"Wortreich" in Kehl

Turbulenter Jahresrückblick mit Onkel Fisch

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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05. Dezember 2017

Das Kabarettisten-Do Onkel Fisch (Adrian Engels und Markus Riedinger) wussten in Kehl zu begeistern. ©Nina Saam

Einen actionreichen Jahresrückblick lieferte das Duo Onkel Fisch alias Adrian Engels und Markus Riedinger am Sonntag in Kehl ab. Noch ist es nicht zu Ende, das Jahr – doch es bot schon reichlich Stoff für eine Abrechnung der intelligent-komischen Art. 

Anfang des Jahres waren Onkel Fisch schon einmal in Kehl – offensichtlich hat es ihnen so gut gefallen, dass sie für die Vorpremiere ihres Jahresrückblicks 2017 wieder in die Rheinstadt kamen. Doch bevor sie als Peter Beklöpptel und Gundula Gause mit Hipsterbart hinter ihr Nachrichten-Pult traten, zeigten sie in einem Rap, was die Zuschauer an diesem Abend erwartet: Ein abenteuerlicher Parforce-Ritt quer durch die Ereignisse des Jahres. 

Da wurde aufs Korn genommen, wer bei drei nicht auf den Bäumen ist: Die eher unbekannte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (»12 Prozent glauben, das ist ein Nadelbaum«), Recep Erdogan (»the crazy frog aus dem Istanpfuhl«) und natürlich Donald Trump, der Chef der »frittierten Bananenrepublik«. 

Finger in die Wunden
Dass der Mann eine Steilvorlage für Kabarettisten ist, haben schon andere festgestellt, doch wie die beiden Onkelfische Trumps Politiker-Handshakes persiflieren, das ist schon erste Sahne. Sie zeigen nicht nur vollen Körpereinsatz und eine herrliche Mimik, da blitzt eine Spielfreude hervor, die einfach Laune macht. Dazu kommt, dass sie oft selbst lachen müssen über ihre eigenen Gags –  das ist ziemlich ansteckend, keine Frage. Trumps Waffengeschäftsreise ins »Scharia-Fantasia-Land« Saudi-Arabien, der Fipronil-Skandal (»Die Überraschungseier der Happy Hippos von der Chemie-Lobby«), die Bundeswehr im Cyberwar (»C 64 statt G 36«) – Onkel Fisch wissen nicht nur, in welche Wunden man den Finger legen muss, sondern auch, wie man die politischen Akteure mit einer genialen Mischung aus spitzer Zunge, wilder Gestik und Wortwitz vorführt. 

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Und was war da noch in Hamburg? Ach ja, ein Gipfel, auf dem man beschließt, was man vorher schon beschlossen hat zu beschließen – und der den Steuerzahler 40 Millionen gekostet hat.
Auch gewählt wurde viel im letzten Jahr. Um Holland kloppten sich Frau Antje, ein Stück Gouda und Geert Wilders, der die EU verlassen will. Zumindest dieses Problem könnte sich bald von selbst lösen: »Wenn der Klimawandel kommt, sind die sowieso nicht mehr Teil von Europa, sondern ein Teil des Atlantiks!« 

Temporeiche Einlagen
In Schleswig–Holstein gewann mit Daniel Günther ein Mann, »der nicht mal einen Nachnamen hat«, im Bund, nun ja, Angela Merkel, die aber die CSUnions, bissige schwarze Einzeller in Lederhosen, im Nacken sitzen hat. 

Grandios waren allesamt die unglaublich temporeichen schauspielerischen Einlagen. Den Machtkampf zwischen Spaniens Präsident Rajoy und Kataloniens Chef Puigdemon inszenierten sie als testosterongesteuerten Stierkampf, das Kanzlerduell verlegten sie in den Weltraum, wo der Asteroid Schulz nur knapp 7 Millionen Kilometer an der sich träge vor sich hin drehenden Erde Merkel vorbeischrappte. Da kann es schon mal passieren, dass der Erkennungskopfschmuck verloren geht. 
»Frau Merkel, Sie sind nackt«, kommentierte Adrian Engels alias Martin Schulz pikiert den Verlust des künstlichen Haupthaars seines Mitspielers Markus Riedinger. »Das muss ich mir von so einer Fake-Pläte nicht sagen lassen«, gab der messerscharf zurück.
Das zweieinhalbstündige satirische Ideenfeuerwerk der Onkelfische ließ die Zuschauer sich biegen vor Lachen und völlig begeistert zurück – und weckte nur einen Wunsch: Bitte im nächsten Jahr wiederkommen.

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