Französisch in der deutschen Sprache

Von Kusine bis Muckefuck

Autor: 
Jutta Hagedorn
Lesezeit 4 Minuten
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18. Februar 2017

»Mach mir keine Fiesematenten«.... ©Shutterstock/Sergey Kamshylin

Die deutsche Sprache ist gar nicht so »deutsch«, wie es manchmal klingt. »Schuld« sind die Deutschen selber: Über die Jahrhunderte haben sie fremde Wörter in ihren Wortschaft einsortiert – aber oft so, wie sie sie verstanden haben. Etwa aus dem Französischen.

Mögen Sie Muckefuck? Wahrscheinlich eher nicht. Haben Sie sich schon mal über dieses komische Wort gewundert? Wahrscheinlich schon. Es gibt noch einige sprachliche Kuriositäten in der deutschen Sprache. Neben den alten Römern, die unser Vokabular ziemlich aufgemischt haben, sind es die Franzosen, deren Wörter wir uns einverleibt haben und wie selbstverständlich als »deutsch« betrachten: Bonbon (»Gutzele«) zum Beispiel, vor allem, wenn man es »Bommbomm« ausspricht. 

Einquartierte Soldaten
Verantwortlich war aber auch so mancher deutsche Fürst. Denn im 17. und 18. Jahrhundert galt es ja als »chic, französisch zu »parlieren«, Deutsch hingegen war »vulgär«. Und so wanderte die Etikette ein, die Mätresse mit ihrer Perücke und ihrem Negligé. Nach der französischen Revolution kamen die Flüchtlinge und mit ihnen das Amüsement und die Kusine.
Während bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts aber der Kontakt zwischen einheimischer Bevölkerung und der französischen Sprache noch recht bescheiden war – die Hugenotten, die ab 1685 zum Beispiel nach Berlin-Brandenburg kamen, blieben lieber unter sich –, wendete sich das sprachliche Blatt mit Napoleon und seinen Besatzungsarmeen Anfang 1800. Die Soldaten wurden nämlich in den Häusern der Bevölkerung untergebracht. Da war Kommunikation gefordert.  So wanderte so manches Wort der französischen Logiergäste ein – nur leider so, wie es der deutsche Zuhörer aufgeschnappt hatte. Da kam es dann schon zu den absonderlichsten Verdrehungen, erst recht, wenn der Zuhörer Dialekt sprach. So wurden die französischen Wörter eingedeutscht, interpretiert und oft sehr kreativ verarbeitet. Aus dem mocca faux wurde dann eben der Muckefuck. 

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»Moi tout seul«
Aus »propre« wurde »proper«, aber beides »sauber«, aus »pleurer« (weinen, beweinen, jammern) »plärren«. Wer »krakeelt«, will »querelle«, den Streit. Hier hat sich die Bedeutung ein wenig verschoben wie bei »gewieft«, in dem das »vif« (lebendig) herauszuhören ist. 
Hörfehler lassen manch witzige Begriffe entstehen: »Totschick« hat nichts mit Sterben zu tun, sondern mit »tout chic« (ganz/sehr schick). Dies »tot/tout« findet sich auch in »tottraurig«. »Moi tout seul« (ich ganz allein) mutitierte zu »mutterseelenallein« und »radical« zu »ratzekahl«. Bisweilen ging die Übernahme einen Schritt weiter, und man braucht Fantasie: »etepetete« stammt zwar von »être peut-être« (im Zweifel sein) ab, hat aber nichts mehr damit zu tun.

Bulette und Ragoutfäng
Die Berliner »Bulette« hat ihren Ursprung in »la boulette«, dem Kügelchen, das im Griebenschmalz gebraten wurde, wobei »Griebe« von »griblettes« kommt und »kleine Fleischschnitten« bedeutet – was die Grieben im Schmalz nicht wirklich sind. Beliebt wurde übrigens auch das »Ragoufeng«, das »fin« (feine) Ragout. Wer heute »Alarm« ruft, ruft nicht gleich »zu den Waffen« (»a l’arme«). 
Der Ursprung von »Fiesematenten« wird leidenschaftlich diskutiert – wobei jede Erklärung zu »Dummheiten« führt. Ob nun als »j’ai visité ma tante« (ich habe meine Tante besucht) als faule Ausrede eines verspäteten Soldaten, oder als Einladung eines Soldaten an ein Mädchen, ihn in seinem Zelt zu besuchen: »Visitez ma tente«. Was eine besorgte Mutter zu dem Satz animierte: »Mach keine Fiesematente!«  
Schließlich gibt es noch ein paar sprachliche Kuriositäten. Wer etwas spontan und ohne Vorbereitung macht, macht es »aus der Lamäng« (wörtlich »aus der Hand«). Wofür es kein französisches Gegenstück gibt. Beliebt wurde auch das angehängte »mang« wie in »mittenmang« oder »direktemang«, das – man ahnt es – von der adverbialen Endung »-ment« stammt. Im Deutschen ergibt das gar keinen Sinn. Ob da vielleicht ein deutscher Sprecher einen französischen nachgeäfft hatte?

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