Städtische Galerie Offenburg

Tim Otto Roth: Schattenspiele und Klangteppich

Autor: 
Gertrud Schley
Lesezeit 3 Minuten
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18. Februar 2016

Der Ortenauer Künstler Tim Otto Roth zeigt "Schattenbilder" in der Städtischen Galerie Offenburg. ©Jutta Hagedorn

Der Oppenauer Konzeptkünstler Tim Otto Roth hat sich mit spektakulären Licht- und Klangobjekten im öffentlichen Raum weltweit einen Namen gemacht. Jetzt präsentiert er sich erstmals in der Städtischen Galerie in Offenburg. Die Vernissage ist heute, Freitag, um 19 Uhr. 

Offenburg. Wer im vergangen Sommer beim 300. Stadtgeburtstag in Karlsruhe das  leuchtende Klang-UFO »Heaven’s Carousel« auf dem Friedrichsplatz bestaunt hat, der hat einen Eindruck davon bekommen, wie Tim Otto Roth Kunst und Wissenschaft verbindet. Auch seine Werkschau in der Städtischen Galerie verlangt vom Besucher mehr als von Saal und zu Saal zu schlendern und Bilder und Skulpturen zu betrachten. »Sieben Räume, sieben Fragestellungen« – so umreisst er seine Präsentation mit dem Titel »XX oder der »Mummelsee in der Pfanne« in Anlehung an ein dadaistisches Zitat. 
Die erste Fragestellung ist die nach der Veränderung des heimatlichen Schwarzwalds als Natur- und Kulturlandschaft. Roth, Jahrgang 1974, der in Oppenau geboren wurde und dort auch einen Wohnsitz hat, eröffnet den Ausstellungsrundgang mit einem vertrauten Szenario. Der Kaplanflügel eines Wasserrades als Alu-Bronzeskulptur und die Miniaturausgabe eines Windrades vor absterbenden Tannen. An der gegenüberliegenden Wand geliehene Bilder von typischen Schwarzwälder Mühlen. Die »Ästhetisierung von Technik« spielt nach Roths Meinung in der aktuellen Windkraftdiskussion eine wichtige Rolle. 
Großen Raum nehmen in der Ausstellung die Schattenbilder ein, die mit verschiedenen Techniken geschaffen wurden. Sehr eindrucksvoll das Wäldchen, für das der Künstler Baumstämme von rotem und blauem Licht anstrahlen ließ. Das plastische Erlebnis stellt sich ein, wenn der Betrachter eine 3-D-Brille aufsetzt.  
 
Einmalige Aufnahmen

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Eine ganze Wand füllt das Arrangement der bislang in der Kunst einmaligen Schattenaufnahmen von Teilen einheimischer Pflanzen. Roth hat Blumen und Blätter direkt auf einem sechs mal neun Zentimeter großen hochempfindlichem Dia-Film bei völliger Dunkelheit belichtet und danach vergrößert. Besucher mit botanischen Kenntnissen werden nicht nur eine ästhetische  Freude an dieser »Flora domestica« haben. Sie können auch unschwer Weidenröschen oder Blauriegel, Kastanie oder Spitzwegerich identifizieren. 
Als seine erfolgreichste Arbeit sieht Roth die Installation »100 Tage – 100 Imachinationen«, die er bereits im In- und Ausland gezeigt hat, und von der in der Offenburger Ausstellung ein Ausschnitt zu sehen ist. Die Bildprojektionen entstanden durch Überlagerungen von Mustern und veränderten sich jeden Tag. 
Im letzten Raum wird es geheimnisvoll: Hier steht die »Aura calculata«, ein Paradebeispiel für das Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft, in dem Tim Otto Roth arbeitet.  Die Großkonstruktion mit Plexiglasröhren und Orgelpfeifen aus Metall ist ein Stück weit auch Anschauungsunterricht in Physik. Denn der Klangteppich, den sie erzeugt, entsteht im Zusammenspiel von an- und absteigenden Wassersäulen und Luftströmen. 

Tim Otto Roth: »XX oder der Mummselsee in der Pfanne«, Städtische Galerie Offenburg, Kulturforum, Eröffnung heute, Freitag, 19 Uhr. Bis 29. Mai, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 13 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr. Internet: www. galerie-offenburg.de

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