Das Ensemble »szene 2wei« entwickelte mit seinem Tanz Bilder, die berühren. ©Jürgen Haberer

Choreograph William H. Sánchez inszeniert Bilder, in denen Emotionen sichtbar werden, die Akteure auf der Bühne in Interaktion miteinander treten. Am Freitag feierte die inklusive Tanzcompagnie »szene 2wei« mit dem ersten Teil der Trilogie »Kala« Premiere. 

»Szene 2wei«, 2009 von Timo Gmeiner und William H. Sánchez an der Folkwang Universität in Essen gegründet, tanzt buchstäblich aus der Reihe. Die mittlerweile in Lahr beheimatete Compagnie inszeniert zeitgenössisches Tanztheater aus dem Blickwinkel einer inklusiven Grundhaltung heraus. Menschen mit und ohne Behinderung tanzen gemeinsam auf einem professionellen Niveau, bringen künstlerisch zum Ausdruck, dass sie Verschiedenheit vor allem auch als Normalität und spürbare Bereicherung begreifen. 

Während Timo Gmeiner als Leitfigur der Truppe stets mit auf der Bühne steht, hat sich William H. Sánchez in den letzten Jahren zu einem international gefragten Choreografen mit einer ganz eigenen Handschrift entwickelt. Sánchez kreiert Bilder, die unter die Haut gehen und berühren, die sich verdichten und Tempo aufnehmen im Kontext einer experimentellen Grundhaltung, immer auch die Musik als live inszeniertes Stilmittel miteinbeziehen. 
Der gebürtige Kolumbianer, der in diesem Jahr mit dem Toleranzpreis des »Kulturforums Europa« ausgezeichnet wurde, setzt dabei auf die Mitwirkung junger Jazzmusiker der Folkwang Universität, die von Anfang an in die Entwicklung der Stücke miteinbezogen werden. 

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Die neueste Inszenierung von »szene 2wei«, das am Freitag in der Lahrer Stadthalle uraufgeführte Stück »Tarun«, ist der erste Teil einer Trilogie, die über einen Zeitraum von drei Jahren entwickelt und zur Aufführung gebracht werden soll. Das Projekt, das unter anderem von der »Aktion Mensch« gefördert wird, verknüpft die jeweiligen Aufführungen immer mit einem Workshop, bei dem die Tänzer der Compagnie in ihre Arbeitsweise und ihre Motive einführen. 
»Tarun«, das vorerst auch in Essen und Berlin aufgeführt wird, setzt sich mit dem Begriff »Zeit« und einer von Verschiedenheit geprägten Realität auseinander. Die acht Tänzer auf der Bühne vollziehen in einer kargen, von Lichteffekten und einem Berg Kleider geprägten Szenerie eine von Gesten und Bewegungen geprägte Transformation, die immer neue Aspekte des menschlichen Daseins thematisiert. Am Beginn steht eine fast statische Szenerie, die immer mehr Tempo aufnimmt. 

Rollstuhl inklusive

Der Rollstuhl von Ricarda Noetzel, die gemeinsam mit Hélène Kotujansky, Fuuko Shimazka, Jörg Beese, Leonie Howar, Manuela Aranguibel Molano, Matthieu Bergmiller und Timo Gmeiner das Bühnenensemble bildet, ist dabei ebenso Teil der Inszenierung wie die sichtbare Präsenz der immer auch spontan improvisierenden Musiker Karl Degenhart (Schlagzeug) und Fabian Neubauer (Tasteninstrumente). 
Das Publikum wird hineingezogen in einen Strudel atmosphärischer Bilder und Interaktionen, in denen die Tänzer immer neue Verbindungen eingehen, in denen sie sich selbst Fesseln anlegen und sich wieder befreien, in denen Kleidungstücke durch die Luft fliegen, den Tänzern erst Schutz bieten und dann zur Last werden. »Tarun« kommt dabei expressiv und experimentell daher. 
Die künstlerische Qualität der Aufführung verwischt aber auch im Sinne des Begriffs Inklusion die Trennlinien zwischen den individuellen Besonderheiten der Akteure.       

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