Geschichte des Adventskalenders - in Gengenbach

Vom Adventsbaum zum Kalender mit Türchen

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 3 Minuten
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02. Dezember 2017

Weihnachts-Kalender von Gerhard Lang, 1903. ©dpa

Der Adventskalender – heute so selbstverständlich, als gebe es ihn von Anbeginn. Dabei zählt er gerade mal rund 120 Jahre.

Am Anfang war das Wort – und nicht die Schokolade. Die ersten Advents- oder Weihnachtskalender, die so noch nicht hießen, dienten der Vorbereitung auf Weihnachten, der Besinnung, der Vorfreude. Aber strikt im religiösen Sinne. 

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich spezielle Adventsbräuche, in den protestantischen Haushalten fanden Adventsandachten mit Gesang zuhause statt, in der katholischen Kirche gab es tägliche Bibellesungen. Die Advents- und Weihnachtszeit wurde zum häuslichen Familienfest, der Kalender sollte die aufgeregten Kinder beruhigen und gleichzeitig Vorfreude bringen. Denn so ein Kalender ist immerhin ein sichtbarer Zeitmesser. 
Aus Skandinavien sind Adventskerzen bekannt, aus eher katholischen Regionen »Strichkalender« an Schranktüren oder Holzstäbe mit Kerben, Gebetszähler für die Ave-Marias. In evangelischen Gegenden Deutschlands wurden Adventsbäume aufgestellt: Jeden Tag kam ein neues Licht hinzu sowie Zettelchen mit handgeschriebenen Verheißungen. Es gab Adventskronen oder -leuchter mit 28 Lichtern, aus denen der Adventskranz entstand. Für die vier Adventssonntage setzte man vier dickere Kerzen – die heute noch übriggeblieben sind.

Der »richtige« Kalender
Eine ganze Industrie entwickelte sich, Verlage boten Pappsterne mit aufgedruckten Verheißungen an. In der Werbung hieß es: Diese Sterne könne man dann auch als Dekoration für den Weihnachtsbaum verwenden. Auch diese Sterne – ohne aufgedruckte Verheißung – gibt es noch.
Der »richtige« Adventskalender, also der mit den 24 Türchen, kam nach dem 1. Weltkrieg auf. Als »Erfinder« sah sich der Münchner Buchhändler Gerhard Lang (1881-1974). Sein erster Druck von 1903 hatte 24 Felder mit Versen, dazu Ausschneidebildchen, die aufgeklebt wurden: »Im Lande des Christkindls«.

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Der Begriff »Adventskalender« wurde erstmals 1904 verwendet, und zwar hatte ein evangelischer Frauenverein in Berlin damit für seinen Klappkalender geworben, einer Sammlung von Adventssprüchen. Daneben gab es Tischkalender und Abreißkalender, doch waren sie bis zum 1. Weltkrieg alle noch mit Verheißungen bedruckt. 

Weihnachtshäuschen aus Lahr
Ein Weihnachtshäuschen brachte der Lahrer Ernst Kaufmann Verlag auf den Markt, eine Verbindung quasi von Adventskalender und Krippentransparenten – von innen beleuchtbar. Sehr beliebt waren ab 1902 auch die Weihnachtsuhren, die ebenfalls noch kirchliche Sprüche trugen oder Strophen von Weihnachtsliedern. Es gab sie mit 24 oder mit zwölf Feldern, wobei letzterer dann am 13. Dezember begann.
Die Zahl der Felder oder Türchen war in der Tat ein kleines Problem. Die Adventszeit beginnt bekanntlich entweder am vierten Sonntag vor dem 25. Dezember oder am ersten Sonntag nach dem 25. November. Die Tage der Adventszeit variieren also zwischen 22 und 28 Tagen. So kann, wie in diesem Jahr, der 1. Dezember durchaus vor dem ersten Adventssonntag liegen und der Kalender begänne vor der Adventszeit. Lang verschob den Beginn seines Münchner Kalenders auf den 6. Dezember. Durch die industrielle Fertigung setzte sich – aus pragmatischen Erwägungen – der 1. Dezember als Beginn durch. 

Die 1920er-Jahre waren die Blütezeit, Verlage heuerten bekannte Künstler an, der profane Kalender löste den religös geprägten ab. In den 1930er-Jahren wurde der Nationalsozialismus sichtbar: Hitlerjungen statt Christkind. Nach dem 2. Weltkrieg war das Bedürfnis nach »heiler« Weihnachswelt groß, der erste Kalender erschien bereits 1945. 
Das Museum Europäische Kulturen in Berlin besitzt die wohl größte Sammlung von Adventskalendern. 2009 brachte es ein Buch dazu heraus, voll mit Abbildungen und spannenden Erklärungen. Das Museum Haus Löwenberg in Gengenbach zeigt eine Auswahl der Sammlung.
 

www.museum-haus-loewenberg.de

Info

Quelle

"Adventskalender. Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren", Museum Europäische Kulturen Berlin, Verlag der Kunst, 2009.

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